29.08. | MO | 21:15

Team Wallraff

"Team Wallraff"-Reporter Alexander Römer über seinen Undercover-Einsatz bei Burger King

Yi-Ko Holding übernimmt über 90 Burger-King-Restaurants mit rund 3.000 Angestellten

Meine Recherche begann im Juli 2013, kurz nachdem der Mutterkonzern Burger King die letzten eigenen 91 Restaurants mit über 3.000 Angestellten an die Yi-Ko Holding aus Stade verkauft hatte. Immer wieder beschwerte sich die Gewerkschaft NGG, Nahrung-Genuss-Gaststätten, dass gültige Betriebsvereinbarungen von dem neuen Geschäftsführer Ergün Yildiz gebrochen würden. Die Vorwürfe waren so massiv, dass ich genau herausfinden wollte wie Mitarbeiter und Betriebsräte dieses Franchisenehmers schikaniert und gekündigt werden. In einem Fall musste sogar ein angeblich gestohlenes Ketchuptütchen als Kündigungsgrund herhalten. Wie fühlt es sich an, so vom eigenen Chef drangsaliert zu werden?

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"Team Wallraff" deckt auf
Reporter Alexander Römer als Burger-King-Mitarbeiter Tobias.

In einem Unternehmen, das teure und unbeugsame Mitarbeiter loswerden möchte, besteht meist nach der ersten Kündigungswelle ein Personalmangel. Das schien auch in diesem Fall so zu sein. Meine Bewerbung war daher einfach und auch schnell erfolgreich. Über Gehalt wurde beim Vorstellungsgespräch nicht verhandelt. Wer arbeiten wolle, müsse die 7,71 Euro pro Stunde akzeptieren. Das tat ich auch.

Das erste was mir bei meinem ersten Einsatz in einem Restaurant auffiel war, dass meine Kollegen außerhalb der Arbeitszeit sehr freundlich zu mir waren. Doch im Dienst erlebte ich das krasse Gegenteil. Das lag natürlich an dem Druck, den hier jeder hatte. Wir waren viel zu wenig Personal. Wenn im Dienstplan stand, man habe um 2 Uhr morgens Schluss, dann konnte man teilweise sogar damit rechnen, dass tatsächlich erst um 4 Uhr morgens der Heimweg angetreten werden konnte. Nach meiner Schätzung hätten wir auf jeder Dienstschicht mindestens zwei Personen mehr benötigt. Dass man hier unter diesem Zeitdruck kaum sauber arbeiten kann, lag auf der Hand. Außerdem fiel mir sofort auf, dass es nicht mal eine Spülmaschine in dieser Filiale gab und das Wasser gerade mal lauwarm aus dem Hahn kam.

Ich weitete daraufhin meine Recherche auf den Hygienebereich aus und wir entschlossen uns dazu, sogenannte Abklatschproben in der Küche zu nehmen. Das war auch der mit Abstand aufregendste Tag, denn die Dienstkleidung bei Burger King hat keine Taschen und ich musste ja irgendwie die Proben mit in den Küchenbereich nehmen. Die einzige Möglichkeit waren meine Socken. Ich hatte immer Angst die Probebehälter - die natürlich einwandfrei verschlossen waren - zu verlieren und enttarnt zu werden. Ich war extrem froh als ich die Proben an meinen Kollegen übergeben konnte.

Haltbarkeit der Lebensmittel einfach durch Umetikettieren verlängert

Das Ergebnis des Tests war katastrophal, sogar der von uns beauftragte Lebensmittelkontrolleur, Bernd Stumm, der beruflich viele Restaurants kontrolliert, war gelinde gesagt entsetzt über die hohe Keimbelastung mit Darmbakterien. So was hatte er bisher nur in extremen Fällen gefunden. Hier wurde mir langsam klar, dass neben den extremen Arbeitsbedingungen das Thema Lebensmittelsicherheit immer mehr in den Fokus meiner Reportage rückte.

Als mir Kollegen dann noch erzählten, dass der Zutatenverbrauch seit der Übernahme durch Yildiz sehr genau kontrolliert werde und es vom Franchisegeber klare Grenzwerte für die Haltezeit von leicht verderblichen Lebensmitteln wie z.B. Tomaten oder Salat gibt, achtete ich genau auf die Küchenabläufe. So langsam begann ich zu verstehen, warum ein Kollege jeden Tag mit einer Etikettiermaschine in der Küche umherlief, alte Aufkleber entfernte und neue an den Zutatenbehältern für die Burger anbrachte.

Die Etiketten zeigen nämlich an, wie lange Salat, Tomaten etc. ungekühlt in der Küche liegen dürfen und ab wann sie in den Müll geschmissen werden sollen. Viele Zutaten werden am Morgen gegen 8 Uhr vorbereitet und sind aber teilweise nur ca. 4 Stunden haltbar. Also spätestens im Mittagsgeschäft müssten dann neue Lebensmittel vorbereitet werden, das passiert aber bei meinen Recherchen nicht. Es wird das meiste in Massen am Morgen vorbereitet, wenn wenig los ist. Dann wird die Haltbarkeit einfach durch Umetikettieren verlängert. Ich fragte bei meinem Kollegen nach als er gerade mal wieder dabei war und war erschrocken, dass er dies als Selbstverständlichkeit abtat.

Die Mitarbeiter der Restaurants trifft meiner Meinung nach keinerlei Schuld an den Verstößen: sie führen einfach nur aus, was ihnen befohlen wird. Viele Kollegen schienen überhaupt nicht zufrieden mit dieser Situation und hätten wohl lieber einen vernünftigen Burger verkauft, doch die Angst davor den Job zu verlieren, wenn man nicht spurt, ist bei vielen scheinbar viel größer.

Ich hoffe, dass sich durch unsere Reportage und den öffentlichen Druck, mit dem zumindest in so manchen Yildiz-Restaurants nun gerechnet werden dürfte, die Situation meiner damaligen Kollegen verbessert. Ich berichte hier, wie es weitergeht.

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"Die Mitarbeiter sind hier die Opfer - und nicht die Täter."

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