TV HIGHLIGHT
Let's Dance
IMMER FR | 21:15
Let's Dance
TV-PROGRAMM
SA SO HEUTE DI MI DO FR JETZTAvatar - Aufbruch nach Pandora

Nordkorea: Die große Unsicherheit nach Kims Tod

19.12.11
Echte Trauer oder inszeniert? Das vermag niemand zu sagen.Echte Trauer oder inszeniert? Das vermag niemand zu sagen.
Foto: Reuters

"Wir können keinen nordkoreanischen Frühling erwarten“

Nur wenige Stunden nach dem Bekanntwerden des Todes von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il stand fest: Sein jüngster Sohn Kim Jong Un soll Nachfolger an der Spitze des kommunistischen Landes werden. Am selben Tag kam auch die Nachricht über neue nordkoreanische Raketentests, und die Welt rätselt, wohin der abgeschottete Staat unter dem 30-Jährigen steuern wird.

Außenminister Guido Westerwelle rief das Land zu Reformen auf. “Die Menschen leiden unter der Diktatur“, sagte der FDP-Politiker. “Sie brauchen neue Wohlstandschancen.“ Westerwelle forderte auch einen neuen Anlauf für mehr Menschenrechte in Nordkorea. Die Weltgemeinschaft müsse Zugang zu dem bisher streng kommunistischen Land erhalten. Der Führungswechsel durch den Tod Kim Jong Ils bedeute auch eine Chance.

Da ist Claudia Roth wesentlich skeptischer. “Nach dem Ableben des Diktators können wir keinen nordkoreanischen Frühling erwarten. Meine Erfahrungen beim letzten Besuch in Nordkorea geben mir wenig Anlass zur Hoffnung, dass Kim Jong Il jemand nachfolgt, der die Kraft hat, das Land zu öffnen", sagte die Grünen-Chefin der ‘Rheinischen Post‘. Möglicherweise sei der "kommende Machthaber in Nordkorea, der Sohn Kim Jong Ils, auch gefährlicher, als es sein Vater war", meinte Roth weiter. Sie ist die einzige führende deutsche Politikerin, die in den vergangenen Jahren Nordkorea besucht hat.

Das chinesische Fernsehen zeigte trauernde Massen in Nordkorea, aber niemand weiß, was davon echt und was inszeniert ist. Selbst die Nachricht von Kims Tod wurde gesteuert und kam mit mehr als 48 Stunden Verspätung. Sogar der südkoreanische Geheimdienst war offenbar ahnungslos, bis eine Sprecherin des amtlichen Fernsehens unter Tränen die Todesnachricht verlas.

Wegen der vergleichsweise schlechten Telekommunikationsinfrastruktur fällt es Experten zufolge dem Regime leicht, Nachrichten zurückzuhalten. Nach Angaben der UN-Kommunikationsbehörde ITU kommen in Nordkorea auf 100 Einwohner weniger als zwei Mobilfunkverträge. In Südkorea sind es 105. Während 83 Prozent der Menschen im Süden regelmäßig das Internet nutzen, ist es im Norden wenigen Ministerien, Hotels und diplomatischen Vierteln in Pjöngjang vorbehalten. Der südkoreanische Experte Cho Min erklärte, wer in Nordkorea über Mobiltelefon und Internet verfüge, sei für die Regierung. "Es würde ihnen nichts bringen, einen Aufstand zu organisieren."

Organisationen mit Kontakten in das abgeschottete Land gehen davon aus, dass die Behörden nach dem Tod Kims die Kommunikation noch stärker kontrollieren werden. Um die Lage zu stabilisieren, würden Kommunikations- und Reisebeschränkungen erwartet, berichtete Geoffrey See von der Organisation Chosun Exchange, die den akademischen Austausch mit Nordkorea fördert.

Angeblich neue Raketentests

Auch in Asien löste der Tod Kims Sorgen über Instabilität in der Region aus. Das Nachbarland Südkorea ordnete höchste Alarmbereitschaft für die Streitkräfte an. Beide Staaten befinden sich völkerrechtlich seit dem Ende des Korea-Kriegs (1950-53) noch im Kriegszustand. Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten sich seit dem Untergang eines südkoreanischen Kriegsschiffes im März 2010 und dem Beschuss einer zu Südkorea gehörenden Insel im November desselben Jahres zudem spürbar verschärft.

Aktuell sollen die Streitkräfte Nordkoreas nach Medienberichten eine Rakete mit kurzer Reichweite zu Testzwecken an der Ostküste des Landes abgefeuert haben. Die Rakete sei am selben Tag getestet worden, als Nordkorea die Nachricht vom Tod des Machthabers Kim Jong Il verbreitet habe, berichtete die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Regierungsbeamte in Seoul. Man gehe jedoch nicht davon aus, dass der Test im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Tod Kims stehe und Südkorea provoziert werden sollte.

Der japanische Ministerpräsident Yoshihiko Noda wies das Verteidigungsministerium und andere Regierungsstellen an, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Japan stehe mit seiner Schutzmacht USA sowie China und Südkorea bereits in engem Kontakt, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

Während der Amtszeit von Kim Jong Il war das Land in eine schwere Wirtschaftskrise gerutscht. Ein Großteil der Bevölkerung lebt in bitterer Armut. Immer wieder kommt es zu Hungersnöten. International beunruhigte das Land mit der Entwicklung von Atomwaffen und zahlreichen Raketentests. 2006 und 2009 schockierte das Land die Weltgemeinschaft mit der Bekanntgabe von zwei Atomtests, wobei unklar bleibt, ob das Militär tatsächlich schon im Besitz einer zündfähigen Atombombe ist.

Kim Jong Il starb den Staatsmedien zufolge am Samstag während einer Zugfahrt als Folge eines Herzversagens im Alter von 69 Jahren. Kim, der das kommunistische Land seit dem Tode seines Vaters und "ewigen Präsidenten" Kim Il Sung 1994 mit eiserner Faust regiert hatte, soll den offiziellen Angaben zufolge am 28. Dezember in Pjöngjang beigesetzt werden. Bis zum 29. Dezember wurde eine offizielle Trauerperiode ausgerufen.

Meinen Leuten bei wer-kennt-wen.de empfehlen