Können wir dadurch die Infektionsketten unterbrechen?

Initiative „Plan C“ schlägt vor: 7 Tage Lockdown, 3 Wochen soziales Leben

Kommen wir mit dieser Strategie ohne kompletten Lockdown durch den Winter?
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28. Oktober 2020 - 12:45 Uhr

Statt Lockdown wie im Frühjahr selbst isolieren?

In ganz Deutschland – und auch im Rest von Europa – steigen die Infektionszahlen rasant an. Viele Experten sind sicher: Wir befinden uns bereits in der zweiten Welle und wenn wir nicht schnell etwas ändern, droht ein zweiter Lockdown. Welche Folgen der für die Wirtschaft und unsere Leben hat, haben wir bereits im Frühjahr zu spüren bekommen. Daher schlägt eine Initiative nun den "Plan C" vor: Statt eines kompletten Lockdowns oder einem "Lockdown light" fasst jeder Mensch sich an die eigene Nase und macht bei folgendem Plan mit: Eine Woche im Monat freiwilliger Lockdown, dann drei Wochen "normales" soziales Leben mit Einhaltung der AHA-Regeln. Kann man so die Infektionszahlen senken?

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Hart aber überschaubar kurz

Hintergrund für die Initiative ist, dass wir die bisher relativ glimpflichen Folgen der Corona-Pandemie in Deutschland gefährden, wenn wir so weitermachen wie bisher. Durch die kühleren Temperaturen sind wir vermehrt in geschlossenen Räumen, einige halten sich vielleicht nicht mehr ganz so diszipliniert an die Kontaktbeschränkungen und AHA-Regeln und schwupps – die Zahlen steigen. Doch ein Lockdown ist für Wirtschaft und Menschen gleichermaßen eine Belastung. Mit der Idee, dass sich möglichst viele Menschen für eine Woche im Monat freiwillig isolieren, so die Initiatoren, könne man die Infektionsketten durchbrechen und die Zahlen senken – und das mit einer harten, aber überschaubar kurzen und dafür regelmäßigen Einschränkung.

"Wir glauben, dass es mit Plan C möglich ist, die Corona-Fallzahlen nachhaltig zu reduzieren – ohne Menschen an die Grenzen ihrer Kräfte zu bringen. Ohne einen zweiten, dauerhaften Lockdown mit ungewissem Ende. Dafür mit einem gesunden Maß an Selbstbestimmung und Planbarkeit", heißt es auf der Webseite der Initiative.

Wie sieht der freiwillige Lockdown aus?

Dort können Menschen ein "Gelöbnis" ablegen, dass sie sich vom 8. bis zum 14. November freiwillig in Isolation begeben. Auf der Webseite wird dabei die Postleitzahl gespreichert, um später den Anteil der Mitmacher mit dem der Neuinfektionen vergleichen zu können.

Bei der freiwilligen Selbstisolation sollen die Mitmachenden mit ihrem eigenen Hausstand möglichst zu Hause bleiben.

Erlaubte Ausnahmen sind:

  • Die Kinder in den Kindergarten bzw. die Schule bringen.
  • Mit deinem Haushalt allein draußen (z.B. im Wald) spazieren gehen.
  • Essen nach Hause bestellen.

Nicht erlaubt sind:

  • Mit Menschen aus anderen Haushalten treffen.
  • Shoppen, in Bars und Restaurants gehen, Freizeitangebote wie Schwimmbäder u.a. nutzen.
  • Ins Büro gehen – insbesondere, wenn Home Office möglich ist.

Die Initiatoren empfehlen, mit dem Arbeitgeber über Plan C zu sprechen. Vielleicht können gemeinsam Anreize und Möglichkeiten geschaffen werden, um die Isolation zu ermöglichen.

Was bringt ein 7-tägiger Lockdown?

"Wer mit COVID-19 infiziert wurde, steckt vier bis sechs Tage später weitere Personen an – auch ohne selbst Symptome zu haben", so die Initiatoren. "Damit es nicht zu den gefährlichen Infektionsketten kommt, müssen Infizierte deshalb frühzeitig isoliert werden."

Die Infektionsketten würden so immer wieder durchbrochen, die Zahlen sinken kurzzeitig und sobald sie wieder steigen, werden sie durch die nächste Plan-C-Woche wieder durchbrochen. Die fest eingeplante Woche habe dabei Vorteile für Privatpersonen und Unternehmen. "Für jede Person ist das Leben deutlich leichter zu organisieren, wenn sie weiß, wann das gesellschaftliche Leben im Stillstand ist oder weitergeht."

Wer steckt hinter Plan C?

Es handelt sich um eine Initiative von verschiedenen Bürgerinnen und Bürgern aus allen Bereichen, partei- und unternehmensunabhängig. Von Ärzt*innen, Gastronomiefachkräften und Forscher*innen bis hin zu Künstler*innen – jeder soll die Möglichkeit haben, aktiv mitzumachen.