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Urteil gegen Pussy Riot auf den 17. August verschoben

08.08.12
Pussy Riot Prozess Urteil MoskauDen Musikerinnen von Pussy Riot droht eine Gefängnisstrafe.
Foto: dpa bildfunk

Menschenrechtler fürchten "Schande für Russland"

Im umstrittenen Prozess gegen die Moskauer Punkband Pussy Riot will das Gericht das Urteil erst am 17. August verkünden. Richterin Marina Syrowa gab den drei wegen Rowdytums aus religiösem Hass angeklagten Musikerinnen noch einmal Gelegenheit, sich zu ihrem Protest gegen Kremlchef Wladimir Putin zu äußern. Nach Ende der kurzen Sitzung habe Syrowa den Termin angesetzt, berichteten Medien in der russischen Hauptstadt.

Der Staatsanwalt hatte jeweils drei Jahre Haft für die drei Frauen gefordert. Sie hätten mit ihrem Punkgebet in der Erlöserkathedrale die Gefühle Gläubiger grob verletzt, sagte Alexander Nikiforow vor dem Chamowniki-Gericht. Viele westliche Politiker - darunter mehr als 100 Bundestagsabgeordnete - kritisieren den Prozess als politisch motiviert. Russlands Opposition spricht von einem beispiellosen Justiz-Skandal mit dem Ziel, Gegner von Kremlchef Wladimir Putin einzuschüchtern.

Dass die Aktion gegen Putin gerichtet sei, hält der Staatsanwalt für einen Vorwand. Mit dem Antrag blieb er aber unter der möglichen Höchststrafe von sieben Jahren Lagerhaft. Zuletzt hatte der Kremlchef angemahnt, die Frauen nicht "so hart zu verurteilen". Die Schuld von Maria Aljochina (24), Nadeschda Tolokonnikowa (22) und Jekaterina Samuzewitsch (29) sei erwiesen, sagte Nikiforow. Die Musikerinnen nahmen das Plädoyer ruhig mit verständnislosem Kopfschütteln und Lächeln auf.

Die Verteidigung hält den Prozess für politisch gesteuert und fordert Freispruch für die gewaltlosen Musikerinnen. Es gebe keine Rechtsgrundlage für ein Urteil, sagte Verteidiger Mark Feigin. Die Angeklagten hatten ihren Protest gegen Putin in der Kirche als Form freier Meinungsäußerung verteidigt. Das dafür geforderte Strafmaß sei absurd und eine "Schande für Russland", kritisierten mehrere Menschenrechtler. Die Künstlerinnen sitzen seit März in Untersuchungshaft. Zwei von ihnen sind junge Mütter.

Madonna: "Ich bete für ihre Freilassung"

Die schrille Aktion vom 21. Februar unter dem Titel 'Mutter Gottes, du Jungfrau, vertreibe Putin!' sorgte vor allem im Internet für Aufsehen. Die Frauen hätten mit greller Kleidung, Strumpfmasken, wildem Tanz und "vulgärem und zynischem" Verhalten in der Kirche die russisch-orthodoxen Christen beleidigt, sagte der Ankläger. Die Nebenklage-Anwältin Larissa Pawlowa, die die Interessen der ungewollten Zeugen des Punkgebets vertritt, warf den Frauen vor, sie hätten den Gläubigen "maximalen Schaden" zufügen wollen.

Die Musikerinnen hatten sich im Prozess bei den Gläubigen entschuldigt und den Auftritt als "ethischen Fehler" bezeichnet, sie halten aber am Inhalt des umstrittenen Gebets fest. Darin hatten sie dafür gebetet, dass Russland von Putin erlöst werden möge.

Eine Vereinigung von 35 Juristen hatte den Prozess in einem offenen Brief als "Schritt zur Zerstörung des russischen Rechtsstaates" kritisiert. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die Putin-Gegnerinnen als gewaltfreie politische Gefangene anerkannt. International haben sich Dutzende Künstler solidarisch mit den Frauen gezeigt. Madonna, die am Vorabend des letzten Verhandlungstags in Moskau ein Konzert gab, bekundete ihre Solidarität. "Diese drei Mädchen - Nadja, Mascha und Katja - haben etwas Mutiges getan. Sie haben dafür bezahlt. Und ich bete für ihre Freilassung", sagte sie vor 20.000 Fans im Olympiski-Stadion.

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