Landgericht Osnabrück urteilt: Totschlag

Vater prügelt neugeborenen Sohn zu Tode: 12 Jahre Haft

25. Januar 2019 - 17:52 Uhr

Richter: "Liam starb, weil sie aus Wut so heftig auf ihn eingeschlagen haben"

Ein 25-Jähriger muss für 12 Jahre ins Gefängnis, weil er seinem vier Tage alten Sohn so heftig gegen den Kopf geschlagen hatte, dass der kleine Liam wenige Tage später starb. Dieses Urteil - Totschlag - hat das Landgericht Osnabrück gefällt. André C. nahm die Strafe gefasst entgegen und nickte sogar. Wie es der Mutter geht und was ihre Anwältin zu dem Urteil sagt – im Video.

Grausame Details einer brutalen Tat

Osnabrueck
Der Verurteilte (links) mit seinem Verteidiger Frank Otten.

"Liam war kein quengeliges Kind. Liam war noch nicht richtig Zuhause angekommen, gerade geboren. Er hatte nicht die Möglichkeit, seine Eltern zur Weißglut zu bringen", begründete der Vorsitzende Richter Ingo Frommeyer das Urteil. Der Angeklagte habe aus Wut und Überforderung heraus gehandelt, weil das Baby beim Waschen herumgezappelt habe. Und direkt an den Angeklagten gewendet, sagte er: "Liam starb, weil Sie aus Wut und Gereiztheit so heftig auf ihn eingeschlagen haben."

Nach Überzeugung des Gerichts hat der zum Tatzeitpunkt 24-jährige Vater mindestens viermal heftig mit der flachen Hand gegen den Kopf des Säuglings geschlagen und auch in den Genitalbereich des kleinen Jungen geschlagen. Das Baby blutete später aus Mund und Nase und starb im Alter von acht Tagen aufgrund stumpfer Gewalteinwirkung gegen den Kopf.

Angeklagter will "aus Panik" zugeschlagen haben

Das Gericht folgte der Staatsanwaltschaft. Sie hatte dem jungen Vater vorgeworfen, das Kind misshandelt und geprügelt zu haben. Die Mutter soll davon nichts mitbekommen haben. Bereits zum Prozessauftakt im November 2018 räumte der Angeklagte die Tat ein. Aus Panik heraus habe er seinem Kind mit der flachen Hand gegen den Kopf geschlagen.

Mit schwersten Verletzungen war der kleine Junge im Mai 2018 in das Krankenhaus gekommen, das er erst wenige Stunden zuvor nach seiner Geburt verlassen hatte. Einige Tage später starb der Säugling dann.

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Jugendamt war schon vor der Geburt informiert

Der Vater hatte zunächst behauptet, ein Hund habe den Jungen schwer verletzt. Die Polizei hatte danach auch nach Zeugen gesucht, die eine angebliche Beißattacke auf das Kind auf einer Wiese beobachtet hatten. Einen Tag später stand für die Ermittler fest, dass das Kind keine Bisswunden erlitten hatte, sondern geschlagen wurde.

In der polizeilichen Vernehmung hatte der Vater laut Staatsanwaltschaft erklärt, dass er das schreiende Kind habe ruhig stellen wollen. Schon während der Schwangerschaft hatte das Osnabrücker Jugendamt Hinweise auf die Familie bekommen. Die Stadt hatte nach eigenen Angaben Angebote zur Unterstützung gemacht, die Eltern seien sehr kooperativ gewesen und wollten sich nach der Geburt beim Jugendamt melden.