15-Jährige hat sich nicht genug gewehrt: Vergewaltiger wird freigesprochen

19. September 2012 - 18:26 Uhr

Gegen ihren Willen hat sie mit einem erwachsenen Mann geschlafen, trotzdem ist der Vorfall offiziell keine Vergewaltigung. Der Fall von Chantal sorgt in ganz Deutschland für Empörung: Ein junger Mann schläft mit der damals 15-Jährigen, obwohl sie ihm sagt, dass sie das nicht möchte. Doch das Gericht spricht den Täter frei. Begründung: Das schüchterne Mädchen habe sich nicht genug gewehrt.

Frauen können meist sofort nachvollziehen, warum Chantal sich so verhalten hat. Sie hatte schließlich Angst um ihr Leben, sagt sie. Und wird Frauen nicht oft sogar gearten, sich ruhig zu verhalten, um eine Vergewaltigung lebend zu überstehen? Genau das hat die damals 15-Jährige getan.

Das Mädchen wuchs in instabilen Familienverhältnissen auf, ist unsicher - und Roy Z., der sich an sie ranmacht, ist 18 Jahre älter und als gewalttätig bekannt. "Ich war bei einer Freundin, wir haben ferngesehen und was man so macht, was getrunken … Dann hat er sie in den Keller geschickt. Er hat mich ausgezogen und dann war er halt zugange. Danach ist er runtergegangen, hat sich angezogen und das war's dann", schildert Chantal das furchtbare Geschehen.

Chantal zeigte Roy Z. erst dieses Jahr, drei Jahre nach dem Vorfall, auf Anraten einer Sozialarbeiterin an. Nach nur 2 Stunden Prozess wird der heute 31-Jährige freigesprochen. Das Gericht sagt: Chantal hätte sich viel mehr wehren müssen. Rechtsanwalt Dirk Brockpähler sagt: "Man muss schreien, man muss kratzen, man muss beißen. Dann kann der Täter erkennen: Das Opfer will nicht." Rechtlich sei der Freispruch richtig, moralisch allerdings fragwürdig. "Menschlich muss man sagen: Wir haben hier einen jungen Menschen, der in Situation subjektiv keine andere Möglichkeit sah, die Dinge, die man mit ihm getan hat, über sich ergehen zu lassen." Über sich ergehen lassen Frauen ziemlich viel. Viele Opfer von sexuellen Übergriffen gehen nicht zur Polizei.

Chantals Verhängnis: Die Türen waren nicht abgeschlossen, sie hätte fliehen können. Wolfgang Schmidt, Sprecher Landgericht Essen: "Der Angeklagte hatte weder Gewalt angewendet noch die Zeugin bedroht. Die Kammer konnte auch die Voraussetzung für eine schutzlose Lage nicht feststellen."

Am selben Abend schlug Roy Z. eine andere Frau heftigst mit einem Staubsaugerrohr - dafür wurde er zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, die er noch absitzt. Der nicht einvernehmliche Sex mit Chantal hingegen bleibt folgenlos.