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Tote und Verletzte nach Krawallnacht in Ägypten

27.07.13 09:35
Demos in ÄgyptenIn Alexandria kamen mehrere Menschen ums Leben.
Foto: Reuters

Mursis Verhaftung heizt Konfrontation an

In Ägypten hat es bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern des abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi wieder Tote und Verletzte gegeben. In der Hafenstadt Alexandria wurden nach Angaben des ägyptischen Gesundheitsministeriums sieben Menschen getötet. In der Hauptstadt Kairo sind nach Angaben der Muslimbrüder mindestens 31 Menschen durch Sicherheitskräfte getötet worden. Die Kräfte hätten bei einem Protest gezielt auf Anhänger des entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi geschossen, sagte ein Sprecher der Muslimbrüderschaft, die Mursi nahe steht. "Sie schießen nicht, um zu verletzen, sie schießen, um zu töten", sagte der Sprecher. In der Krawallnacht wurden mehr als hunderte Menschen verletzt.

In Alexandria waren Tausende Mursi-Getreue mit Demonstranten aneinandergeraten, die dem Aufruf von Armeechef Fattah al-Sissi gefolgt waren, sich mit dem Militär solidarisch zu zeigen. Nach Medienberichten hatten Zivilisten einen Demonstrationszug der Mursi-Anhänger angegriffen. Bei ähnlichen Ausschreitungen wurden im Kairoer Armen-Viertel Schubra und in der Nildelta-Stadt Damietta rund zwei Dutzend Menschen verletzt.

Die Konfrontation zwischen Anhängern der Armee und Mursis wurden zusätzlich durch einen Haftbefehl gegen den ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Landes angeheizt. Dem Islamisten werden Mena zufolge Verschwörung mit der radikalen Hamas und die Tötung von Soldaten zur Last gelegt. Seit dem Sturz Mursis Anfang Juli starben bei Krawallen rund 200 Menschen.

Hauptschauplatz der Kundgebungen zur Unterstützung des Militärs war der Tahrir-Platz im Herzen von Kairo. Hubschrauber kreisten im Tiefflug über den Demonstranten, die ihnen begeistert zujubelten. Panzer sicherten die Zugänge. Plakate mit dem Bild Al-Sisis wurden verteilt, mit der Aufschrift: "Ich ermächtige das Militär und die Polizei dazu, gegen den Terrorismus zu kämpfen."

Auch vor der Kairoer Raba-al-Adawija-Moschee, dem Zentrum der Pro-Mursi-Proteste, sammelten sich Zehntausende. Sie riefen Parolen wie: "Weg mit Al-Sisi! Mursi ist mein Präsident! " Die Muslimbruderschaft sieht sich trotz ihrer Dauerproteste zunehmend in die Defensive gedrängt. Die dem Militär nahe stehenden Massenmedien stellen sie unmissverständlich als die angebliche Quelle des Terrors in Ägypten dar.

Muslimbrüder: "Einladung zum Bürgerkrieg"

Am Samstagabend läuft ein 48-Stunden-Ultimatum des Militärs ab: Die Islamisten sollen sich bis dahin am politischen Versöhnungsprozess beteiligen - sonst drohe eine härtere Gangart.

Mursi wird auch zur Last gelegt, das Gefängnis, in dem er einsaß, in Brand gesetzt zu haben. Zunächst wurden 15 Tage Haft verhängt. Die Vorwürfe bilden die rechtliche Grundlage für die anhaltende Festsetzung Mursis, gegen den bislang keine Anklage erhoben worden war. Die Mursi nahestehende Muslimbruderschaft kritisierte die Anschuldigungen umgehend als lächerlich. Sie kündigte an, ihre Proteste gegen die Entmachtung Mursis fortzusetzen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verlangte, Mursi und andere hochrangige Politiker der Muslimbruderschaft sollten sofort freigegeben werden oder transparente Untersuchungen ihrer Fälle bekommen. Ban forderte von der Übergangsregierung, beliebige Festnahmen und andere Formen der Belästigung zu unterlassen. Auch die USA und Deutschland hatten Mursis Freilassung verlangt. Ban sagte, er beobachte die Entwicklungen in Ägypten mit "zunehmender Sorge".

Beobachter sehen in dem Aufruf Al-Sisis zu Massenkundgebungen das Vorspiel zu einer möglicherweise härteren Gangart gegenüber der Muslimbruderschaft. Bislang haben die Behörden rund 600 Kader der Organisation verhaftet, unter ihnen den einflussreichen Vize-Vorsitzenden Chairat al-Schater. Mursi wird vom Militär an einem unbekannten Ort ohne Anklage festgehalten. Die Muslimbruderschaft bezeichnete die Äußerungen Al-Sisis als "Einladung zum Bürgerkrieg".

Zur Beruhigung der Lage in dem Land schlug der frühere Regierungschef unter Mursi, Hischam Kandil, vor, dass die Behörden die festgenommenen Führer von Mursis Muslimbruderschaft freilassen. Zudem sollten die juristischen Verfahren gegen sie eingestellt werden und alle Seiten auf Demonstrationen verzichten. Die Wiedereinsetzung Mursis in sein Amt - derzeit die Hauptforderung der Organisation - findet sich nicht unter Kandils Vorschlägen.