Drakonische Strafen in Bangladesh

16 Todesurteile nach dem Mord an Nusrat Jahan Rafi (19)

BANGLADESH-ASSAULT-GENDER
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© AFP/Getty Images, SAZZAD HOSSAIN, MUZ

24. Oktober 2019 - 11:47 Uhr

Schulleiter ordnete ihre Tötung an - weil sie ihn angezeigt hatte

Der entsetzliche Mord an Nusrat Jahan Rafi machte weltweit Schlagzeilen und bewegte viele Menschen weit über die Grenzen ihres Heimatlandes Bangladesch hinaus. Die 19-Jährige war angezündet und ermordet worden – weil sie ihren Schulleiter wegen sexueller Belästigung angezeigt hatte. Daraufhin ordnete der Mann ihre Tötung an. Jetzt wurden wegen des Mordes an der jungen Frau 16 Menschen zum Tode verurteilt.

Klassenkameradinnen lockten sie aufs Schuldach

In this photo taken on April 12, 2019 Bangladeshi women hold placards and photographs of schoolgirl Nusrat Jahan Rafi at a protest in Dhaka, following her murder by being set on fire after she had reported a sexual assault. - A schoolgirl was burned
Der Fall löste viele Proteste in Bangladesch aus.
© AFP/Getty Images, SAZZAD HOSSAIN, MUZ

Unter den Verurteilten sind der Leiter ihrer islamischen Schule und mindestens zwei Klassenkameradinnen des Opfers, teilte Staatsanwalt Hafez Ahammad in der Stadt Feni mit.

Nach dem Mord im vergangenen April gab es viele Proteste in Bangladesch. In dem mehrheitlich muslimischen Land zeigen Opfer sexueller Gewalt ihre Angreifer nur selten an. Das Gerichtsverfahren zu dem Mord war eines der schnellsten überhaupt in Bangladesch.

„Ich will bis zu meinem Tod gegen dieses Verbrechen kämpfen.“

Oft ziehen sich solche Fälle über Jahre hin. Nachdem Nusrat ihren Schulleiter bei der Polizei angezeigt hatte, lockten zwei Klassenkameradinnen sie auf das Dach ihrer Schule. Dort wollten sie sie dazu bringen, ihre Anzeige zurückzuziehen, sagte Ermittler Banaj Kumar Majumder.

Als Nusrat sich weigerte, überschütteten fünf Menschen sie mit Kerosin und zündeten sie an. Laut Polizei versuchten sie ihre Tat wie einen Selbstmord aussehen zu lassen.

Die junge Frau wurde zunächst gerettet, starb aber wenige Tage später im Krankenhaus. Kurz vor ihrem Tod gab sie ein Statement ab, das ihr Bruder mit einem Handyvideo festhielt: "Der Lehrer berührte mich, und ich will bis zu meinem Tod gegen dieses Verbrechen kämpfen."