Tim Burtons 'Dark Shadows' - Filmkritik
08.05.12
Johnny Depp als Vampir BarnabasFoto: dpa bildfunk
4 von 5 Punkten
Ausgerechnet Tim Burton, in dessen Filmen die fleischlichen Lüste seiner Protagonisten nie besonders explizit zelebriert wurden, wartet in ‚Dark Shadows‘ mit der wohl wildesten Sexszene des Jahres auf – zwischen Johnny Depp als blutarmem Vampir und Eva Green als blonder Femme Fatale. So wild, dass sofort Gerüchte aufflammten, Eva Green habe Johnny Depp und Vanessa Paradis auseinandergebracht. Was ist los mit Burton, der zuletzt quietschbunte Kinderbuchadaptionen wie ‚Charlie und die Schokoladenfabrik‘ und ‚Alice im Wunderland‘ gedreht hatte?
Burton kehrt zu seinen Wurzeln zurück und mixt düstere Settings wie in ‚Sleepy Hollow‘ mit einer grellbunten Satire auf das Wohlstandsbürgertum der USA wie in ‚Edward mit den Scherenhänden‘. 1776 stößt der junge Barnabas Collins (Hauptrollen-Abonnent und Burtons Lieblingsschauspieler Johnny Depp), Spross eines Fischereigroßunternehmers, die wollüstige Magd Angelique (Eva Green, da noch brünett) von der Bettkante und schmachtet lieber die ätherische Josette (Bella Heathcote) an. Die Verschmähte rächt sich mit ihren Hexenkünsten, lässt Josette von der Klippe springen, verwandelt Barnabas in einen Vampir und verscharrt diesen lebendig. Was für ein furioser und bildgewaltiger Auftakt, was für tiefe Gefühle, die Burton mit wenigen Szenen aufwühlt! Und dann was für ein Schnitt – von den entsättigten Farben des 18. Jahrhunderts in die poppige Welt des Jahres 1972, in der es für den Collins-Clan nichts und für den Zuschauer jede Menge zu lachen gibt.
Burton kehrt zu seinen Wurzeln zurück und mixt düstere Settings wie in ‚Sleepy Hollow‘ mit einer grellbunten Satire auf das Wohlstandsbürgertum der USA wie in ‚Edward mit den Scherenhänden‘. 1776 stößt der junge Barnabas Collins (Hauptrollen-Abonnent und Burtons Lieblingsschauspieler Johnny Depp), Spross eines Fischereigroßunternehmers, die wollüstige Magd Angelique (Eva Green, da noch brünett) von der Bettkante und schmachtet lieber die ätherische Josette (Bella Heathcote) an. Die Verschmähte rächt sich mit ihren Hexenkünsten, lässt Josette von der Klippe springen, verwandelt Barnabas in einen Vampir und verscharrt diesen lebendig. Was für ein furioser und bildgewaltiger Auftakt, was für tiefe Gefühle, die Burton mit wenigen Szenen aufwühlt! Und dann was für ein Schnitt – von den entsättigten Farben des 18. Jahrhunderts in die poppige Welt des Jahres 1972, in der es für den Collins-Clan nichts und für den Zuschauer jede Menge zu lachen gibt.
Johnny Depp (l.) mit Michelle PfeifferFoto: dpa bildfunk
Mit ungewohnt viel Humor hält Burton den Zuschauer bei der Stange. Seine Collins samt Dienstboten (Jackie Earle Haley als versoffener Butler und Burton-Gefährtin Helena Bonham Carter, für die seit 'Planet der Affen' auch immer eine Rolle drin ist, als Psychiaterin im Jugendwahn) sind mindestens so schräg wie die Addams-Family. Johnny Depp, der in den letzten Burton-Streifen ordentlich über die Stränge schlug, hält sich diesmal mit seinen Manierismen erstaunlich zurück und überlässt den allesamt grandios aufspielenden Damen die Schau – selbst in der Szene, in der Barnabas schwach wird und sich noch einmal Angeliques Geschlechtstrieb unterwirft. Mehr Mobiliar wurde beim Beischlaf selten zertrümmert – auch nicht von Robert Pattinson in ‚Breaking Dawn‘.
Schade, dass Burton dieses Feuerwerk an Ideen nicht durchhalten kann. Auf halber Strecke geht ihm die Luft aus, verliert sich die wunderbare Feindschaft zwischen dem Vampir und seiner Hexe immer mehr in einen überdrehten Kleinkrieg, dessen effektgeladene letzte Schlacht zu lange auf sich warten lässt. Aber das Cineastenherz wird mit einem dramatischen Finale versöhnt, das auch Fans der ‚Twilight‘-Saga überzeugen würde.
Von Mireilla Zirpins

























