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VW Up!: Zeitreise ohne Neuerfindungen

21.03.12
Fahrbericht: Der VW Up! ist wendig und flott, lässt aber Innovationen vermissen.Ganz nett anzuschauen: Der VW Up! rollt ab Dezember an den Start.

Flotter Kleinwagen lässt Innovationen vermissen

Volkswagen hat die Zeichen der Zeit erkannt: Der Verkehr in den Städten wird immer dichter, die Geldbeutel der meisten Menschen dagegen immer dünner. Zeit also, einen Kleinwagen ins Rennen zu schicken, der günstig und sparsam ist, gleichzeitig aber auch genügend Fahrspaß parat hält – wenn das mal so einfach wäre. Der VW Up! ist zwar ein recht ansehnlicher Flitzer, von dessen Preis und Verbrauch die Kunden lange geträumt haben. Nimmt man die Zahlen bei einer Testfahrt genauer unter die Lupe, folgt allerdings die Ernüchterung.

Auf den ersten Blick wirkt der VW Up! jung und sportlich: Kurze Haube, kurze Überhänge, dafür eine riesig wirkende Glas-Heckklappe, die den flotten Kleinwagen abrundet. Zudem haben ist der Radstand relativ groß, so dass der 3,54 Meter kurze Volkswagen insgesamt ausreichend Platz bietet. Ein kluges Konzept, das aber leider nur in der ersten Sitzreihe und im Kofferraum aufgeht: Während der mit 251 Liter Volumen recht geräumig ist, sitzt man auf den Rückbänken ziemlich eingequetscht.

Auch bei VW hat man das Zaubern noch nicht erfunden. Ein Kleinwagen kann eben nur so viel Komfort bieten, wie es der knapp bemessene Spielraum zulässt. Den haben die Autobauer optimal ausgenutzt – allerdings auf Kosten der Motorenpalette: Da die Haube so kurz ist, passt ein sparsamer Dieselmotor nicht darunter. Was bleibt, sind zwei Dreizylinder-Benziner mit 60 und 75 PS, die an ein automatisiertes 5-Gang-Schaltgetriebe gekoppelt sind. Die machen den kleinen Up! zu einem wendigen Kleinwagen, der sich dank seines Fliegengewichts von nur 929 Kilogramm gekonnt durch die Straßen wuselt und mit einer Breite von 1,64 Metern in fast jede Parklücke passt.

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Up!: VW kann das Rad nicht neu erfinden

Besonders stolz ist man in Wolfsburg auch auf den Preis, der für den Up! in der Basisausstattung aufgerufen wird. Was Sie für 9.850 Euro dann bekommen, ist jedoch alles andere als zeitgemäß: Die Türen werden noch mit dem Schlüssel geöffnet, die Fenster gekurbelt, Klima- und Audioanlage sind ebenso Fehlanzeige wie ein Tempomat – eine Zeitreise in die Vergangenheit, auf die sich die Konkurrenten von Fiat, Hyundai oder Toyota mit ihren City-Flitzern nicht begeben.

Immerhin gibt es mit ESP sowie Front- und Seitenairbags ein für die Kleinwagen-Klasse vorbildliches Sicherheitspaket, das für rund 600 Euro mit einer automatischen City-Notbremsfunktion aufpoliert werden kann. Rücken Sie dem Vordermann zu dicht auf die Pelle, legt der Up! wie von Zauberhand eine Vollbremsung hin – was löblich ist, allerdings wohl keine Leben rettet: Da die automatische Bremsfunktion nur bei Geschwindigkeiten zwischen 5 und 30 km/h funktioniert, ist sie außerhalb des Stadtverkehrs nicht zu gebrauchen.

Der Normverbrauch liest sich traumhaft, hält aber nicht das, was er verspricht. Die angepriesenen 4,7 Liter Super, die er auf 100 Kilometer fressen soll, schafft die 75 PS starke Variante des VW Up! lediglich auf der Landstraße. Im Stadtverkehr sieht die Geschichte ganz anders aus: Nach einer Fahrt quer durch die City sind es mehr als acht Liter, die der Kleinwagen durchschnittlich verschluckt hat – und das, obwohl der Bordcomputer die für den Benzinverbrauch optimalen Gänge jederzeit vorschlägt.

Wenn Sie Fahrvergnügen möchten, sollten Sie die Schaltempfehlung sowieso ignorieren. Diejenigen, die bei 50 km/h ernsthaft in den fünften Gang schalten, gehören definitiv nicht zu den Zeitgenossen, die Autofahren zum Erlebnis machen wollen. Die junge Zielgruppe, die Volkswagen mit besonderen Finanzierungsprogrammen locken will, dürfte sich eher vom portablen Navigations- und Infotainment-System angesprochen fühlen. Apps, die sich hier installieren lassen, beweisen, dass VW die Zeichen der Zeit erkannt hat: Die Autofahrer von heute wollen nicht mehr nur Auto fahren, sondern auch unterhalten werden.

Fazit: Mit der Zeit zu gehen, heißt auch innovativ zu sein. Das gelingt VW nicht. Mal abgesehen von der überbewerteten Notbremsfunktion gibt es beim Up! nichts, was die Konkurrenz nicht auch schon hätte. Wenn VW den neuen City-Flitzer im kommenden Jahr zum Erdgasauto umgerüstet hat, wird man mit einem CO2-Ausstoß von sensationellen 79g/km zumindest in punkto Sparsamkeit neue Maßstäbe setzen. Was uns die Reise durch die Zeit gelehrt hat, gilt allerdings auch für den Up!: Das Rad kann nicht neu erfunden werden.

Von Daniel Grochow

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