Thomas Sonnenburg über seine Arbeit
01.06.10
Thomas Sonnenburg bekommt viele Hilferufe von verzweifelten Eltern.Foto: RTL / AUTOIMPORT
Ab dem 2. Juni starten die neuen Folgen von 'Die Ausreißer' mit Thomas Sonnenburg, mittwochs um 21.15 Uhr bei RTL.
Derzeit läuft die dritte Staffel von "Die Ausreißer – Der Weg zurück". Man hat das Gefühl, die Fälle werden immer krasser. Eine Ausreißerin hatte mit neun ihren ersten Freund, ein Ausreißer stahl schon mit sieben Jahren. Welcher Fall war für dich in dieser Staffel der härteste?
Thomas Sonnenburg: Kategorien, wie schwer und leicht, treffen nicht den Kern meiner Arbeit. Auf jeden Jugendlichen und sein Schicksal muss ich mich einstellen, jeder Mensch verlangt von mir eine andere Herangehensweise und eine unverfälschte Sicht auf die Bedürfnisse, Handlungsschritte und Interventionen.
Die Fälle in dieser Staffel sind eine spannende Herausforderung für mich und mein Team. Seit dem Bestehen meiner Homepage Anfang des Jahres 2009 gehen immer mehr Eltern den Weg, darüber den direkten Hilferuf zu starten. Dies ist eine vorerst anonyme Form und kommt direkt bei mir an. Die Problematiken in den Familien sind dieses Mal unheimlich vielschichtig und nicht vordergründig, so dass mein Einfühlungsvermögen, meine Behutsamkeit und psychologisches Gespür noch viel mehr gefragt waren.
Bei Ausreißerin Mandy aus der ersten Folge wurdest du mit der ungewöhnlichen Situation konfrontiert, dass diesmal nicht die Eltern, sondern die Ausreißerin selbst um Hilfe bat. Wie kam es dazu?
Seit Anfang des Jahres betreibe ich meine Homepage www.thomas.sonnenburg.de. Auf der gibt es einen Link: "Kummerkasten". Es hat mich am Anfang sehr verwundert, dass sehr viele Menschen diesen Link nutzen, um sich von mir direkt Hilfe zu erbitten oder die Vermittlung zu anderen Institutionen und Einrichtungen wünschen. Sehr schnell wurde mir klar, dass viele der Menschen kaum Anlaufstellen in ihrer Umgebung kennen, geschweige denn, diese nutzen. Es gibt und gab einen riesigen Beratungsbedarf in allen Fragen des Lebens und der zwischenmenschlichen Beziehungen.
Viele der Eltern baten mich auch um meine konkrete Hilfe auch im Zusammenhang mit dem Fernsehformat. So wie Eltern diese Möglichkeit nutzten, gab es auch zahlreiche Jugendliche, die für sich oder ihre Freunde Rat suchten. So auch Mandy. Sie schrieb eine Mail, in der sie auf ihre Probleme und Sorgen aufmerksam machte und mich auf diesem Weg um Hilfe bat.
Thomas Sonnenburg: Kategorien, wie schwer und leicht, treffen nicht den Kern meiner Arbeit. Auf jeden Jugendlichen und sein Schicksal muss ich mich einstellen, jeder Mensch verlangt von mir eine andere Herangehensweise und eine unverfälschte Sicht auf die Bedürfnisse, Handlungsschritte und Interventionen.
Die Fälle in dieser Staffel sind eine spannende Herausforderung für mich und mein Team. Seit dem Bestehen meiner Homepage Anfang des Jahres 2009 gehen immer mehr Eltern den Weg, darüber den direkten Hilferuf zu starten. Dies ist eine vorerst anonyme Form und kommt direkt bei mir an. Die Problematiken in den Familien sind dieses Mal unheimlich vielschichtig und nicht vordergründig, so dass mein Einfühlungsvermögen, meine Behutsamkeit und psychologisches Gespür noch viel mehr gefragt waren.
Bei Ausreißerin Mandy aus der ersten Folge wurdest du mit der ungewöhnlichen Situation konfrontiert, dass diesmal nicht die Eltern, sondern die Ausreißerin selbst um Hilfe bat. Wie kam es dazu?
Seit Anfang des Jahres betreibe ich meine Homepage www.thomas.sonnenburg.de. Auf der gibt es einen Link: "Kummerkasten". Es hat mich am Anfang sehr verwundert, dass sehr viele Menschen diesen Link nutzen, um sich von mir direkt Hilfe zu erbitten oder die Vermittlung zu anderen Institutionen und Einrichtungen wünschen. Sehr schnell wurde mir klar, dass viele der Menschen kaum Anlaufstellen in ihrer Umgebung kennen, geschweige denn, diese nutzen. Es gibt und gab einen riesigen Beratungsbedarf in allen Fragen des Lebens und der zwischenmenschlichen Beziehungen.
Viele der Eltern baten mich auch um meine konkrete Hilfe auch im Zusammenhang mit dem Fernsehformat. So wie Eltern diese Möglichkeit nutzten, gab es auch zahlreiche Jugendliche, die für sich oder ihre Freunde Rat suchten. So auch Mandy. Sie schrieb eine Mail, in der sie auf ihre Probleme und Sorgen aufmerksam machte und mich auf diesem Weg um Hilfe bat.
Ich habe einen unerschütterlichen Glauben, dass vieles in meiner täglichen Arbeit nicht im ersten Anlauf gelingen kann und muss. Alle Jugendlichen, mit denen ich arbeite und gearbeitet habe, erleben viele Frustrationen, Demütigungen, Verletzungen und machen sie zu dem empfindlichen, verletzbaren Wesen, dass ich nach vielen Odysseen auf der Straße treffe. Bei solchen Biografien kann ich nicht davon ausgehen, schnelle und erfolgreiche Resultate zu präsentieren. Ich habe mich in meiner nunmehr 17-jährigen Praxis daran gewöhnt, mich zu bescheiden. Es ist für viele der Jugendlichen eine erste große Hürde, Vertrauen zu mir zu haben. Wissen Sie, wie großartig das Gefühl ist, wenn ein Junge, der immer der coole ist, plötzlich an einem Seil am Sandsteinfelsen im Elbsandsteingebirge hängt und seine Füße zittern wie das Nähmaschinenrattern an einer Singer-Nähmaschine, weil er Angst hat, den nächsten Schritt zu wagen? Er klettert trotzdem hoch oben auf den Felsen und liegt dir dann auf dem Gipfel in den Armen. Da ist ein Gefühl von großer Nähe, von Vertrauen und Glauben in die eigene Kraft und Stärke. Da ist etwas, was man nicht beschreiben kann… Das ist Beziehungsarbeit und dafür lohnt sich jeder Rückschlag dieser Welt, das zu erleben!!
Ausreißer Mario leidet an ADHS. Wie äußerte sich das und war das für dich eine besondere Herausforderung?
Das Thema ADHS ist besonders viel diskutiert im Hinblick auf schulische Anforderungen und die Schwierigkeit, mit Kindern die ein solches Syndrom haben, umzugehen. Sie fallen im Schulalltag auf, weil sie unkonzentriert, hyperaktiv und wenig belastbar sind. Ich habe Mario und seine Familie kennen gelernt, als Mario dieses Martyrium, in der Schule immer als der Außenseiter zu gelten, schon hinter sich hatte. Wir wissen auch nicht, welche Langzeitauswirkungen dieses Syndrom auf Erwachsene hat. Mario hat sich mit Sicherheit lange Zeit als Versager gefühlt. Seine Eltern haben immer versucht, ihn zu unterstützen und ihm alle Hilfen geboten. Sie haben Marios Rückzug und Ausbrechen aus der häuslichen Sicherheit nicht verstanden. Mario hat sie nie an dem, was ihn innerlich bewegt, was ihn seelisch kaputt macht, beteiligt. Er konnte schwer über seine Gefühle über seine Sorgen und Nöte sprechen.
Unsere Zusammenarbeit hat die Familie wieder ein Stück näher gebracht. Ich möchte dem Film nicht zu viel vorweg nehmen, aber hier passiert etwas, was in der Sozialarbeit nicht so häufig vorkommt, hier zeigen wir eine kleine Erfolgsgeschichte.







