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Rumänien und Pferdefleisch: "Falsch-Etikettierung macht keinen Sinn"

17.02.13 15:48
Pferdefleisch Skandal Rumänien EmmerichWegen des Pferdefleisch-Skandals entwickelt sich Lasagne in Rumänien zum Ladenhüter.

RTL-Reporter Dirk Emmerich berichtet aus Rumänien

Ankunft in Bukarest: Unfreiwillig komisch wirkt das Werbeplakat eines Bistros auf dem Airport - 455 Gramm Rinder-Lasagne für 32 Lei - das sind circa acht Euro. In den letzten Tagen hätte die hier kaum jemand bestellt, erzählt uns der Bistro-Kellner. Auch hier ist der Skandal das Aufreger-Thema.

Die Menschen hier wissen um den nicht besonders guten Ruf ihres Landes innerhalb der EU. Das Vertrauen in die Regierung und die staatlichen Behörden ist nicht groß. Vorstellbar sei deshalb vieles, erläutert uns Nicu, ein Fernseh-Kollege. Viele Rumänen seien bereit, für Geld alles zu tun – Gesetz und Vorschriften hin oder her. Aber in diesem Fall, so glaubt er, sei das schlechte Image Rumäniens eine gute Möglichkeit, von den eigentlichen Hintermännern abzulenken.

Rumänien ist größter Exporteur von Pferdefleisch in der EU. Eine wichtige Spur im aktuellen Fall führt zur Firma CarmOlimp im Fagaras, die falsch deklariertes Fleisch geliefert haben soll. Wir kommen jedoch nicht weit. Die Firma sagt, sie habe 2012 gar kein Rindfleisch exportiert, könne es also auch nicht falsch etikettiert haben. Und ja - sie exportiere Pferdefleisch -, 60 Tonnen seien es im letzten Jahr gewesen, nach Holland und Bulgarien. Alles mit ordentlichen Papieren. Warum sollte das Fleisch auch falsch etikettiert werden, der Export von Pferdefleisch sei ja nicht illegal.

Wir versuchen weiter zum Ursprung vorzudringen – zu den Anbietern. Schnell wird klar, dass es Pferdefleisch-Zuchtbetriebe nicht gibt. Die geschlachteten Tiere kommen entweder aus der Karpaten-Region, abgegeben von Bauern und zum Teil direkt aus den Bergen, wo sie in freier Wildbahn leben; oder von Gestüten, die die Tiere ab einem bestimmten Alter nicht mehr verwenden können.

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Imageschaden für Rumänien ist groß

Wir besuchen eines dieser Gestüte. Die Farm Jegalia liegt 150 Kilometer von Bukarest entfernt. 300 Pferde haben sie hier, erzählt uns Geschäftsführer Ian Oprian. Es sind Renn- und Reitpferde. Viele Tiere dieser seit 1896 existierenden staatlichen Farm hätten Preise gewonnen. "In Einzelfällen werden Tiere nach schweren Verletzungen oder nach Ende ihrer Laufbahn, geschlachtet – in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorschriften. Die Veterinärbehörde des Bezirks überprüft jeden einzelnen Fall", so Oprian. Wir müssen ihm das glauben, überprüfen können wir es nicht.

Im letzten Jahr seinen drei Tiere geschlachtet und das Fleisch verkauft worden. Oprian kann sich nicht vorstellen, dass Betriebe wie seiner, in den Skandal verwickelt sind. Für ihn sei es auch unlogisch, Pferdefleisch als Rindfleisch zu deklarieren. "Zum einen ist Pferdefleisch eine Delikatesse, die es so einfach gar nicht auf dem Markt gibt, zum anderen ist der Kilo-Preis höher als bei Rindfleisch. Aus Erzeuger-Sicht macht eine Falsch-Etikettierung keinen Sinn."

Außerdem werde nur auf Bestellung geschlachtet. Das Fleisch müsse innerhalb von 24 Stunden verarbeitet oder tiefgekühlt werden, sonst werde es schwarz und verderbe sehr schnell. Was anderswo mit dem in Blöcken tiefgekühltem Pferdefleisch passiere, wisse er nicht. Er vermutet jedoch, dass es womöglich mit minderwertigen Nahrungsergänzungs-Substanzen gestreckt werde. Er betont noch einmal, dass alles andere unlogisch ist, denn Pferdefleisch sei teurer als Rindfleisch.

Die bislang aufgedeckten Wege der geschlachteten rumänischen Pferde bis in die Tiefkühl-Lasagne liefern keine Hin- oder gar Beweise, dass rumänische Erzeuger oder Exporteure tatsächlich in den Skandal verwickelt sind. Das haben zuletzt am Freitag auch die zuständigen Behörden in Bukarest noch einmal klargestellt.

Rumänien ist in Sachen Anti-Korruptions-Maßnahmen, behördlicher Transparenz und Vorgehen gegen mafiöse Strukturen in der Wirtschaft ganz sicher kein Musterknabe. Dennoch, in diesem Fall scheint die Spur wegzuführen von Rumänien, in ein ziemlich unübersichtliches und weit verzweigtes Netzwerk aus dubiosen Händlern und gewinnoptimierenden Lebensmittel-Discountern in West-Europa.

Für Rumänien ist der neuerliche Image-Schaden dennoch kaum mehr abzuwenden. Bei unserer Abreise aus Bukarest preist das Bistro auf dem Airport immer noch seine Rinder-Lasagne an. Wir sehen niemanden, der sie bestellt.