Undercover Deutschland: Kindesmisshandlung und Schwarzarbeit bei den '12 Stämmen'

'12 Stämme': Schwarzarbeit und Kindesmisshandlung

Dass Mitglieder der ‚12 Stämme‘-Sekte ihre Kinder zur Züchtigung schlagen, das hat RTL-Reporter Wolfram Kuhnigk bereits 2013 aufdecken können, als er sich bei der Glaubensgemeinschaft eingeschleust hatte. Seine versteckte Kamera filmte damals alles mit. Doch bei Hieben mit der Holzrute blieb es offenbar nicht. Er deckte jetzt noch mehr auf – unter anderem Schwarzarbeit. Und die Sekte wehrt sich gegen den Reporter und die Veröffentlichung seiner Recherchen.

Undercover Deutschland
RTL-Reporter Wolfram Kuhnigk sprach mit Aussteigern © RTL, Reporter Wolfram Kuhnigk

Es ist eine skurrile Pressekonferenz, die die '12 Stämme' am 1. August gegeben hat. Zuerst gab der Anwalt der Sekte bekannt, dass sie Undercover-Reporter Wolfram Kuhnigk angezeigt hat. Die Vorwürfe unter anderem: falsche Zeugenaussage, Fälschung von Dokumenten. Für den Reporter bloß ein Versuch, von der Kindesmisshandlung abzulenken. Jahre lang stand die Glaubensgemeinschaft nämlich unter dem Verdacht, ihre Kinder systematisch misshandelt und mit Schlägen gefügig gemacht zu haben. Bei den ‚12 Stämmen‘ handelt es sich nach eigener Aussage um eine Glaubensgemeinschaft, die streng nach biblischen Grundsätzen lebt. Entsprechend abgeschottet von der modernen Welt leben die Mitglieder.

Bei seinem verdeckten Einsatz fand Wolfram Kuhnigk damals schnell heraus, dass an den Vorwürfen der Kindesmisshandlung etwas dran ist. Seine heimlichen Aufnahmen zeigen, wie Kinder geschlagen werden. Außerdem zeichnet die Kamera auf, wie ein Sektenmitglied die Züchtigung auch tatsächlich zugibt: "Wir nennen das nicht schlagen, wir nennen das Disziplinmaßnahme. Da holt jemand einen Stock. Und dann gibt‘s hinten drauf."

Was Wolfram Kuhnigk auch aufdeckt, als er sich mit einem Aussteiger trifft: Die Sekte lässt Erwachsene und anscheinend sogar Minderjährige für sich arbeiten, ohne etwas dafür zu bezahlen. Wolfram Kuhnigk will dem nachgehen. Ein Ex-Mitglied berichtet, dass er für die ‚12 Stämme‘ ohne Lohn und ohne Sozialleistungen gearbeitet hat.

Um bei seinem erneuten Undercover-Einsatz nicht aufzufliegen, legt er sich eine noch bessere Tarnung zu als damals im Jahr 2013. Als Mitarbeiter eines Autohauses tritt Kuhnigk erneut mit den '12 Stämmen' in Kontakt, diesmal unter dem Vorwand, einen Auftrag an die von der Sekte betriebene Solarfirma vergeben zu wollen. Um einen Vergleich zu haben, holt er sich noch zwei andere Angebote ein. Das Ergebnis: Die '12 Stämme' bieten ihre Leistungen deutlich unter den üblichen Preisen an. Klar ist: So ein günstiges Angebot ist nur mit Schwarzarbeit möglich.

Sehen Sie hier, was ein Aussteiger dazu sagt:

"Kein Vergleich zu vorher"

Maria und ihr Mann mögen die "neue Maria"