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Armut: Fast jeder sechste Deutsche gefährdet

28.11.12
Armut: Fast jeder sechste Deutsche gefährdetFast jeder sechste Einwohner Deutschlands ist armutsgefährdet. Kinder von Alleinerziehenden sind besonders betroffen.
Foto: dpa bildfunk

Alleinerziehende besonders von Armut betroffen

Fast jeder sechste Einwohner Deutschlands ist armutsgefährdet. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Statistik 2005, teilte das Statistische Bundesamt mit. Demnach galten 2010 rund 15,8 Prozent oder 12,8 Millionen Menschen als armutsgefährdet. 2009 waren es noch 15,6 Prozent, 2008 noch 15,5 Prozent.

Eine Person galt 2010 als armutsgefährdet, wenn sie nach Einbeziehung staatlicher Transferleistungen weniger als 11.426 Euro im Jahr oder 952 Euro im Monat zur Verfügung hatte.

Mit der Statistik wurde 2005 aufgrund eines EU-Gesetzes begonnen. Damals lag die Quote bei 12,2 Prozent, wurde aber auch nach einem anderen Verfahren ermittelt. Trotz des Anstiegs liegt Deutschland weiter unter dem EU-Schnitt von 16,4 Prozent.

Bei der männlichen Bevölkerung lag die Quote mit 14,9 Prozent unter und bei Frauen mit 16,8 Prozent über dem Durchschnitt. Alleinerziehende und ihre Kinder gehörten mit 37,1 Prozent erneut zu den am stärksten von Armut betroffenen Bevölkerungsgruppen. "Das galt auch für die alleinlebenden Personen", schrieben die Statistiker. Hier sind 36,1 Prozent unter 65 Jahren armutsgefährdet. In Haushalten von zwei Erwachsenen unter 65 traf dies nur auf 11,3 Prozent zu.

Überdurchschnittlich fiel die Quote auch bei Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 18 und 64 Jahren mit 16,4 Prozent aus. Die Armutsquote von Kindern, die jünger als 18 Jahre alt waren, lag mit 15,6 Prozent leicht unter dem Bundesdurchschnitt.

Der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Wolfgang Stadler, kritisierte: "Die Bundesregierung muss sich fragen lassen, wie es möglich ist, dass in wirtschaftlich erfolgreichen Zeiten immer mehr Bürger arm werden." Damit der Negativtrend sich nicht weiter fortsetzt, fordert er: "Die Abschaffung der Minijobs, Beibehaltung der Rentenquote von 51 Prozent und ausreichend gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten."

Armutsrisiko in Deutschland steigt

Rentner in Deutschland

Bei Älteren ab 65 Jahren fiel die Quote mit 14,2 Prozent noch niedriger aus. Denn trotz teilweise niedriger gesetzlicher Altersbezüge sind die Rentner in Deutschland aus Regierungssicht "überwiegend gut versorgt". Das bestätigt auch der fünfte Alterssicherungsbericht der Bundesregierung, der der 'Süddeutschen Zeitung' vorliegt.
Demnach verfügen Ehepaare und Alleinstehende, die 65 Jahre oder älter sind, im Durchschnitt über ein Haushaltseinkommen von 1.818 Euro netto im Monat. Laut Bericht gibt es aber große Unterschiede. Alleinstehende Frauen dieser Altersgruppe haben mit durchschnittlich 1.292 Euro eher weniger Geld zum Ausgeben. Bei männlichen Singles sind es schon 1.560 Euro, bei Ehepaaren sogar 2.433 Euro.

Die Untersuchung, die das Bundesarbeitsministerium alle vier Jahre erstellt, wurde Anfang der Woche zur Abstimmung in die anderen Ressorts verschickt, schreibt die Zeitung. Aus dem Regierungsdokument geht hervor, dass die gesetzliche Rente für die Versorgung der alten Menschen immer noch die größte Bedeutung hat. Etwa die Hälfte der Generation 65 plus profitiert aber bereits von betrieblicher oder privater Vorsorge.

In dem Bericht wird auch vor zunehmender Altersarmut gewarnt. Derzeit müssen demnach aber nur 2,5 Prozent der mehr als 65-Jährigen von der staatlichen Grundsicherung im Alter leben. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) fürchtet, dass die Quote deutlich wächst, wenn die Regierung nichts unternimmt. Sie will Geringverdiener und Selbstständige in Zukunft stärker absichern. Wie dies am besten geschehen soll, ist in der schwarz-gelben Koalition umstritten.

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