Stiefvater soll sie jahrelang missbraucht haben

16-Jährige hinterlässt Hilferuf auf Parkbank und wird gerettet

15. Februar 2019 - 11:38 Uhr

RTL-Reporter haben mit der Retterin des Mädchen gesprochen

Sandra Unger spaziert in einem Leipziger Wohngebiet gerade an einer Parkbank vorbei, als sie plötzlich einen Zettel erblickt: "Hilfe" steht darauf. Die Schrift ist schnörkelig, wie von einem kleinen Mädchen. Das Blatt ist mit ein paar Stücken Baumrinde bedeckt, damit der Wind es nicht wegweht. Sie klappt den Zettel auf und liest ihn. Es ist der verzweifelte Hilferuf eines 16-jährigen Mädchens, das offenbar jahrelang von seinem Stiefvater vergewaltigt wurde. Die Leipzigerin geht zur Polizei und rettet das Mädchen so. Ihr ist es zu verdanken, dass der mutmaßliche Täter nun hinter Gitter sitzt. RTL-Reporter Max Fassbender hat Sandra zu dem Ort begleitet, an dem sie den Hilferuf gefunden hat.

"Wer das findet, bitte helft mir!"

Man mag es sich kaum vorstellen, was passiert wäre, wenn Sandra einfach weitergegangen wäre. Die 30-Jährige war am 31.Juli 2018 mit ihrem Hund unterwegs, als sie den Zettel auf der Parkbank erblickte. Der Text beginnt mit dem Satz: "Wer das findet, bitte helft mir!" Weiter schreibt sie: "Ich heiße Lucy, bin 16 Jahre alt und werde seit ein paar Jahren vergewaltigt."

Glücklicherweise nahm sie den Hilferuf des 16-jährigen Mädchens ernst und ging zur Polizei. Die Beamten reagierten blitzschnell. Kurz darauf wurde der Stiefvater des Teenagers, Steffen S., festgenommen. Seit Januar wird ihm vor dem Landgericht Leipzig der Prozess gemacht. Im Video äußern sich Polizei- und der Gerichtssprecher zum Fall.

Der Verdächtige ist ihr Stiefvater

Das Mädchen hatte in dem Brief konkrete Daten wie seinen Namen und seine Adresse genannt, erzählt Sandra. So konnte die Polizei sofort handelt. Laut Staatsanwaltschaft soll das Mädchen mit elf Jahren zum ersten Mal von seinem Stiefvater missbraucht worden sein. Die Übergriffe sollen sich überwiegend in der Wohnung der Familie ereignet haben. Die Anklageschrift listet insgesamt 24 Fälle zwischen März 2013 und Juli 2018 auf. Er soll unter anderem auch pornographische Bilder erstellt haben.

Im März wird das Urteil gegen den 34-jährigen Stiefvater erwartet. Die betroffene 16-Jährige und ihre Mutter sind als Nebenkläger an der Hauptverhandlung beteiligt. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.