“0:5 oder 0:5 – das ist doch Wurst“

© Bongarts/Getty Images, Bongarts

7. August 2015 - 12:32 Uhr

Reus, Bender, Hummels, Gündogan, Subotic und Blaszczykowski. Borussia Dortmund geht vor dem Pokalviertelfinale bei Eintracht Frankfurt personell am Stock. Doch Jürgen Klopp wäre nicht Jürgen Klopp, wenn er nicht auch dieser Situation etwas Positives abgewinnen könnte.

"Wenn es etwas Gutes hat", sagte der BVB-Coach über die ständigen Hiobsbotschaften, "dann die Tatsache, dass wir es gewohnt sind, mit ihnen umzugehen. So ist es keine emotionale Achterbahnfahrt. In dem Moment geht nämlich sofort die Tür für andere Spieler auf."

Und die letzten zwei Bundesliga-Spiele haben gezeigt, Klopp kann sich auf seine 'anderen Spieler' verlassen. Vor allem die in der Hinrunde oft kritisierten Neuzugänge Pierre-Emerick Aubameyang und Henrikh Mkhitaryan drückten dem BVB-Spiel ihren Stempel auf.

Beim 5:1-Sieg in Bremen zeigte insbesondere der Armenier, warum der BVB vor der Saison rund 25 Millionen Euro an Schachtjor Donezk überwiesen hat. Unglaubliche Spielübersicht, gute Bewegungen zwischen den Linien und der eiskalte Abschluss eines Torjägers. Ein gut aufgelegter Mkhitaryan scheint wie gemacht für das System der Dortmunder. "Wenn er ein bisschen Leichtigkeit verspürt, wird er sofort überragend", schwärmte Klopp nach dem Gala-Auftritt.

Doch ein Mkhitaryan allein wird bei den widererstarkten Hessen nicht reichen. "Da werden uns mit Sicherheit wenig Räume angeboten. Wir sind auf einen richtig starken Gegner eingestellt. Es wird ein offenes Spiel, in dem Tabellenplätze keine Rolle spielen", warnte Klopp. Was wie die gewöhnlichen Fußballer-Phrasen klingt, dürfen sich seine Spieler aber durchaus zu Herzen nehmen.

Eintracht: Zurück zu alter Stärke

Die Eintracht hat sich wieder stabilisiert und schippert mit nun vier Zählern Vorsprung auf den Relegationsplatz in etwas ruhigeren Gewässern. Zwei Dreier aus den ersten drei Rückrundenspielen können sich sehen lassen. Das 0:5-Debakel beim FC Bayern darf hier getrost unter den Tisch fallen. Coach Armin Veh hatte das Spiel schon vor Anpfiff für verloren erklärt. Doch die wichtigen Heimsiege gegen Berlin und Braunschweig haben seiner Mannschaft spürbar etwas von dem Druck und der Verkrampfung der vergangenen Monate genommen.

Frankfurt spielt wieder offensiv, sucht das frühe Pressing und erinnert auch von der läuferischen Einstellung stark an vergangene Saison. "Wir sollten Dortmund unter Druck setzen, draufgehen, sie attackieren und beschäftigen. Das ist ungewohnt für sie", meinte Marco Russ voll Selbstvertrauen. Schließlich habe man eh nichts zu verlieren. "Ob wir draufgehen und 0:5 verlieren oder hinten drin stehen und 0:5 verlieren - das ist doch Wurst."

Seit dem Wochenende haben allerdings auch die Hessen zwei neue Sorgenkinder. Kapitän Pirmin Schwegler hofft trotz einer Rippenprellung noch auf seinen Einsatz, und auch Johannes Flum gab sich ungeachtet seiner Schmerzen im Gesäß (Zerrung) eher zuversichtlich: "Ich will gegen Dortmund unbedingt dabei sein. Das ist ein geiles Spiel!"

Die Ausgangslage ist also klar: Für die Borussia ist der Pokal zumindest national die letzte Chance, in dieser durchwachsenen Saison noch einen Titel zu holen. "Es ist ein Finale um den Einzug ins Halbfinale", so Klopp, der weiß, dass seine Mannschaft fünf der letzten sechs Auswärtsspiele gewonnen hat.

Aber auch bei der Eintracht rechnet man sich etwas aus. "Wir haben auch eine gute Mannschaft", sagte Veh. "Es geht darum, ins Halbfinale einzuziehen. Das ist eine Riesen-Chance für uns."