31. Juli 2018 - 22:36 Uhr

700 Flüchtlinge pro Tag erreichen spanische Küsten

Was sich gerade an den Stränden der Costa de la Luz im Süden Spaniens abspielt, passt so gar nicht in die Urlaubsidylle, wegen der die Touristen gekommen sind. Während die einen in der Sonne liegen und ihre Freizeit genießen, setzen die anderen ihr Leben aufs Spiel und wagen in winzigen Booten die gefährliche Überfahrt von Afrika nach Europa. Rund 700 Flüchtlinge kommen derzeit jeden Tag an der spanischen Küste an. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) ist Spanien das neue Hauptziel afrikanischer Migranten geworden.

Immer mehr Menschen wagen Fahrt über Straße von Gibraltar

An der Straße von Gibraltar trennen Afrika von Spanien nur 14 Kilometer. Viele Flüchtlinge versuchen hier ihr Glück und hoffen, mit Schlauchbooten auf europäisches Festland gelangen zu können. Besonders seitdem die italienische Regierung sich weigert, Schiffe von Flüchtlingsorganisationen in ihren Häfen einlaufen zu lassen, steigen die Zahlen der Ankömmlinge in Spanien. "In den letzten zwei Monaten kam es zu einer dramatischen Veränderung, sodass im Juli mehr Leute nach Spanien kamen als nach Italien und Griechenland zusammen", erklärt der Migrationsforscher Gerald Knaus im RTL-Interview. Warum das so ist, sei nicht genau klar, jedoch habe die spanische Regierung ein "Zeichen gesetzt, dass sie bereit ist, weiterhin die Seenotrettung zu unterstützen." Schlepper haben sich daher auf den Weg nach Spanien spezialisiert, zumal dieser deutlich kürzer ist.

Die Regierung in Madrid sucht fieberhaft nach Lösungen, um die vielen Menschen, die plötzlich an andalusischen Stränden landen, zu versorgen. Bereits in den nächsten Tagen soll in Algeciras ein Erstaufnahmezentrum eröffnet, für das die Regierung 3,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat. In Chiclana de la Frontera wird Anfang August außerdem eine Notunterkunft für 600 Menschen öffnen, um andere Städte in der Region zu entlasten. Bisher werden viele ankommende Flüchtlinge zunächst in Sportzentren der Küstenorte untergebracht.

Opposition macht Sozialisten für Situation verantwortlich

Die Regierung und die Menschen vor Ort sind bereit, die Neuankömmlinge zu versorgen. "Na klar, helfe ich denen, was denkst du denn, ich bin doch kein Rassist. Da kommen schwangere Frauen und ganz kleine Kinder", sagte der Fischer Antonio Gonzalez der RTL-Reporterin Pia Schrörs. Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska betonte, die Situation an der Costa de la Luz sei bislang "unter Kontrolle". Allerdings bekam die sozialistische Regierung heftigen Gegenwind von der konservativen Opposition.

Der neue Chef der konservativen Volkspartei (PP), Pablo Casado, warf der Regierung vor, durch die Aufnahme der Flüchtlinge des Rettungsschiffs "Aquarius" den Ansturm auf die spanischen Küsten erst heraufbeschworen zu haben. Madrid hatte dem von der Organisation "SOS Méditerranée" gecharterten Schiff Mitte Juni erlaubt, den Hafen von Valencia anzusteuern, nachdem es tagelang mit 630 Flüchtlingen an Bord durchs Mittelmeer geirrt war.

"Dies ist ein europäisches Problem"

Flüchtlinge in Spanien
Die spanische Regierung richtete mehrere Aufnahmezentren ein, um die ankommenden Menschen zu versorgen
© dpa, Marcos Moreno, FS lil

Die Regierung wies die Vorwürfe energisch zurück und betonte, sie habe bereits konkrete Notmaßnahmen ergriffen. "Es ist keineswegs so, dass wir die Flüchtlinge zu uns rufen, sondern sie sind auf der Flucht aus ihren Ländern", erklärte ein Mitarbeiter des Innenministeriums. Deshalb sei es so wichtig, mit den Herkunftsländern zusammenzuarbeiten.

Jetzt soll auch auf "höchster europäischer Ebene" sowie durch Gespräche mit Ländern wie Marokko, Algerien und Mauretanien nach Lösungen gesucht werden, berichteten spanische Medien. Grande-Marlaska erklärte: "Dies ist ein europäisches Problem, das europäischer Lösungen bedarf."

Die Gesamtzahl der Flüchtlinge, die über das Meer nach Europa kommen, hat drastisch abgenommen. Laut IOM waren es von Januar bis Juli 2017 noch rund 114.000. Im gleichen Zeitraum 2018 kamen nur noch knapp 52.000.