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Gekommen, um zu bleiben? 'Dieter' sorgt für Eisschollen auf der Elbe

05.02.12
Eisschollen WetterEisschollen treiben in Dresden auf der Elbe an dem historischen Stadtbild der sächsischen Landeshauptstadt vorbei.
Foto: dpa bildfunk

Rekordverdächtige Temperaturen

Es war kalt, es ist kalt, und der frostige 'Dieter' hat sich in Deutschland vorerst festgesetzt. An der Elbe könnte man auf den ersten Blick glatt meinen, man sei in Grönland: Bei zweistelligen Minustemperaturen hat sich so viel Eis auf dem Fluss gebildet, dass wegen riesiger Schollen von Magdeburg in Richtung Norden keine Schiffe mehr fahren können.

Auch die Nacht zum Sonntag brachte rekordverdächtige Temperaturen. So fiel die Quecksilbersäule in Oberstdorf auf -27,3 Grad. Damit war es im Allgäu kälter als auf der Zugspitze in knapp 3.000 Meter Höhe. Auch im Frankenland und im Erzgebirge gab es verbreitet Temperaturen von weniger als -20 Grad. In Berlin mussten die Menschen mit -21 Grad klarkommen, auch in Thüringens Hauptstadt Erfurt war es kälter als -20 Grad.

In den kommenden Tagen wird es nur unwesentlich wärmer. Es ist keine Änderung der Großwetterlage in Sicht. Zwar ziehen vereinzelte Wolkenfelder vor allem durch den Süden und Südosten, doch viel Schnee bringen sie nicht. Es bleibt einfach weiterhin kalt, Plusgrade sind momentan noch ein ferner Traum.

Beim Versuch ihren ins Eis eingebrochenen Hund zu retten, hat sich in Braunlage im Oberharz eine Frau schwer verletzt. Auf der Suche nach dem Tier brach die Besitzerin ebenfalls ins Eis ein. Einem Begleiter gelang es jedoch, sie wieder aus dem eiskalten Wasser zu ziehen. Von dem Tier fehlt jede Spur. Ein auf dem Krickenbecker Seen in Nettetal eingebrochener Holländer wird weiterhin vermisst. Suchmannschaften fanden zunächst nur Jacke und Mütze des Mannes unter dem Eis.

Beim Schutz von Obdachlosen bitten die Beamten auch weiterhin um Hilfe aus der Bevölkerung: Wer sieht, wie Menschen im Freien campieren, wird gebeten, die Polizei zu informieren. In vielen Städten sind zudem so genannte Kältebusse unterwegs, um Obdachlose, die sich draußen aufhalten, einzusammeln und zu versorgen. Sie erreichen sie unter folgenden Nummern: Hamburg: 040 / 401 782 15, Berlin: 0178 / 523 583 8, Frankfurt: 069 / 431 414, Krefeld: 0163 / 145 281 1, Düsseldorf: 0157 / 835 051 52, Köln: 0221 / 441 026.

Laser-Attacken auf Flugzeuge nehmen zu

Auftragshoch bei Tiefsttemperaturen

Während Deutschland zwar zittert und schlottert, freut sich die Wirtschaft sehr über den Kälteeinbruch. Heiz- und Sanitärunternehmen reparieren geplatzte Wasserrohre, KFZ-Mechaniker bringen im Schnelltakt schlappe Autobatterien zum Laufen, und die Tankwagen der Brennstoffunternehmen rollen eilig zu den Kunden. Durchgefrorene Kunden greifen nach Mützen, Schals und Handschuhen und bringen damit den Winterschlussverkauf (WSV) auf Touren. Ihnen bescheren die Hochs ‚Cooper‘ und jetzt ‚Dieter‘ nicht nur Tiefsttemperaturen, sondern auch eine regelrechte Hoch-Konjunktur.

Die Kältewelle mit den stärksten Schneefällen seit Jahrzehnten in Rom hat Mittel- und Süditalien am Wochenende in ein Winterchaos gestürzt. Zwei Menschen starben, als Dächer unter der Last des Schnees zusammenbrachen. In Südtirol kamen am Samstag zwei Skifahrer in einer Lawine ums Leben. In Ostia bei Rom erfror eine ukrainische Obdachlose, wie die Behörden mitteilten. Bis zu 120.000 Menschen waren zeitweise ohne Strom. Tausende blieben in Zügen und im Straßenverkehr stecken.

Rund zehn Zentimeter Schnee haben erneut ausgereicht, um auch in Großbritannien ein Verkehrschaos auszulösen. Europas größter Flughafen London-Heathrow strich rund 380 Flüge und damit ein Drittel aller Starts und Landungen.

Mindestens zwei Skifahrer sind bei einem Lawinenabgang am Samstag in Südtirol ums Leben gekommen. Nach bis zu vier Verschütteten werde noch gesucht, heißt es in örtlichen Medien. Die Schneemassen hätten die Skifahrergruppe am Nachmittag am Staller Sattel im Antholzertal begraben.

Bei der Extremkälte in der Ukraine sind am Wochenende erneut mindestens 30 Menschen erfroren. Die Zahl der Kältetoten stieg damit auf 131 in diesem Winter. Die meisten Opfer waren demnach Obdachlose. Im ganzen Land würden inzwischen mehr als 1.800 Menschen wegen Unterkühlung und Erfrierungen in Krankenhäusern behandelt.

Bei Temperaturen von unter minus 30 Grad sind in Litauen drei Menschen erfroren, berichtete das litauische Fernsehen. Sieben weitere Menschen seien zudem mit Erfrierungen in Krankenhäuser gebracht worden.

Auch die Zahl der Kältetoten in Polen ist erneut angestiegen: Wie ein Polizeisprecher mitteilte, fielen in der Nacht zu Sonntag erneut acht Menschen der Kälte zum Opfer, die meisten von ihnen Obdachlose. Seit Beginn der Kältewelle sind damit landesweit bereits 53 Menschen erfroren. Hinzu kommen mindestens sechs Todesfälle wegen Kohlenmonoxidvergiftungen in Wohnungen mit defekten Kohleöfen.

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