Sieben Stunden nonstop live

11. September 2001: So erlebte Peter Kloeppel den Anschlag auf das World Trade Center

12. September 2019 - 9:33 Uhr

Peter Kloeppel: "Wir haben sehr schnell entschieden"

Um 14:53 Uhr gehen in den Redaktionen weltweit erste verstörende Blitzmeldungen ein: Aus dem Nordturm des World Trade Centers in New York steigt Rauch auf. "Ich saß gerade im Büro", erinnert sich Peter Kloeppel. "Eine Kollegin sah bei CNN die schrecklichen Bilder. Dann haben wir alle umgeschaltet und sehr schnell entschieden, dass wir unbedingt auf Sendung gehen müssen. Nach fünf Minuten in der Maske sah ich, wie das zweite Flugzeug in den Turm flog. Ich dachte erst, es wäre ein Replay des ersten Flugzeuges. Aber es war Realität."

Sieben Stunden nonstop live bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001

Peter Kloeppel berichtete für RTL über die Terroranschläge am 11. September, wofür er mit dem Mitteldeutschen Medienpreis Hans Klein (2001), dem Goldenen Gong und dem Adolf-Grimme-Preis 2002 ausgezeichnet wurde.
Peter Kloeppel Jahre später an Ground Zero, wo einst die Zwillingstürme des World Trade Centers in den Himmel ragten.

Als RTL um 15:09 Uhr als erster großer deutscher TV-Sender das laufende Programm unterbricht, ahnt er noch nicht, dass er über sieben Stunden nonstop im Nachrichtenstudio sitzen und die längste Sondersendung überhaupt moderieren wird.

"Als wir auf Sendung gingen, waren bereits zwei Flugzeuge in die beiden Türme des World Trade Centers geflogen. Wir wussten weder von dem Flugzeug, das kurz darauf ins Pentagon gelenkt wurde, noch von dem vierten Flugzeug, das dann in Pennsylvania abstürzte. Wegen der Unvorhersehbarkeit und der verstörenden, fürchterlichen Live-Bilder sah ich meine Hauptaufgabe darin, in erster Linie Ruhe zu bewahren und zu versuchen, die Übersicht zu behalten. Ich wollte die Zuschauer an die Hand nehmen und ihnen das Unerklärliche erklärbar, das Unbegreifbare begreiflich machen."

"Kompetentes Nachrichtenfernsehen"

Seine fundierten Amerikakenntnisse kommen Peter Kloeppel dabei zugute, weit mehr aber noch die Zuarbeit der vielen Kollegen, die draußen in der Redaktion und in den Außenstudios sitzen. Volker Weicker "fährt" an diesem Tag als Regisseur die Sondersendung. Aus den USA wird u.a. der Bertelsmann-Vorstand Rolf Schmidt-Holtz zugeschaltet, der im selben Moment als Augenzeuge den Einsturz des Nordturms erlebt.

RTL wird in der Nachbetrachtung viel Respekt für seine Berichterstattung gezollt. Bei den jungen Zuschauern ist RTL mit seinen Sondersendungen an diesem Tag die mit Abstand wichtigste Informationsquelle.

Für die herausragende RTL-Berichterstattung und seine Moderationsleistung bekommt Peter Kloeppel später, stellvertretend für das gesamte RTL-Team, den Mitteldeutschen Medienpreis "Hans Klein" (2001), den Goldenen Gong und gemeinsam mit Regisseur Volker Weicker den Adolf-Grimme-Preis 2002. "Wir waren darauf vorbereitet, dass irgendwann der Moment kommen würde, in dem wir unsere erworbenen Stärken beweisen können: kompetentes Nachrichtenfernsehen."