Unglaubliche Strecke in nur zehn Tagen

15-jährige Inderin bringt ihren Vater 1.200 Kilometer mit dem Rad nach Hause

26. Mai 2020 - 20:15 Uhr

Die Welt feiert Jyoti Kumari

Was für eine tapfere Heldin! Jyoti Kumari aus Indien wollte ihrem verletzten Vater helfen und ihn nach Hause zur Familie bringen. Dafür wählte die 15-Jährige einen sehr ungewöhnlichen Weg: Auf dem Gepäckträger ihres Rades fuhr sie ihren Papa nach Hause - und zwar 1.200 Kilometer weit. In nur zehn Tagen legte die 15-Jährige die Strecke zurück. Das macht schlappe 120 Kilometer am Tag. Alles zurückgelegt mit einem Drahtesel, den sie von ihrem letzten Geld für umgerechnet 16 Euro gebraucht gekauft hatte. Jetzt geht ihre Geschichte um die Welt. Im Video zeigen wir Jyoti und ihren Papa nach der Reise.

Vom letzten Geld kaufte sie ein gebrauchtes Fahrrad

Natürlich ist Jyotis Geschichte eine Heldengeschichte - doch es ist auch eine Geschichte, die nachdenklich macht. Die das Augenmerk auf mehrere Millionen Menschen lenkt, die in Indien gestrandet sind. Wanderarbeiter, die durch die Corona-Krise jetzt völlig mittellos sind. Keine Arbeit mehr haben und wegen der Corona-Krise gezwungen sind, an einem Ort zu bleiben. Sie sind oft weit entfernt von ihren Familien. Busse und Bahnen fahren nicht mehr. Selbst wenn – die meisten der gestrandeten Wanderarbeiter hätten gar kein Geld, eine Fahrkarte zu kaufen. Bleibt nur der Weg zu Fuß – wenn man denn laufen kann.

Jyotis Vater Mohan Paswan kann das nicht. Nicht mehr. Denn er hatte einen Unfall mit der Rischka, mit der er in der Stadt Gurgaon seinen Lebensunterhalt verdiente. Weil er die Arbeit alleine nicht mehr schafft, informiert er seine Familie, die weit entfernt im nordöstlichen Bundesstaat Bihar lebt. Die 15-jährige Jyoti macht sich auf den Weg, um ihrem Vater zu helfen.

Jyoti Kumari carries her father on the back of her bicycle, in Darbhanga, Bihar, India May 21, 2020 in this still image taken from?video.?ANI via REUTERS TV ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. INDIA OUT. NO COMMERCIAL O
Jyoti Kumari und ihr Vater sind durch halb Indien gefahren - mit dem Fahrrad.
© REUTERS, ANI, ANF/

Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad im Schatten

Als die Corona-Krise ausbricht, beschließt Jyoti, ihren Vater nach Hause zur Familie zu bringen. Doch laufen können die beiden nicht - der Vater ist ja verletzt. Vom letzten Geld kauft Jyoti schließlich ein gebrauchtes Rad, 16 Euro kostet es umgerechnet. Das Mädchen und sein Vater packen ihre wenigen Habseligkeiten, verstauen sie auf dem Rad und ab geht die wilde Fahrt. Jyoti trampelt, der verletzte Vater sitzt auf dem Gepäckträger. Unter widrigsten Bedingungen – es ist heiß, die Temperaturen liegen zwischen 30 und 40 Grad im Schatten. Wahnsinn!

Essen und Trinken müssen die beiden unterwegs erbetteln, geschlafen wird unter freiem Himmel. Oft bittet Jyoti Fremde darum, deren Mobiltelefon benutzen zu dürfen, um zu Hause Bescheid zu sagen, dass es ihnen gut geht, dass es nicht mehr lange dauert, bis sie daheim sind. Manchmal werden sie von einem Lastwagen ein paar Kilometer mitgenommen, doch meistens radeln sie. Mehr als hundert Kilometer täglich, zehn Tage lang.

Die ganze Welt feiert Jyoti

Indischer Radsportverein fragte bei Jyoti an

Jyoti schafft es, sie wird sogar berühmt. Indische Medien reißen sich um die Geschichte, das Mädchen wird eine begehrte Interviewpartnerin. Ihre Story macht Schlagzeilen auf der ganzen Welt. Sogar im Sportteil - denn der indische Radsportverband lud sie zu einem Probetraining ein. Der Ruhm steigt ihr nicht in den Kopf. Sie will jetzt unbedingt ihre Schulausbildung fortsetzen, sagt sie.