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The Gaslight Anthem im exklusiven Interview

24.08.12 12:01
The Gaslight Anthem im exklusiven InterviewMit ihrem vierten Album zurück. The Gaslight Anthem.
Foto: Per Florian Appelgren (PFA Photography)

„Irgendwas scheinen wir richtig zu machen“

Sie gelten als das „Next Big Thing“ aus New Jersey und sind mit ihrem vierten Album „Handwritten“ gerade auf dem Weg nach ganz oben: The Gaslight Anthem. Wer als Musiker von dort kommt, muss sich automatisch den Vergleichen mit den beiden ganz Großen stellen: Die Rocklegenden Bon Jovi und Bruce Springsteen haben dort ihre Wurzeln. Wenn der „Boss“ sich, wie in diesem Fall, allerdings als Fan der eigenen Band outet, kann man ziemlich sicher sein, dass man auf dem richtigen Weg ist. Uramerikanischer 70‘s-Rock mit einem guten Schuss Punk bilden das Erfolgsrezept der vier Ostküsten-Rocker. Wir haben Gitarristen Alex Rosamilia und Frontmann Brian Fallon zum exklusiven Interview getroffen, sie zu ihrem neuen Album befragt und ganz nebenbei eine kleine Lektion in Sachen Songwriting bekommen.

von Nicole Feybert

Herzlichen Glückwunsch zu „Handwritten“. Euer Album ist wie der Vorgänger „American Slang“ wieder sehr weit oben in den Charts gelandet, ist das noch eine Überraschung für euch?
Alex: Ja, absolut, das haben wir so nicht erwartet. Wir waren bislang zwar immer ganz erfolgreich mit unseren Songs hier in Deutschland, aber dieser Erfolg übertraf unsere Erwartungen auf jeden Fall.

Für alle, die noch nicht reingehört haben: wie klingt es, auch verglichen mit euren bisherigen Alben?
Alex: Es klingt irgendwie so, als ob man alle unsere bisherigen Alben zusammengeworfen hätte. Ein Teil klingt stark nach „American Slang“, ein paar Nummern erinnern an „The ‘59 Sound“, und es gibt Anleihen an unsere EP und unser allererstes Album.

Ihr habt euch gemeinsam nach Nashville verzogen, um euch ausschließlich auf die Arbeit an diesem Album zu konzentrieren. Stimmt das Gerücht, dass ihr Handy und Internet abgeschaltet habt?
Brian: Nicht ganz. Es war so: Als ich das Album zu Hause schrieb, habe ich tatsächlich aufgehört, den Computer oder sonstige technische Hilfsmittel zu benutzen. Das einzige was ich hatte, war ein Notizbuch – mehr nicht. So kam das Album zustande; ganz altmodisch.

„Handwritten“ ist das bislang persönlichste Gaslight-Album, für das du die Songs erstmals in der „ich“-Form geschrieben hast. Kein fiktives Storytelling, sondern deine eigenen Geschichten. Macht das einen Unterschied, wenn du vor einem großen Publikum stehst und nun praktisch dein Seelenleben ausbreitest?
Brian: Ja, ich denke das macht es. Ich versuche aber, in den Live-Situationen nicht zu viel darüber nachzudenken. Vielmehr denke ich dann an den Song als solchen und nicht, wie sehr mich das Thema vielleicht selbst betrifft oder betroffen hat.

Wo wir beim Thema Songwriting sind, schreibst du eher um eine Geschichte oder hast du eine Melodie, um die sich ein Song aufbaut?
Brian: Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen beim Songschreiben. Wir haben etwas gefunden, das für uns funktioniert: Einer hat vielleicht einen 10-Sekunden-Songfetzen, um den wir herum spielen, bis er in eine bestimmte Richtung geht. Egal, ob akustisch, elektrisch oder Full-Band. Später fängst du an, herauszuhören, zu welcher Art Song dich diese Melodie oder Akkordfolge führen will. Dann beginnst du, Worte dazu zu texten. Und am Ende ist es oft überraschend, was deine Gedanken so zutage bringen…

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Foto: Per Florian Appelgren (PFA Photography)
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„Ich fotografiere jede Show!“

Wenn man ins Internet schaut, hagelt es positive Kritiken und Kommentare zu eurem Album. Lest ihr das eigentlich?
Brian: (sehr schnell) … oh, ich lese nichts davon! Nie! Keine Kritiken, keine Presse, gar nichts.

Das „No“ kam ja schnell und überzeugend… und warum nicht?
Brian: Weißt du, ich will so was lieber nicht in meine Gedanken lassen, egal wie die Kritiken sind. Sind sie gut, können sie dir zu Kopf steigen und dich denken lassen, dass du der Größte bist. Sind sie negativ, kann dich das ziemlich runterziehen. Andererseits suche ich auch nicht nach Bewertungen unserer Arbeit. Solange ich mir selbst sicher darüber bin, was es mir bedeutet, ist mir das genug. Da muss ich das nicht von außen bewerten oder bestätigen lassen. Ich lese aber auch keine Kritiken über die Arbeit von Künstlerkollegen. Ich schaue mir nur ab und zu Interviews an, um zu sehen, was sie zu sagen haben.

Euer eigener Erfolg kam nicht über Nacht, ihr seid als Band in euren jetzigen Status hineingewachsen. Die Fanmassen werden mehr, die Konzerthallen immer größer. Wie sehr nimmt man das bewusst wahr
Brian: Kurz vor der Show mache ich ein Foto. Ehrlich. Jedes Mal wenn wir spielen. Ich bin immer noch überwältigt, dass uns das passiert. Und weil das so unglaublich ist, gehe ich rauf auf die Bühne und mache erst mal ein Foto von der Menge. Seit fünf Jahren spielen wir inzwischen Festivals, besonders in Europa. Ich habe mir die großen Bands dort angesehen, wie Kings Of Leon oder Arcade Fire und denke jedes Mal „Oh Gott, schau dir diese Menge von Fans an, die nur für diese Band da sind. Das muss sich toll anfühlen.“ Und jetzt? Sind WIR es, die abends spielen dürfen und zu denen die Menge kommt. Das fühlt sich für mich persönlich so an, als ob man tatsächlich etwas erreicht hat. Diese Kids könnten zu jeder anderen Band gehen, aber sie haben sich für UNS entschieden. Ich glaube, da komme ich nie drüber weg! (grinst) Mann, das ist die coolste Sache der Welt.

Viele der Kids folgen euch regelrecht, wenn ihr auf Tour seid. In die ersten Reihen zu schauen und dort immer wieder die gleichen Gesichter zu sehen, wie ist das?
Brian: Das ist natürlich ein Riesenkompliment für uns. Wenn die Leute eine Band so sehr mögen, dass sie dafür Reisen in Kauf nehmen, ist das cool. Und hey, wir haben als Band ja schon Reisestress! Ohne Witz, das können ganz schön lange Fahrten sein…