15 Monate Haft für Reemtsma-Entführer Drach

Reemtsma-Entführer Drach ist wegen der versuchten Anstiftung zur räuberischen Erpressung zu 15 Monaten Haft verurteilt worden.
Reemtsma-Entführer Drach ist wegen der versuchten Anstiftung zur räuberischen Erpressung zu 15 Monaten Haft verurteilt worden.
© dpa, Christian Charisius

08. November 2011 - 16:53 Uhr

Keine Sicherungsverwahrung

Der Reemtsma-Entführer Thomas Drach ist vom Hamburger Landgericht zu einem Jahr und drei Monaten Haft verurteilt worden. Die Kammer sprach ihn der versuchten Anstiftung zur räuberischen Erpressung für schuldig. Das Gericht zeigte sich überzeugt, dass er im Februar 2009 mit zwei Briefen aus der Haft heraus versuchte, einen Bekannten zur Erpressung seines jüngeren Bruders anzustiften. Im Prozess hat die Staatsanwaltschaft zweieinhalb Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung gefordert. Die Verteidigung forderte eine Freilassung.

Die Anklage hielt den Vorwurf ebenfalls in vollem Umfang für bestätigt, sagte Oberstaatsanwalt Karsten Hoffmann in seinem Plädoyer. Seiner Ansicht nach sei bewiesen, dass der Angeklagte im Februar 2009 mit zwei Briefen aus der Haft heraus einen Bekannten zur Erpressung seines jüngeren Bruders anstiften wollte. Als Motiv gilt demnach Drachs Kampf um das Millionen-Lösegeld aus der Reemtsma-Entführung.

Drach habe sowohl einen Hang zu Straftaten und sei auch eine Gefährlichkeit für die Allgemeinheit, begründete Hoffmann die Forderung nach einer Sicherungsverwahrung. Im Prozess habe sich Drach weder reumütig noch einsichtig gezeigt. Zudem sei er bekanntlich erheblich vorbestraft und habe die Tat aus der Haft heraus begangen. "Auch wenn die vorliegende Tat möglicherweise nicht als schwere Gewalttat einzustufen ist, gibt sie einen Vorgeschmack darauf, was nach einer Haftentlassung zu erwarten ist", sagte der Staatsanwalt.

“An den Haaren herbeigezogen“

Verteidiger Helfried Roubicek sagte, die Briefe, in denen Drach einen Freund zur Erpressung seines Bruders angestiftet haben soll, seien lediglich ein Dampfablassen gewesen. "Er wollte mit dem Briefinhalt höchstens die Justiz provozieren und vorführen, was ihm eindrucksvoll gelungen ist", sagte Roubicek.

Drach stritt die Vorwürfe im Prozess ab. "Die ganze Sache ist an den Haaren herbeigezogen um irgendwie noch an Informationen über das Lösegeld zu kommen", sagte Drach in seinem Schlusswort vor dem Landgericht Hamburg. "Den Rest hat sich der Staatsanwalt in seinem schlauen Stübchen zusammengereimt, um irgendwie noch eine Straftat daraus zu machen", so Drach.

"Die Staatsanwaltschaft hat für nichts Zeugen vorbringen können", behauptete Drach weiter. Die Zeugen die gehört wurden, hätten alle zu seinen Gunsten ausgesagt. Außerdem hätte er wohl kaum seine "arme Mutter" und einen Elektriker geschickt, um seinen Bruder erpressen zu lassen, wie es die Anklage behauptet. "Da hätte ich auch Kölner Muskelmänner nehmen können."

Drach hatte 1996 mit Komplizen den Hamburger Millionenerben Jan Philipp Reemtsma entführt und ein Rekord-Lösegeld kassiert, von dem ein großer Teil noch verschwunden ist. Eigentlich sollte er im Juli 2012 entlassen werden.