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Reifen-Tribunal: Schlagabtausch zwischen FIA und Mercedes

21.06.13 08:21
Red-Bull-Teamchef Christian Horner auf dem Weg zum FIA-TribunalÜberraschungsgast beim FIA-Tribunal: Red-Bull-Teamchef Christian Horner
Foto: Reuters

Mercedes geriet zum Auftakt der Anhörung in der Reifentest-Affäre gewaltig unter Druck. Bei der Verhandlung vor dem Internationalen Tribunal in Paris hat der Vertreter des Internationalen Weltverbandes FIA den Silberpfeil-Rennstall schwer belastet.

Nach Ansicht von FIA-Anwalt Mark Howard wurde Mercedes und Hersteller Pirelli nie die offizielle Erlaubnis für Reifentests mit dem aktuellen Auto erteilt. Die Silberpfeile wehrten sich mit juristischen Spitzfindigkeiten gegen den Vorwurf eines Regelverstoßes. Auch Reifenhersteller Pirelli plädierte in seiner Stellungnahme auf 'nicht schuldig'.

"Fahrten auf der Strecke außerhalb des Wettbewerbs sind Testfahrten, egal, welchen Sinn diese genau haben", sagte FIA-Anwalt Howard in seinem Plädoyer zu Beginn der Anhörung. Die Faktenlage sei klar: Mercedes hat vom 15. bis 17. Mai in Barcelona mit den aktuellen Autos und den Fahrern Nico Rosberg und Lewis Hamilton einen Test mit Pirelli durchgeführt. Das verbiete Artikel 22 des Sportlichen Reglements der FIA.

Mercedes sieht das weiter anders. Es sei wichtig, die genaue Formulierung im sportlichen Reglement zu beachten, argumentierte Mercedes-Anwalt Paul Harris. Tests sind dort als "Fahrten, durchgeführt von einem Wettbewerber" definiert. "Das war kein Test 'durchgeführt' von Mercedes. Es ist unzweifelhaft, dass der Test von Pirelli durchgeführt wurde. Sie haben uns gesagt, was zu tun ist", sagte Harris. Pirelli habe die Übungsrunden Mitte Mai beaufsichtigt und auch bezahlt.

"Ich denke, der Begriff Dienstleister beschreibt unsere Rolle gut", ergänzte Mercedes-Teamchef Ross Brawn: "Daten haben wir nur genutzt, um das Auto während des Tests zu bedienen, für die normalen Funktionen. Ich wüsste nicht, wie wir diese Daten in der Zukunft nutzen sollten." Auch das sieht die FIA anders. "Offenkundig gab es Daten, die für Mercedes zugänglich waren", sagte FIA-Anwalt Howard. "Es ist schwierig zu sagen, dass Mercedes keinen Nutzen aus dem Test gezogen hat", führte Howard weiter aus und legte nahe, dass Mercedes und Pirelli womöglich gegen Artikel 151c des International Sporting Codes verstoßen haben.

Sportparagraf 151 legt fest, welche Vergehen grundsätzlich als Verletzung von Bestimmungen gewertet werden. Der Absatz c zählt dazu arglistiges Verhalten wie auch jede Handlung, die schädlich für den Wettbewerb oder für die Interessen des Motorsports im Allgemeinen ist.

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Dass man an drei Tagen Erfahrungen auf der Strecke habe sammeln können, "war bei einem solchen Test nicht zu vermeiden", musste Brawn auf Nachfrage der Anklage einräumen. Mercedes-Anwalt Harris führte allerdings aus, dass Teamchef Brawn und Teammanager Ron Meadows vom Technischen Delegierten der FIA, Charlie Whiting, und von FIA-Anwalt Sebastian Bernard die Erlaubnis für einen Test mit einem 2013er-Auto erhalten hätten.

FIA-Vertreter Howard dagegen hatte zuvor behauptete, dass Renndirektor Whiting vor den Testfahrten von Mercedes und Reifenhersteller Pirelli lediglich vage Anfragen erhalten habe. "Whiting wurde formlos über die Möglichkeit solcher Testfahrten befragt", sagte Howard: "Dabei war weder die Austragung in Barcelona ein Thema, noch, welche Inhalte die Tests haben sollten." Unabhängig davon, sei weder Whiting, noch eine andere Einzelperson, in der Position, "bindende Aussagen zu tätigen, die über den Regeln stehen", machte Howard deutlich.

Dem FIA-Juristen zufolge wurde Whiting am 2. Mai von Mercedes-Teammanager Meadows angerufen, ob die Möglichkeit bestünde, mit dem aktuellen Rennwagen zu testen. Später habe auch Brawn in dieser Angelegenheit angefragt. "Whiting wurde eine generelle und unspezifische Frage gestellt", betonte Howard. Der Rennleiter untersuchte demnach den Sachverhalt und schrieb daher einen FIA-Anwalt an. Dieser antwortete Whiting: Solch ein Test-Szenario sei möglich, es liege aber an Pirelli alle weiteren Teams der Formel 1 einzuladen.

Nach Howards Darstellung wurde aber kein anderer Rennstall eingeladen. Keinem anderen Team sei klargemacht worden, dass diese Tests stattfanden. Diesen Vorwurf versuchte der Anwalt von Reifenhersteller Pirelli, Dominique Dumas, zu entkräften. "In unserem Vertrag mit der FIA steht wörtlich: soll einladen. Und nicht: muss einladen. Wir haben alle Teams nach dem Mercedes-Test eingeladen und 16 mögliche Termine vorgeschlagen", zitierte das Fachmagazin 'auto, motor und sport' den Juristen. "Es ist klar, dass wir nicht alle Teams zu diesem Test einladen können, weil das zu keinem Ergebnis führen würde."

Dumas sieht für eine Bestrafung keine Grundlage. Der Anwalt argumentierte, dass Pirelli als Hersteller nicht unter die entsprechende Rechtsprechung falle. "Es darf keine Sanktionierung ohne jede solide rechtliche Grundlage geben. Wir können diesen Vorgang nicht nachvollziehen", sagte Dumas. FIA-Anwalt Howard zufolge muss sich Pirelli hingegen dem Sportgesetz unterwerfen.

Dumas bestätigte zudem, dass Mercedes zunächst einen zwei Jahre alten Rennwagen für die Tests angeboten habe. Pirelli zufolge hätte solch ein Auto aber nicht den Testzweck erfüllt. Später wurde der Einsatz eines aktuellen Silberpfeils vereinbart. Das Mercedes-Lager hat zuvor mehrmals angeführt, dass Ferrari sich nicht anders verhalten habe, als das italienische Team im April mit einem 2011er-Auto Reifentests gefahren sei. Die Roten hätten dabei zudem mehr Informationen gesammelt. Für diese Aussagen wurde Harris wiederholt von Gerichtspräsident Edwin Glasgow zurechtgewiesen, da dies für den aktuellen Fall nicht relevant sei.

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Reifen-Tribunal: Schlagabtausch zwischen FIA und Mercedes - RTL.de
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