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1-Jähriger in der Pubertät: Die Testosteron-Creme des Vaters hat Folgen für Baby Barnaby

Ihm wuchsen sogar Schamhaare!

Creme des Vaters war schuld: Barnaby kommt als Einjähriger in die "Pubertät"

Barnaby Brownsell mit seiner Mutter Erica
Barnaby Brownsell mit seiner Mutter Erica. Schon im Alter von 18 Monaten wirkte der Junge viel älter als seine Altersgenossen und war schon fast einen Meter groß.
Erica Brownsell

von Diana Heuschkel

Stellen Sie sich mal vor, Ihr Kleinkind zeigt plötzlich Anzeichen einer Pubertät? Klingt irre, aber genau das ist Erica und Peter Brownsell aus dem britischen Brighton widerfahren. Ihr gerade mal ein Jahr alter Sohn Barnaby wächst und wächst und führt sich plötzlich auf wie ein Teenager. Als dem Kleinkind dann auch noch Schamhaare wachsen, schrillen die Alarmglocken der Eltern. Doch bis zur richtigen Diagnose ist es ein weiter Weg.

Eltern besorgt: Barnaby (1) zeigt Anzeichen einer Pubertät

Als Barnaby Brownsell im Januar 2020 zur Welt kommt, ist er etwa so groß und schwer wie andere Neugeborene . Doch wenige Monate später bemerkt Mutter Erica, dass ihr Junge bereits ein erhebliches Stück gewachsen ist. „Sein erster Geburtstag war im Januar. Und von Januar bis April wuchs er wirklich sehr schnell“, erinnert sich die Mutter im Gespräch mit RTL. Weil aufgrund der Pandemie einige der Kinder-Untersuchungen ausfallen, fehlt den Eltern ein Ansprechpartner. „Wir wussten also nicht so recht, was wir davon halten sollten. Schließlich sollen Kinder doch wachsen, oder nicht?“

Doch die Sorge, dass etwas mit ihrem Sohn nicht stimmen könnte, lässt die Eltern nicht los. „Wir zeigten den Ärzten unser Kind – und sie sagten: ‘Stimmt, er ist groß’. Eine besondere Behandlung boten sie uns allerdings nicht an und sie fragten auch nicht nach seinen Lebensumständen“, erinnert sich die Britin.

Mit 18 Monaten wiegt Barnaby bereits 18 Kilo und ist 95 Zentimeter groß – Maße, die deutlich über dem Altersdurchschnitt liegen. Hinzu kommt: Erica und Peter Brownsell bemerken, dass ihr Sohn Erektionen hat, die ihnen alles andere als altersgerecht vorkommen. Zudem hat der Junge teilweise heftige, minutenlange Wutanfälle. "Auch auf dem Spielplatz musste ich ihn sehr aufmerksam beobachten, weil ich wusste: Wenn er anderen Kindern an den Haaren zieht, würden diese wahrscheinlich sehr viel kleiner sein als er“, erinnert sich die Britin im RTL-Interview.

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Verzweifelte Suche nach der Ursache

„Ich habe dann auf eine Überweisung bestanden und wir sind schließlich privat zu einem Kinderarzt gegangen“, erzählt sie weiter. Auch diesem Arzt fällt auf, dass das Kind ungewöhnlich groß ist. „Dann fragte er: ‘Kann ich mir seine Genitalien ansehen?’ Und als er sich seinen Penis ansah, sagte er: Das ist die Größe des Penis’ eines 10-Jährigen!’“

Dem Kinderarzt fällt auf: Barnaby hat bereits Schambehaarung. „Das hatte ich auch schon bemerkt, aber ich hatte das gegoogelt und anscheinend ist es gar nicht so ungewöhnlich, dass Kinder manchmal ein paar Schamhaare haben, wenn sie einen Hormonschub bekommen“, so Erica. Der Arzt veranlasst einen Bluttest und überweist die Eltern mit ihrem Kleinkind im Januar 2022 mit dem Befund an einen Endokrinologen. „Als dieser die Ergebnisse des Bluttests sah und Barnaby anschaute, sagte er sofort: ‘Er produziert zu viel Testosteron und wir müssen herausfinden, warum.'"

Die erste Vermutung des Arztes: Eine genetische Erkrankung namens Kongenitale Nebennierenhyperplasie (CAH) könnte dahinter stecken, bei der die Nebennieren zu viel Testosteron produzieren. Eine weitere Befürchtung: Auch ein Tumor könnte die Überproduktion des Hormons auslösen.

Es folgen weitere Tests: Ein Ultraschall der Nebennieren und Röntgenaufnahmen der Hand des Jungen. Die Bilder der Hand zeigen: Barnabys Knochendichte ähnelt der eines Viereinhalb-Jährigen. "Das bestätigte, dass es sich definitiv um ein beschleunigtes, durch Testosteron ausgelöstes Wachstum handelte", erklärt uns Erica. Immerhin: Durch den Ultraschall kann die schlimmste Befürchtung, ein zugrundeliegender Tumor, ausgeschlossen werden. Doch die Frage nach der wahren Ursache bleibt.

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Barnaby Brownsell läuft auf der Wiese
Lange wissen die Eltern nicht, warum Barnaby um einiges größer und muskulöser ist als seine Altersgenossen.
Erica Brownsell
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"Wer diese Creme benutzt, sollte auf keinen Fall Körperkontakt mit Kindern haben!"

Als ein weiterer Bluttest nur wenige Wochen später erneut einen drastischen Anstieg der Testosteron-Werte zeigt, fällt es dem Endokrinologen ein: Testosteron-Gels oder -Cremes könnten einen so dramatischen Anstieg des Hormons im Körper des Jungen ausgelöst haben, vermutet der Mediziner. "Ich sagte sofort: Mein Mann Peter nimmt Testosteron-Creme! Und zwar eine mit einer hohen Stärke, weil er selbst kein Testosteron produziert", erinnert sich Mutter Erica an den Schlüsselmoment.

Bei jeder Berührung, beim Spielen, der Zubereitung des Essens, beim Wickeln – immer dann war es möglich, dass eine Dosis des Hormons auf den Kleinen übertragen wurde. "Mein Sohn wurde jeden einzelnen Tag vergiftet, ohne dass wir davon wussten", sagt Erica Brownsell. Sie macht dafür auch den Hersteller der Creme, Besins Healthcare, verantwortlich. Denn bis heute habe dieser auf dem europäischen Beipackzettel des Produkts keine Warnung abgedruckt, dass der Wirkstoff auch auf Kinder übertragen werden kann. "Wer diese Creme benutzt, sollte auf keinen Fall Körperkontakt mit Kindern haben", betont die Mutter.

Das bestätigt uns auch der Mediziner Dr. Christoph Specht. Der Allgemeinarzt erklärt im RTL-Interview: „Die Gefahr ist bekannt. Und es ist häufig so, dass Endokrinologen, die solche Cremes verschreiben, auch darauf hinweisen.“ Neben den Kindern könnten auch die Partner von den Nebenwirkungen der Testosteron-Cremes betroffen sein, so der Mediziner. Meist sei die Auswirkung auf das Umfeld jedoch nicht ganz so dramatisch wie bei Barnaby. Hier habe vermutlich die sehr hohe Testosteron-Konzentration in der Creme des Vaters in Verbindung mit der Langzeitanwendung zu einem verstärkten Effekt geführt, schätzt Dr. Specht.

Vater setzt Creme ab - so geht es Barnaby heute

Heute bekomme ihr Mann das Testosteron in Form einer Spritze verabreicht, sagt Erica Brownsell, wodurch eine Übertragung auf den Sohn ausgeschlossen sei. Barnaby habe mittlerweile aufgehört zu wachsen. Seine Intimbehaarung sei wieder verschwunden, sein Genital etwas kleiner geworden und auch das Gemüt des heute Zweieinhalb-Jährigen sei wieder viel ausgeglichener.

Die Mutter hat es sich nun zum Ziel gesetzt, mehr Aufmerksamkeit für die Gefahren von Testosteron-Cremes für Kinder zu schaffen. Nicht nur Eltern, auch Menschen, die mit Kindern arbeiten oder diese betreuen, rät sie von der Verwendung ab.

Doch vor allem will Erica Brownsell anderen Eltern ans Herz legen, die körperlichen Anzeichen ihrer Kinder zu beobachten und ernst zu nehmen. "Wenn Ihr Kind einen plötzlichen Wachstumsschub hat, der Ihnen überraschend heftig vorkommt, wenn auch die Muskeln immer mehr wachsen, wenn sich die Genitalien verändern", warnt die Mutter, immer dann bestehe die Möglichkeit, dass ein Kind in Kontakt mit Testosteron gekommen ist. Dabei könne der Überschuss sowohl von innen kommen, etwa durch eine Erkrankung, oder – wie in Barnabys Fall – von außen. "Bestehen Sie auf einen Bluttest , selbst wenn Sie selbst keine Testosteron-Creme benutzen. Vielleicht benutzen es Ihre Eltern oder die Kindergärtner", mahnt die Mutter.

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