Westerwelle trifft Klitschko: Zeichen für Kiew

"Ich bin hier als Europäer unter Europäern"

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat sich im Protestlager der ukrainischen Regierungsgegner in Kiew mit führenden Oppositionsvertretern getroffen. In einem Hotel sprach Westerwelle mit Ex-Wirtschaftsminister Arseni Jatsenjuk und Vitali Klitschko, dem Boxweltmeister und Oppositionspolitiker.

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Westerwelle besucht Demonstranten in Kiew
Außenminister Westerwelle besucht die Demonstranten in Kiew: "Das ist sehr bewegend." © dpa, Andrew Kravchenko

Anschließend gingen die drei durch das Lager der Demonstranten auf den Unabhängigkeitsplatz. Westerwelle hält sich wegen einer OSZE-Konferenz in der ukrainischen Hauptstadt auf. Den Europäern sei das Schicksal der Ukraine nicht gleichgültig, sagte der deutsche Außenminister. Die Tür zur EU bleibe offen.

Westerwelle wies Kritik aus Russland an der westlichen Unterstützung für die proeuropäische Protestbewegung in der Ukraine zurück. "Ich bin hier als Europäer unter Europäern", sagte Westerwelle. "Wir Europäer lassen uns von niemandem vorschreiben, wie wir zueinander finden und ob wir zueinander finden." Der FDP-Politiker reagierte damit auf den russischen Außenminister Sergej Lawrow, der dem Westen eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Ukraine vorgeworfen hatte.

Westerwelle kritisierte Russlands Einflussnahme auf die Ukraine indirekt. "Das Aufbauen von Drohkulissen und das Ausüben wirtschaftlichen Drucks, wie wir es im ablaufenden Jahr erlebt haben, sind schlicht inakzeptabel", sagte er, ohne dabei Russland ausdrücklich zu nennen. Die OSZE wolle eine Gemeinschaft von Vancouver bis Wladiwostok sein, die auf Frieden, Freiheit und Wohlstand beruhe. "Eine Sicherheitsgemeinschaft, in der jedes Land seinen Weg selbstbestimmt gehen kann - ohne Druck und Gängelung von außen".

Besorgt äußerte er sich auch über das gewaltsame Vorgehen der ukrainischen Sicherheitskräfte gegen Demonstranten. Die Menschen in der Ukraine wollten über ihre Zukunft selbst entscheiden, sagte Westerwelle. Die Ukraine stehe derzeit der OSZE vor und habe gerade in dieser Position die Pflicht, friedliche Demonstranten vor jeder Art von Einschüchterung und Gewalt zu schützen.

Das Ende einer Boxerkarriere?

Unterdessen äußerte Box-Trainer Fritz Sdunek aufgrund Klitschkos politischen Engagements große Zweifel an einer baldigen Rückkehr seines Schützlings in den Boxring. "Vitali trainiert zwar jeden Morgen im Fitnesscenter, oder er geht schwimmen, doch so wie er sich in die politische Sache reinkniet, sehe ich schwarz. Ich kenne Vitali genau. Wenn er etwas anfängt, bringt er es auch mit 100 Prozent zu Ende", sagte der langjährige Coach der Tageszeitung 'Die Welt'.

Auch Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB), sieht Klitschko in der Politik. "Er ist zu intensiv in seine politische Tätigkeit eingebunden. Da kann er sich gerade in der gegenwärtigen Umbruchphase in seiner ukrainischen Heimat nicht für zwei Monate verabschieden, um sich auf einen Kampf vorzubereiten", erklärt er. "Vitali kann nicht sagen: Jetzt bin ich mal ein bisschen Boxer, und dann bin ich wieder ein bisschen Politiker."

Klitschko ist WBC-Weltmeister im Schwergewicht und hat seit 15 Monaten nicht mehr geboxt. Schon mehrfach hatte der Weltverband WBC Klitschkos nächsten Kampf gegen den kanadischen Pflichtherausforderer Bermane Stiverne verschoben. Die Lage im Moment ist: Beide Kämpfer müssen bis Mitte Dezember erklären, ob sie im Frühjahr 2014 in den Ring steigen. Sollte Klitschko Mitte Dezember nicht für einen Kampf bereit sein, droht ihm der Entzug des WM-Titels.

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