Unfassbare Bewegung nach Präsidentschaftswahl

100 polnische Gemeinden erklären sich zu LGBT-freien Zone

13. Juli 2020 - 14:11 Uhr

Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender in Polen unerwünscht

Was da gerade in Polen passiert, ist nicht zu glauben: Kaum ist der konservative Politiker Andrzej Duda (so gut wie) zum Präsidenten gewählt worden, scheinen einige Gemeinden ins Mittelalter zurückzufallen. Zum Beispiel Niedzwiedz: Das Dorf hat sich selbst zur LGBT-freien Zone erklärt. Das bedeutet: Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender sind nicht erwünscht.

„PIS"-Partei von Präsident Duda warnt ausdrücklich vor LGBT

"Ich bin nicht mehr der Jüngste. LGBT hat es hier einfach noch nie gegeben und ich bin auch dagegen", sagt ein Anwohner, als unser Reporter-Team ihn auf die LGBT-freie Zone anspricht. Diese Ablehnung kommt nicht von ungefähr. Die "PIS"-Partei von Präsident Duda warnt ausdrücklich vor LGBT, denn: Sie würden die christlichen Werte bedrohen. Für das religiös geprägte Land Polen ein No-Go. Deshalb haben sich volle 100 Gemeinden zusammengeschlossen und zum homofreien Gebiet erklärt.

LGBT-Community demonstriert in Krakau

Professor Dr. Ireneusz Karolewski vom Institut für Politikwissenschaft an der Universität Leipzig erklärt: "Das ist kein Gesetz, allerdings führt das zur Stigmatisierung und zum Ausschlus. Und das ist natürlich problematisch – auch in der Hinsicht, dass Menschen zu Feinden erklärt werden und auch bekämpft werden, politisch."

In Krakau kam es deshalb jetzt zu Demonstrationen. Junge Leute, die sich der LGBT-Gemeinde zugehörig fühlen, fordern eine gerechte Behandlung. "Jeder ist anders, alle sind gleich", rufen sie immer wieder. Auf ihren Schildern steht "Stoppt den Hass".

Junge Menschen gingen auf die Straße, um gegen die LGBT-freien Zonen zu demonstrieren.
Junge Menschen gingen in Krakau auf die Straße, um gegen die LGBT-freien Zonen zu demonstrieren.
© RTL

Diskriminierung stößt in der EU auf Gegenwind

Auch in der EU stößt die Diskriminierung auf Gegenwind. Die plant jetzt nämlich, Gemeinden, die sich als LGBT-freie Zone sehen, nicht weiter finanziell zu unterstützen. Denn: In der EU dulde man es nicht, dass Menschen diskriminiert würden, wie es gerade in Polen der Fall ist.