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Kabul: Mehrere Tote bei Taliban-Großoffensive

15.04.12
Kabul: Taliban-Angriff auf deutsche BotschaftSchwarzer Rauch und ein NATO-Hubschrauber in der Luft - Taliban haben mehrere Ziele in Afghanistan angegriffen.
Foto: Reuters

Auch deutsche Botschaft angegriffen

Mit koordinierten Angriffen in Kabul und in drei Provinzhauptstädten haben die Taliban ihre Frühjahrsoffensive in Afghanistan begonnen - auch die deutsche Botschaft wurde angegriffen. In Kabul kam es zu Gefechten im Botschaftsviertel, im Zentrum, am Parlament im Westen und an einer türkischen Militärbasis im Osten der Stadt.

Auf dem Gelände der deutschen Botschaft in Kabul gab es zwei Explosionen. Es habe aber lediglich kleinere Sachbeschädigungen auf dem Gelände gegeben, sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP). Alle Botschaftsangehörigen seien wohlauf und an einem sicheren Ort.

Westerwelle bekräftigte die Abzugspläne für die Bundeswehr. Der internationale Kampfeinsatz dort soll 2014 enden. Man müsse sich zwar "auf weitere Rückschläge einstellen". Dennoch sei es richtig, den Prozess der Übergabe der Sicherheitsverantwortung fortzusetzen und die Abzugsperspektive umzusetzen: "Für uns steht fest: Wir werden der Gewalt der Terroristen nicht nachgeben." Die Angriffe dürften auch einen friedlichen Aufbau nicht behindern. "Die Terroristen dürfen nicht obsiegen."

Die Taliban bekannten sich zu den Angriffen in Kabul und den Provinzhauptstädten. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte telefonisch, Dutzende Kämpfer seien an den Operationen beteiligt. Die Angriffe markierten den Beginn der Frühjahrsoffensive der Taliban gegen die ausländischen Truppen und die afghanischen Sicherheitskräfte.

Fünf Angreifer und zwei Polizisten wurden dem Polizeisprecher zufolge getötet. Dazu kämen zehn verwundete Polizisten. Das Innenministerium sprach von mindestens 19 getöteten Aufständischen.

Angriffe in weiteren Städten

Außer in Kabul griffen Aufständische Ziele in Dschalalabad, der Hauptstadt der Provinz Nangarhar, in Pul-e-Alam, der Hauptstadt der Provinz Logar, und in Gardes, der Hauptstadt der Provinz Paktia, an. Alle drei Provinzen liegen im umkämpften Osten des Landes. In Dschalalabad schlugen Isaf-Soldaten einen Angriff auf eine Militärbasis zurück.

In Kabul verschanzten sich Selbstmordkommandos in Baustellen am Parlament und im Botschaftsviertel. Ähnlich waren die Aufständischen bereits im vergangenen September vorgegangen, als sie von einer Hochhaus-Baustelle aus etwa 20 Stunden lang das Hauptquartier der Isaf und die US-Botschaft in Kabul beschossen.

Bei den Gefechten am Parlament griffen auch Abgeordnete ein. Ein Abgeordneter, der anonym bleiben wollte, sagte, manche Parlamentarier hätten das Feuer auf die Angreifer erwidert. Kabuls Polizeisprecher Haschmat Staniksai sagte, in der Innenstadt hätten die Aufständischen von einer Baustelle neben einem Hotel aus auf die nahe gelegenen Botschaften geschossen. Zunächst hatte die Polizei mitgeteilt, die Angreifer hätten das Hotel selber gestürmt.

Aus Sicherheitskreisen hieß es, auch die japanische Botschaft seit bei dem Beschuss beschädigt worden. Eine Granate sei auf dem Gelände der russischen Botschaft detoniert. Auch die britische Botschaft - die an die deutsche Botschaft angrenzt - sei mit einer Panzerfaust beschossen worden. Der nahe gelegene Präsidentenpalast sei nicht beschädigt worden.

Die Taliban verüben immer wieder spektakuläre Kommandoaktionen, bei denen mehrere prominente Ziele gleichzeitig angegriffen werden. In den Wintermonaten flauen die Kämpfe in Afghanistan ab, im Frühjahr nehmen sie dann wieder an Schärfe zu.

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