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Suhl: Nervenkrieg nach bewaffneter Geiselnahme in Gefängnis

29.03.13 18:33
Geiselnahme JVA SuhlPolizei- und Krankenwagen stehen vor dem Eingang der Justizvollzugsanstalt in Suhl-Goldlauter (Thüringen).
Foto: dpa bildfunk

"Die Spezialisten verhandeln, aber er hat noch nicht aufgegeben“

In der thüringischen Justizvollzugsanstalt Suhl-Goldlauter hat ein 52-jähriger Insasse eine Angestellte als Geisel genommen. Der Mann sei mit einem Messer bewaffnet, sagte der Pressesprecher der Landespolizeiinspektion Suhl, Fred Jäger. Der Häftling habe die Frau im Zellentrakt am Freitag gegen 16 Uhr in seine Gewalt gebracht. Eine Verhandlungsgruppe und ein Spezialeinsatzkommando (SEK) seien vor Ort. Auch mehrere Krankenwagen fuhren vor.

"Der Geiselnehmer fordert einen Rechtsbeistand und die Verlegung in eine andere Anstalt", sagte Jäger. Der Mann sitzt wegen Gewaltdelikten in dem Gefängnis ein. Nähere Details darüber, wo sich der Geiselnehmer verschanzt habe, gebe es zurzeit nicht. Unbekannt sei auch, ob die Frau zum Wachpersonal gehört. Die Verhandlungsgruppe der Polizei sei noch dabei, die genauen Umstände zu klären.

"Gefährdungen für die Geisel müssen ausgeschlossen werden", verdeutlichte der Sprecher. Ein Ende der Geiselnahme sei nicht absehbar. Rund fünf Stunden nach der Geiselnahme hätte die Verhandlungsgruppe Kontakt zum Täter aufgenommen. "Die Spezialisten verhandeln mit dem Mann, aber er hat noch nicht aufgegeben", berichtete Jäger. "Wir gehen aber davon aus, dass keine unmittelbare Gefahr mehr für das Leben der Frau besteht.“

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Gefängnisse in Thüringen sind überbelegt

Am Abend war auch Thüringens Justizminister Holger Poppenhäger (SPD) nach Suhl gefahren, um sich ein Bild von der Lage zu machen. "Wir sind guten Mutes, die Situation friedlich beenden zu können", erklärte der Politiker. Sein Mitgefühl und seine Solidarität gelten der Familie der Geisel sowie den Bediensteten der JVA und den Polizisten. Der Präsident der Landespolizeidirektion, Winfried Bischler, sagte: "Ein Ende ist derzeit nicht absehbar. Aber die Lage ist stabil."

Die JVA Goldlauter in Suhl in Thüringen ist ein Gefängnis für Männer und verfügt über insgesamt 332 Haftplätze. 310 davon sind für den geschlossenen Vollzug vorgesehen, 22 für den offenen Vollzug. Derzeit sind dort insgesamt 167 Bedienstete tätig.

Bereits Ende 1993 hatten Strafgefangene in Suhl-Goldlauter gegen die nach ihrer Ansicht schlechte Verpflegung in dem Gefängnis protestiert. Die Häftlinge hatten sich damals geweigert, in ihre Zellen zurückzukehren.

Derzeit gibt es in Thüringen sieben Justizvollzugseinrichtungen mit insgesamt rund 2.000 Haftplätzen. Lediglich 984 davon sind für die gesetzlich vorgeschriebene Einzelunterbringung in den Ruhezeiten am Abend und nachts geeignet. Wegen der hohen Belegung mussten in den vergangenen Jahren in allen Anstalten die Hafträume mehrfach belegt werden. In manchen Gefängnissen sind nach Angaben des Justizministeriums sechs Häftlinge in einem Raum untergebracht.

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