2018 M09 1 - 13:03 Uhr

Ein grausames Verbrechen erschüttert Marokko

Zwei Monate lang wurde die 17-Jährige Khadija - wie sich das Mädchen in der Öffentlichkeit nennt - in Marokko von 15 Männern vergewaltigt, gefoltert und am ganzen Körper tätowiert. Jetzt spricht das Mädchen erstmals über das Martyrium.

Khadija: "Sie haben mich zerstört"

Khadija besuchte während des Ramadan ihre Tante in der marokkanischen Provinz Beni Melal. Sie stand vor der Haustür, als sie von einer Gruppe von Männern entführt wurde. Sie brachten sie zu einem leeren Grundstück, erzählt sie dem TV-Sender "Chouf".

Zwei Monate wurde sie dort von den Männern festgehalten und vergewaltigt. Das reichte den Tätern aber nicht: Sie brandmarkten das Mädchen mit abscheulichen Tattoos. Sie stachen ihr Beleidigungen, pornographische Darstellungen und andere erniedrigende Symbole in die Haut.

"Ich werde ihnen niemals vergeben. Sie haben mich zerstört", sagte Khadija jetzt im Interview. Mehrfach habe sie versucht davonzulaufen, aber sie wurde geschnappt und geschlagen. "Sie haben mir nichts zu essen oder trinken gegeben und haben es mir nicht erlaubt, mich zu waschen", erzählte sie weiter.

12 Täter konnten gefasst werden, drei sind noch auf der Flucht

Nach zwei Monaten voller Qualen konnte ihr Vater schließlich ihre Freilassung mit den Entführern aushandeln. Der Vorfall löste in ganz Marokko Entsetzen aus. Mittlerweile gibt es eine Online-Petition, damit das Mädchen medizinisch behandelt werden kann.

Inzwischen wurden laut Behörden zwölf der 15 Männer festgenommen. Ab dem 6. September soll ihnen der Prozess gemacht werden.

Marokko: Drastischer Anstieg von Gewalt gegen Frauen

Bouchra Abdou, feministische Aktivistin und Vorsitzende des Tahadi Centers, verurteilte diese "brutalen und respektlosen Praktiken der Gewalt gegen Frauen" gegenüber "Morocco World News" scharf.

Erst im August wurde in Marokko ein Gesetz verabschiedet, das die Gewalt gegen Frauen bekämpfen soll. Über die letzten Jahre sind die Fälle von Gewalt gegen Frauen in Marokko drastisch angestiegen. Wurden im Jahr 2016 800 Fälle öffentlich gemeldet, waren es im Jahr 2017 bereits doppelt so viele.