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Texas: Düngerfabrik explodiert – viele Tote und Verletzte

18.04.13 17:25
Texas Explosion Tote Opfer Ein Bild auf Twitter zeigt die riesige Rauchwolke, die nach der Explosion in West aufgestiegen ist.

5 bis 15 Todesopfer bestätigt - Ursache noch unklar

Wie viele Menschen starben bei der Explosion einer Düngemittelfabrik in Texas? 5 bis 15 Tote bestätigt die Polizei, doch es könnten weit mehr sein. Der Chef des lokalen Rettungsdienstes, George Smith, erklärte: "Zwei Notfallhelfer sind tot, das wissen wir, und es könnten auch drei Feuerwehrleute ums Leben gekommen sein." Rettungskräfte halten 60 bis 70 Opfer für möglich. Etwa 180 Menschen sollen verletzt worden sein. Hinweise auf einen Anschlag gibt es nicht.

"Ich habe keine Hinweise gehört, dass das hier etwas anderes war als ein Unfall oder ein Feuer", sagte Patrick Swanton von der Polizei. "Aber bis das sicher ist, ermitteln wir wie bei einem Verbrechen." Zuvor wurde unter Berufung auf den US-Sender CBS von mindestens 60 Toten gesprochen. Die Polizei bestätigte diese Zahl jedoch nicht. Da sich jedoch noch Verletzte in den Trümmern befinden könnten, kann die Zahl der Toten noch steigen. Präsident Barack Obama gedachte der Opfer von West kurz vor der Gedenkfeier für die beim Bombenanschlag von Boston Getöteten. "Sie werden die Unterstützung des amerikanischen Volkes haben."

Die Explosion geschah in der Stadt West in der Nähe von Waco in Osttexas. CBS zufolge schossen gewaltige Stichflammen in den Himmel. Die Fabrik sei total zerstört. Auf Fernsehbildern war eine riesige Rauchwolke über der Ortschaft gut 30 Kilometer nördlich von Waco zu sehen, Gebäude standen in Flammen. Die Explosion war so stark wie ein Erdbeben der Stufe 2,5 und soll noch im 75 Kilometer entfernten Waxahachie zu hören gewesen sein. "Es war das völlige Chaos, wie in einem Horrorfilm", sagte der Rettungssanitäter Jesse Ross dem Sender KTVT. Was die Ursache war, ist noch unklar. Es habe ein Feuer gegeben, und Wasser kam mit gefährlichem Ammoniumnitrat in Kontakt, vermutete Jason Shelton, Angestellter in einem Hotel in West.

Nach Angaben des Bürgermeisters von West wurden bei dem Unglück bis zu 80 Häuser zerstört. Ein Gebäude mit 50 Wohnungen stand mitten in der Druckwelle und verlor seine Fassade. In einem Umkreis von fünf Blocks um die Fabrik habe es schwere Schäden gegeben, sagte Tommy Muska dem Nachrichtensender CNN. Unter den eingestürzten Gebäuden könnten noch Menschen eingeschlossen sein, befürchtete Smith. Betroffen seien auch eine Schule und ein Altenheim in unmittelbarer Nähe zum Unglücksort. Überall lagen Trümmer, Scherben und Ziegelsteine. "Es war, als wäre eine Atombombe eingeschlagen", sagte Muska weiter. Wegen giftiger Gase musste die Hälfte der Gemeinde evakuiert werden. "Wir haben hier eine Menge Leute, die verletzt sind, und es gibt andere, von denen ich sicher bin, dass sie morgen nicht mehr da sind."

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Sheriff: "Es sieht aus wie in einem Kriegsgebiet"

Auf einem nahe der Fabrik gelegenen Sportplatz wurde ein Notfallzentrum eingerichtet. Krankenwagen und Hubschrauber brachten die Verletzten in umliegende Kliniken. Ein Krankenhaus in Waco teilte mit, es behandele 66 Opfer mit Brand- und Schnittverletzungen sowie Knochenbrüchen.

"So etwas habe ich noch nie gesehen", sagte Sheriff Parnell McNamara. "Mit all den Trümmern sieht es aus wie in einem Kriegsgebiet." DL Wilson, der Sprecher der texanischen Sicherheitsbehörde, war ebenfalls erschüttert von dem, was er sah. "Es war gewaltig, genau wie im Irak... da war ein Gebäude mit ungefähr 50 Wohneinheiten - es stand da wie ein Skelett", schilderte er.

Vor der Explosion war den Berichten zufolge ein Feuer in der Fabrik ausgebrochen. Als ein Düngemitteltank explodierte, seien schon Feuerwehrleute am Unglücksort gewesen. Da sich auf dem Gelände noch ein zweiter Tank befinde, seien die Bewohner von West aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen. Etwa die Hälfte der 2.800 Einwohner wurde evakuiert. Auch die Hubschrauberpiloten seien angewiesen worden, wegen einer befürchteten zweiten Explosion eine Mindestflughöhe einzuhalten.

Der Abgeordnete Bill Flores, zu dessen Wahlkreis West gehört, sagte CNN, er gehe nicht davon aus, dass es sich um Sabotage gehandelt habe. Am Freitag vor 20 Jahren hatte das FBI bei Waco das Anwesen der Davidianer-Sekte gestürmt, woraufhin die Sektenmitglieder einen Brand legten, in dem der Anführer David Koresh und viele Anhänger ums Leben kamen.

Auch in Tschechien löste die Explosion Bestürzung aus. West bezeichnet sich selbst als Hauptstadt des tschechischen Kulturerbes in Texas. Der Botschafter Tschechiens in den USA, Petr Gandalovic, will sich vor Ort ein Bild von der Lage machen. "Drei Viertel unserer Einwohner haben tschechische Wurzeln", erklärte eine Anwohnerin aus West. Im 19. Jahrhundert wanderten tausende Tschechen nach Texas aus.

Direkt nach dem Unglück brach eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Rettungskräfte aus dem etwa 120 Kilometer entfernten Dallas eilten herbei, um bei dem Transport der Verletzten in Kliniken zu helfen. Auch Einwohner rund um Dallas boten ihre Hilfe an. So twitterte beispielsweise ein Mann aus Fort Worth: "Wenn irgendjemand in und um West einen Fahrer braucht und einen Pickup, um die Viehanhänger wegzufahren – ich bin da." Für die ums Leben gekommenen Feuerwehrleute wurde eine Facebook-Seite eingerichtet. "Der letzte Einsatz" bekam innerhalb weniger Stunden etwa 5.000 Sympathisanten.