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Spritpreise steigen weiter, was tun?

23.02.12
Benzin: Sprit teuer wie nieSpritpreise steigen weiter, was tun?
Foto: dpa bildfunk

Boykottaufruf via Facebook

Die Spritpreise befinden sich auf einem Rekordhoch, und aufgrund eines eher schwachen Euros und der politischen Entwicklungen im Nahen Osten, speziell im Erdöl-Land Iran, scheint die Preisskala nach oben offen.

Die Reaktionen auf den extremen Preisanstieg sind zum Teil heftig, und je nach Interessensgruppe auch sehr unterschiedlich. Der Forderung des ADAC nach einer Erhöhung der Pendlerpauschale als Ausgleich für hohe Tankkosten erteilte die Bundesregierung eine Absage.

Spediteure fordern nun eine schnelle Einführung der umstrittenen Lang-Lkw. Denn angesichts "ruinöser" Spritpreise drohe vor allem kleinen Speditionen mit bis zu zehn Fahrzeugen die Pleite, sagte Branchenvertreter Peter Kretzschmar der 'Leipziger Volkszeitung'. Die Unternehmen könnten die schnell steigenden Preise nicht einfach an die Kunden weitergeben, sagte Kretzschmar. Auch durch verbrauchsärmere Lastwagen oder Spritspar-Schulungen für Fahrer könnten die Mehrkosten nicht ausgeglichen werden. Derzeit läuft auf ausgewählten Strecken eine Test-Phase für die bis zu 25,25 Meter langen Riesen-Lkw.

In der Bevölkerung folgt nach der Empörung nun zunehmender Widerstand. So versuchen jetzt mehr als eine halbe Million Facebook-Nutzer die Ölmultis mit einem Tank-Boykott am 1. März in die Knie zu zwingen. Andere Autofahrer wehren sich dagegen mit illegalen Mitteln gegen die Abzocke an der Zapfsäule: Mittlerweile warnt die Polizei vermehrt vor Spritdieben, die sich einfach für lau an der Zapfsäule bedienen und sogar die Tanks anderer Autofahrer leerpumpen.

Das ifo-Institut warnt vor den Folgen für die Wirtschaft. Teures Öl und Benzin könnten die Konjunkturerholung in Deutschland bedrohen. "Mit den steigenden Kraftstoffpreisen ist ein weiteres Risiko hinzugekommen", sagte Ifo-Experte Klaus Abberger. "Das kann den privaten Konsum belasten, ebenso die Autobranche."

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Grüne: Sprit immer noch zu billig

Der Grünen-Verkehrsexperte Anton Hofreiter kann die Aufregung nicht verstehen und findet Sprit trotz der Rekordpreise zu günstig. Dazu zieht er eine andere Vergleichsgröße heran. Für ihn ist nicht entscheidend wie hoch der Benzinpreis bei der letzten Preisexplosion 2008 oder zu DM-Zeiten oder vor zehn Jahren war, sondern er sagt: "Man muss bei uns für den Kauf eines Liters Benzin kaum länger arbeiten als in den 50er Jahren." Und so kommt Hofreiter zu dem Schluss: "Das Benzin ist offenbar immer noch zu billig."

Der Grünen-Politiker setzt die Auto-Industrie unter Druck: "Nur wenn der Benzinpreis unattraktiv hoch ist, wird die Autoindustrie gezwungen sein, ihre Modelle schnell auf alternative Antriebsarten umzustellen", sagte Hofreiter. Aber auch er sieht Gefahren in dem hohen Spritpreis: "Die Gefahr ist deshalb groß, dass Autofahren zum Luxus wird", so Hofreiter.

Das Bundeskartellamt hat die jüngsten Anhebungen durch die Ölkonzerne scharf kritisiert. "Der Markt wird von fünf großen Mineralölkonzernen gemeinsam beherrscht, die sich gegenseitig wenig Wettbewerb machen", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt "Rheinischen Post" (Donnerstagausgabe). "In diesem Oligopol (viele Nachfrager und wenige Anbieter, Anmerkung der Red.) sind die Konzerne in der Lage, Preissteigerungen im Großhandel an die Benzin-Verbraucher weiterzugeben." Das Kartellamt steht vor dem Problem, dass es verbotene Preisabsprachen nicht nachweisen kann. Sie seien aber allein durch ihre "Reaktionsverbundenheit" in der Lage, den Preiswettbewerb auszuschalten.

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