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Zustand Timoschenkos verschlechtert sich

01.05.12
Julia Timoschenko im Hungerstreik.Julia Timoschenko im Hungerstreik. Der Zustand der ehemaligen ukrainischen Ministerpräsidentin hat sich nach Aussagen ihrer Tochter verschlechtert.
Foto: dpa bildfunk

Timoschenko "kann nur noch liegen und hat starke Schmerzen"

Der Zustand der hungerstreikenden ukrainischen Oppositionsführerin Julia Timoschenko hat sich nach den Worten ihrer Tochter dramatisch verschlechtert. "Sie hat starke Schmerzen und kann fast nur noch liegen. Sie kann sich nur noch wenig bewegen, weil sie vom Hungerstreik geschwächt ist", sagte Jewgenia Timoschenko in Prag.

Die Zeit werde knapp, sagte die Tochter, die ihre Mutter nach eigenen Angaben vor zwei Tagen besucht hatte. "Ich weiß nicht, wie lange meine Mutter noch hungerstreiken kann, ob fünf oder zehn Tage." Die Familie hoffe, dass die Regierung ihre Haltung verändere.

In einem dramatischen Appell rief die Tochter ihre Landsleute zum Beistand für ihre Mutter auf. "Ich wende mich an jeden Ukrainer: Seien Sie nicht gleichgültig!", teilte sie auf der Internetseite www.tymoshenko.ua mit.

Timoschenko ist in ihrem Heimatland zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt worden und klagt über Misshandlungen im Gefängnis. Die Verfahren gegen sie und andere Mitglieder der früheren Regierung sind in ihren Augen Schauprozesse, um die Opposition mundtot zu machen. Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, dass Timoschenko zur medizinischen Behandlung ausreisen darf. Die Berliner Universitätsklinik Charité hat angeboten, sie zu behandeln.

Kalte-Kriegs-Rhetorik: "Ukraine offensichtlich verwirrt"

Die Behandlung der früheren Ministerpräsidentin, die seit vergangener Woche gegen ihre Haftbedingungen streikt, hat zu einem schweren Konflikt zwischen der Europäischen Union und der Ukraine geführt.

Deutsche und europäische Politiker haben Einladungen, in die Ukraine zu reisen, ausgeschlagen. Die deutsche Politik denkt laut darüber nach, die EM-Spiele in die Ukraine zu boykottieren.

Auch EU-Kommissions-Präsident José Manuel Barroso hat laut Aussage seiner Sprecherin "keine Absicht", zu den Spielen der EM zu fahren.

Der deutsche Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) unterstützt ebenfalls offen die Drohung eines politischen Boykotts. "Es ist gut, der Ukraine aufzuzeigen, was schlimmstenfalls passieren kann", sagte Niebel 'Rheinischen Post'. Die Ukraine solle "die Zeit und die Chance nutzen, zu den selbst gewählten Standards von Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit und damit auf den Weg nach Europa zurückzukehren", unterstrich der FDP-Minister.

Unterdessen wies der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz (CDU), im Streit um einen Boykott den von der Ukraine gezogenen Vergleich mit dem Kalten Krieg zurück. "Die Ukraine ist offenbar verwirrt, wenn sie jetzt von Kaltem Krieg spricht", sagte Polenz der Zeitung.

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