16. April 2019 - 8:11 Uhr

Köln patzt erneut

50.000 Zuschauer, Erster gegen Zweiter. Es sollte das Top-Spiel der diesjährigen Zweitliga-Saison werden - am Ende war es ein eher harmloser Montagabend-Kick, der mit 1:1 (1:0) endete. Pech für den 1. FC Köln, Glück für den Hamburger SV, der dank seines ersten Joker-Tores der Saison einen Punkt aus der Domstadt entführte.

Köln zu Beginn dominant

Die erste halbe Stunde dominierten die Hausherren ihren Verfolger nach Belieben. Nur Zentimeter trennten den 1. FC Köln von einer frühen Führung. Die Hamburger Defensive ist in dieser Phase desolat, besonders Kapitän Gotoku Sakai, über dessen Seite die Domstädter immer wieder durchbrachen. Erst Simon Terodde (1.), dann Jonas Hector (5.) und zuletzt Dominick Drexler (18.) tauchten so gefährlich vor dem Gehäuse der Gäste auf. Im letzten Moment brachte der HSV mit Mühe und Not aber immer einen Fuß dazwischen. Bis sich in der 25. Minute eine einstudierte Eckstoß-Variante als Erfolgsgarant entpuppte. Johannes Geis schlug eine kurze Hereingabe auf Marco Höger, der den am langen Pfosten umherschleichenden Drexler fand. Sakai hob auf der Torlinie das Abseits auf, weshalb der 28-Jährige unbedrängt zum 1:0 einschieben konnte. Bis zur Halbzeit blieb es dabei: Der 1. FC Köln war präsenter, technisch versierter und vom Kopf her schneller. Die erste und einzige Hamburger "Chance" war bis dato ein verzweifelter Distanzschuss von Douglas Santos (40.), der das Tor von Timo Horn um mehrere Meter verfehlte.

Hamburg bewies Moral

Bei den Norddeutschen fehlten zwar Pierre-Michel Lasogga, Kapitän Aaron Hunt und Lewis Holtby, doch das war bei weitem keine Entschuldigung für die schwache erste Hälfte im Zweitliga-Topspiel. Trainer Hannes Wolf hatte an der Seitenlinie schwer zu tun, peitschte immer wieder Flügelspieler Bakery Jatta an. Mit Erfolg: Nach einer Hereingabe von Khaled Narey fehlten nur Zentimeter, damit Jatta den Ball gefährlich in Richtung Gehäuse drücken konnte (53.). Eine Viertelstunde später wieder Jatta, der sich das Leder schnappte, im Alleingang in den Strafraum zog, aber zu überhastet das Stadiondach anvisierte (69.). Die Gäste wurden aktiver, spielten es in der gegnerischen Hälfte aber noch zu umständlich. Und plötzlich war der Ball dann doch im Tor. Marcel Risse brachte den Ball nach einer Ecke nicht aus dem Gefahrenbereich, weshalb Narey die Kugel per Kopf noch einmal vor das Tor, direkt in den Fuß von Manuel Wintzheimer, beförderte. Der Joker stach und rettete dem HSV einen glücklichen Zähler im Spitzenspiel (85.). Schuld ist der 1. FC Köln selbst, der nach 60 Minuten in den Verwaltungsmodus schaltete und dafür die Quittung erhielt.

Anfang trotz Hiobsbotschaft an der Seitenlinie

15.04.2019, Nordrhein-Westfalen, Köln: Fußball: 2. Bundesliga, 1. FC Köln - Hamburger SV, 29. Spieltag. Kölns Dominick Drexler trägt während des Aufwärmens ein T-Shirt mit der Aufschrift "Alles Jode Dieter". Dieter Anfang, der Vater von Kölns Trainer
Alles Jode, Dieter! Die Spieler waren trotz Spitzenspiel mit dem Herzen bei Anfang-Senior
© dpa, Marius Becker, mb cvi

Trainer Markus Anfang saß wie angekündigt gegen den Hamburger SV auf der Bank des 1. FC Köln. Anfangs Vater Dieter hatte vor dem Nachholspiel am Mittwoch in Duisburg (4:4) einen Herzinfarkt erlitten. "Es geht ihm viel besser", sagte Markus Anfang vor der Partie dem TV-Sender Sky. "Für meinen Vater wäre es wichtig gewesen, dass ich meinen Job weitermache, weil er auch ein großer Fußball-Fan ist." Die FC-Profis wärmten sich in speziell entworfenen T-Shirts mit der Aufschrift "Alles Jode, Dieter" ("Alles Gute, Dieter") auf. "Die Mannschaft gibt mir viel Kraft", sagte Anfang.