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Gewalt-Exzesse: Punktabzüge statt Stadionverbote?

16.05.12
Fans brennen Bengalo abEin Bild, das leider keinen Seltenheitswert mehr hat: Fans brennen Bengalos ab
Foto: Imago Sportfotodienst

In Düsseldorf stürmen Fans das Spielfeld, in Karlsruhe geht eine wildgewordene Anhängerschar auf Polizisten los, in Köln hüllen Ultras das Stadion in schwarzen Rauch und überfallen Busse mit gegnerischen Fans auf der Autobahn - die jüngsten Ereignisse haben noch einmal deutlich vor Augen geführt, dass im jahrelang vom Sommermärchen rosarot gefärbten Fußball die Gewalt schleichend Einzug gehalten hat.

DFB und DFL haben dem Treiben bislang nicht nur rat- sondern zumeist auch tatenlos zugeschaut und die Verantwortung an die Gesellschaft und die von ihr bezahlte Polizei weitergeschoben. Die Eskalation der Gewalt wurde schlicht und ergreifend zu lange kleingeredet. Doch damit soll und muss jetzt Schluss sein.

"Grundsätzlich ist nach den Übergriffen dieser Saison ein Punkt erreicht, an dem neue Wege gegen Gewalt im Umfeld von Fußballspielen gegangen werden müssen", heißt es in einer von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Ligapräsident Reinhard Rauball unterschriebenen Erklärung.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert den DFB zu konsequentem Handeln und härteren Strafen auf. Nach Auffassung der GdP erzielten die bisherigen Maßnahmen wie Stadionverbote und Geldstrafen für Vereine nur noch eine geringe Abschreckung. "Erst wenn die Fans begreifen, dass ihre unbeherrschten Gewaltausbrüche zu Punktabzügen bei ihrem Lieblingsverein und somit im schlimmsten Fall zum Abstieg führen können, dürfte die Gewalt eher eingrenzbar sein", sagte der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut.

Vor der neuen Saison soll bei einer Zusammenkunft aller Vereins-Präsidenten ein Verhaltenskodex entwickelt werden, der den Umgang zwischen Vereinen und Fans beschreibt. Außerdem sollen im Zusammenspiel mit Polizei und Justiz effektivere Vorgehensweisen gegen Gewalttäter auf den Weg gebracht und abgestimmt werden.

"Die jüngsten Ausschreitungen zum Saisonende machen einmal mehr auf traurige Weise deutlich, dass die bisherigen Konzepte und Maßnahmen allein nicht mehr ausreichen", räumten die Verantwortlichen kleinlaut ein. DFB und Ligaverband seien sich darüber einig, dass solche "unverantwortlichen und die Gesundheit der vielen friedlichen Fans gefährdenden Szenen in einem Fußballstadion nicht tolerierbar seien und konsequent geahndet werden müssen".

Bundesinnenminister Friedrich erhöht Druck auf Clubs

Der neue DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock hatte schon vor den Ausschreitungen in Düsseldorf ein Spitzengespräch mit der DFL über die zunehmende Gewaltproblematik angekündigt. Der 55-Jährige hatte aber in der Tageszeitung 'Die Welt' betont: "Niemand von uns hat Patentrezepte in der Tasche." Die Vereine hätten als Hausherren "harte Sanktionsmöglichkeiten, die manchmal nur zum Teil ausgeschöpft werden". Bei bekannten Gewalttätern bestehe "die Möglichkeit zu verhindern, dass sie sich an Spieltagen in Bewegung setzen. Über Ansprachen, über Meldeauflagen, über Reiseverbote."

Auch die Politik reagiert zunehmend besorgt. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) nimmt ganz klar die Clubs in die Pflicht. "Ich erwarte, dass die 54 Fußballvereine in den drei Profiligen vor Beginn der nächsten Saison ein gemeinsames, konkretes Handlungskonzept vorlegen, in dem es unter anderem um bundesweite Stadionverbote für gewaltbereite Ultras geht sowie um ein Verbot von Pyrotechnik", sagte der für den Sport zuständige Minister bei der Vorstellung der 'Polizeilichen Kriminalstatistik'. Friedrich zeigte Verständnis für die Begeisterung der Fans, mahnte aber auch: "Wir setzen unsere Fußballkultur aufs Spiel, wenn wir dieser Gewalt kein Ende bereiten."

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