100.000 Demonstranten in ganz Deutschland: Immer mehr Protest gegen 'Pegida'

13. Januar 2015 - 13:02 Uhr

Kundgebungen verliefen weitgehend friedlich

Am ersten Montag nach den terroristischen Morden von Paris sind deutschlandweit mehr als 100.000 Menschen auf die Straßen gegangen, die überwiegende Mehrheit von ihnen, um gegen die Pegida-Bewegung zu protestieren. Sowohl die Demos der Anti-Islam-Bewegung als auch die Gegenkundgebungen verliefen weitgehend ruhig. Bundesweit nahmen nach Schätzungen insgesamt etwa 100.000 Menschen an den Kundgebungen teil.

100.000 Demonstranten in ganz Deutschland: Immer mehr Protest gegen 'Pegida'
Zehntausende Menschen protestierten deutscklandweit, die meisten von ihnen gegen Pegida.
© dpa, Oliver Dietze

Trotz wachsender Kritik und Spott von Karikaturisten hat Pegida an seinem Entstehungsort Dresden weiter Zulauf. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich dort über 25.000 Menschen am zwölften sogenannten Abendspaziergang, um gegen eine angebliche Überfremdung zu demonstrieren – 7.000 mehr als zuletzt und so viele wie noch nie.

Ein gänzlich anders Bild bot sich in vielen anderen Städten. In Leipzig gingen rund 30.000 Menschen gegen eine erste Demonstration eines Pegida-Ablegers auf die Straße gingen. Dem Legida-Aufruf folgten laut Polizei 4.800 Islam-Kritiker. In München nahmen rund 20.000 Menschen an einer Demonstration unter dem Motto 'München ist bunt' teil. Etwa 4.000 Menschen in Berlin standen circa knapp 400 'Bärgida' 400 Demonstranten gegenüber. In Düsseldorf haben etwa 5.000 Menschen gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit demonstriert.

In Hannover folgten rund 17.000 Menschen einem Aufruf zu einer Demonstration gegen Pegida. Der Aufzug des örtlichen Pegida-Bündnisses mit rund 150 Teilnehmern wurde nach nur einer Stunde beendet. In der niedersächsischen Landeshauptstadt kam es zu einzelnen Gewalttätigkeiten und Festnahmen.

Etwa 9.000 Menschen gingen in Saarbrücken aus Protest gegen Pegida auf die Straße, darunter das gesamte saarländische Kabinett. Anlass war der erste Aufruf von Saargida, dem saarländischen Pegida-Ableger, an dessen Aufzug sich nach Polizeiangaben lediglich 200 bis 300 Menschen beteiligten. In Hamburg demonstrierten laut Polizei rund 4.000 Menschen gegen Terror, Rassismus und Ausgrenzung.

Spitzen von Staat und Gesellschaft protestieren am Brandenburger Tor

Am heutigen Dienstag wollen Spitzen von Staat und Gesellschaft gemeinsam am Brandenburger Tor in Berlin mit den Muslimen in Deutschland gegen islamistischen Terror und für ein friedliches Zusammenleben der Religionen demonstrieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte nach den Terroranschlägen in Paris Toten vor einer pauschalen Verurteilung der rund vier Millionen Muslime, die in Deutschland leben.

Sie sei wie der frühere Bundespräsident Christian Wulff der Meinung dass der Islam zu Deutschland gehöre, sagte Merkel. Die Türkische Gemeinde in Deutschland hofft auf eine Signalwirkung durch die gemeinsame Kundgebung in Berlin. "Ich hoffe, dass da ein Wir-Gefühl entsteht. Wir sind Deutschland", sagte der Bundesvorsitzende Gökay Sofuoglu der 'Passauer Neuen Presse'.