Civic Hybrid: Auto für die rechte Spur
07.10.09

Der Umwelt zuliebe
Der Honda Civic Hybrid heimst einen Umweltpreis nach dem anderen ein (4 Sterne im ADAC-Ecotest, Auto der Vernunft, Testsieger in der VCD-Umweltliste, und, und, und), aber fahren will den Öko hierzulande offenbar niemand. Warum ist das so? Ich habe jedenfalls zwei Wochen lang mit leuchtend grünen Aufklebern "Der Umwelt zuliebe“ auf die Limousine aufmerksam gemacht, Unkenntnis kann nicht der Grund sein.
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Hommage an die 80er
Dieses schon eher: Der Civic passt nun so gar nicht in die Ästhetik europäischer AutofahrerInnen. Unspektakuläre Front, kurze Motorhaube, dafür ein fettes Heck mit runden Elementen in den Leuchten – nein, das passt alles nicht recht zusammen und sieht unproportioniert aus. Was er mit seinem schärfsten Öko-Konkurrenten, dem Toyota Prius, gemein hat. Vielleicht ist es einfach die Art der beiden Weltverbesserer, auf diese Weise aufzufallen. Auch so kann man sich ins Gespräch bringen. Der Civic darf also ruhig hässlich sein.


Mit der Kraft der zwei Herzen
Den einen oder anderen Blick lohnt auch eine kleine Anzeige links neben dem Drehzahlmesser, der mittig in der Instrumententafel prangt: Sie zeigt den Ladezustand der Batterie des 20 PS starken Elektromotors an und ob sie gerade geladen wird oder dem 95 PS starken 1,3 Liter-Benzinmotor behilflich ist. Im Schubbetrieb arbeitet der Elektromotor nämlich als Stromerzeuger und speist den Ni-MH-Akku. (Die hinter der Rücksitzlehne untergebrachte Batterie - Finger weg! 158 Volt Spannung! - beeinträchtigt natürlich das Kofferraumvolumen. 350 Liter bleiben übrig. Lehne umklappen geht selbstverständlich nicht.)


Zeit zum Abschalten
Umso schöner die angenehme Stille beim Ampelstopp, wenn der Benzinmotor abgeschaltet ist. Ist die Fußbremse gedrückt, ist – auch bereits kurz vor Stillstand – Ruhe im Karton. Vorausgesetzt das Motorkühlmittel ist auf normaler Betriebstemperatur und der Akku ist nicht leer. Wird die Bremse gelöst, startet der Elektromotor den Verbrennungsmotor und der Wagen fährt an. Nix mit Kupplung langsam kommen lassen, denn der Civic ist serienmäßig mit einem Automatikgetriebe ausgestattet. Beim Parken kommt sich das aber mit der Auto-Stop-Funktion ins Gehege: Das Auto steht, der Motor ist aus, der Hebel wird auf P gebracht, der Motor geht wieder an, Schlüssel im Zündschluss drehen, Motor ist endgültig aus. Das ist seltsam.


Der Casus Knacktus
Wie sieht es denn nun mit dem Spritverbrauch aus? 7,1 Liter/100 km zeigte mir das Display an. Uff! Da habe ich mir weniger erhofft. Ich erfahre aus den Unterlagen, dass dieses enttäuschende Ergebnis an meiner ruppigen Fahrweise liegt. Diese sowie schnelles Beschleunigen und überhöhte Geschwindigkeit führen nämlich zu einem Verbrauch von 7 l/100 km. Möglich sind aber 4,6 l bei 109 g CO2/km. Ich wusste gar nicht, dass ich so ein Heißblut am Steuer bin… Um den Civic Hybrid so ökonomisch und umweltfreundlich zu fahren, gilt in erster Linie: In der Ruhe liegt die Kraft. Günstigerweise liefert Honda im Civic-Prospekt Ruhe-Bewahr-Tipps gleich mit. U.a. liest man dort, dass eine moderate Reisegeschwindigkeit zu wählen ist. Denn bei 120 km/h wird doppelt so viel Energie benötigt wie bei 80 km/h. Auf der Autobahn kann man mit dem Civic also die linke Spur vergessen. Aha! Das ist es also. Denn Deutsche fahren dort, wie hierzulande jeder weiß, AUSSCHLIESSLICH links. Das hätte mal jemand den Japanern vor Einführung auf den deutschen Markt sagen sollen.
Dabei ist der Civic Hybrid - anders als die Luxus-Hybrid-Modelle von Lexus z.B. - für breite Käuferschichten erschwinglich. Das grüne Gewissen gibt’s ab 22.950, Elegance ausgestattet ab 24.050 Euro. Mit fast allem drum und dran. Lediglich spezielle Lackierungen, Lederausstattung und das Navigationspaket kosten extra. Claudia Träger, 28.10.2008
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