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Der Emir von Katar – der neue große Strippenzieher im Nahen Osten

01.02.13 11:05
Emir von Katar, Hamad bin Chalifa Al Thani, besser bekannt als der Emir von Katar. Er spielt mit dem Westen und rüstet gleichzeitig die Islamisten aus.
Foto: Reuters

Der Islamisten-Ausrüster: Ein cleverer, aber gefährlicher Mann strebt nach oben

Er ist einer der mächtigsten und einflussreichsten Männer der Welt. Und einer der gewieftesten: Hamad bin Chalifa Al Thani, besser bekannt als der Emir von Katar. Er machte Katar zum Ausrichter des Weltklimagipfels, obwohl das Land pro Kopf den höchsten CO2-Ausstoß der Welt hat. Er holte die Fußball-WM in den Wüstenstaat, obwohl es dort im Sommer bis zu 50 Grad heiß werden kann – für Al Thani und sein dickes Portemonnaie ist nichts unmöglich.

Und: Er gilt laut Experten als der mächtigste Strippenzieher der aktuellen Politik im Nahen Osten. Das Emirat Katar bemüht sich um eine deutliche Führungsrolle, sagt der Nahost-Spezialist der Stiftung Wissenschaft und Politik aus Berlin (SWP), Dr. Guido Steinberg. Mit seinen Gas- und Petrodollars versorgt der Emir die islamistischen Kämpfer in Libyen, in Syrien, auch in Ägypten und jetzt ganz aktuell: in Mali. Doch wer ist dieser Mann, der vom Westen umgarnt wird, obwohl er eindeutig und offen bekennend islamistische Kräfte wie die Salafisten finanziert?

Der 60-jährige Scheich ist unwahrscheinlich clever, er beherrscht das Spiel auf der Klaviatur der Politik perfekt. Vielleicht so wie vor ihm nur ein Tito (1982-1980), der Jugoslawien zu einem blockfreien Staat gemacht hatte oder ein König Sihanouk von Kambodscha (1922-2012), der sowohl mit den Westmächten gut konnte aber auch von den Roten Khmer geschätzt wurde. Der Emir von Katar vollbringt das Kunststück, enge Bande mit den USA zu schmieden, ohne dabei mit dem Iran zu brechen. Immerhin teilt sich der Sunnit Al Thani das größte Gasfeld der Welt mit dem schiitischen Iran. Eine heikle Allianz, denn die beiden islamischen Religionsgemeinschaften stehen sich verfeindet gegenüber. Wie skrupellos er ist, zeigt der Staatsstreich, den er 1995 gegen seinen eigenen Vater durchführte, als dieser zu einem Auslandsaufenthalt in Genf weilte.

Und der Emir setzt seine immensen Reichtümer ein: So tätigte er im Jahr 2005 nach dem Hurrikan Katrina eine generöse Spende von 100 Millionen Dollar an die USA, wie die 'New York Times‘ berichtete. In Sachen Scheckbuch-Diplomatie macht Al Thani so schnell niemand etwas vor. Doch er weiß nicht nur mit Geld umzugehen. Im Jahr 2007 war er der erste Führer am Persischen Golf, der sich mit einem israelischen Außenminister traf. Und schließlich forderte er 2012 eine UN-Intervention in Syrien. Überhaupt ist Katar einer der großen Befürworter der Protestbewegungen in Nordafrika.

All dies signalisiert dem Westen Vertrauen. Doch dieses Vertrauen nutzt der Emir, um seine Ränkespiele im Hintergrund treiben zu können. Denn er finanziert islamistische Gruppen und rüstet sie auch aus. Mit Waffen, die er dem Westen abkauft, wie der Internetdienst 'heise online' berichtet.

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Auch die Extremisten in Mali kämpfen mit seinen Waffen

So ging ein Aufschrei durch Deutschland, als Katar im vergangenen Sommer 200 'Leopard 2'-Panzer kaufen wollte. Längst ist es ein offenes Geheimnis, dass der Emir aktiv am Sturz des libyschen Diktators Gaddafi beteiligt war. Schon kurz nach Ausbruch des libyschen Aufstands nahm Doha eine Führungsrolle ein und drängte die Arabische Liga auf die Einrichtung einer Flugverbotszone, so Dr. Steinberg. Auch in Tunesien hatte der Autokrat gezielt die Islamisten unterstützt. Den Muslimbrüdern in Ägypten gab er satte vier Milliarden Dollar – und rettete damit vorerst die Zentralbank. Und in Mali kämpfen nun islamische Extremisten, die sich enttäuscht von ihrer Revolution in Libyen die nächste Aufgabe gesucht haben. Auch dies unter Duldung des Emirs.

Katar hat die Gunst der Stunde genutzt und sich unter Al Thani zur neuen Regionalmacht aufgeschwungen. Ägypten ist wirtschaftlich komplett ausgefallen und mit sich selbst beschäftigt, Saudi Arabien ist ebenfalls geschwächt. Und so wurde Katar zur großen neuen Interventionsmacht im Nahen Osten und im Maghreb.

Welches Kalkül treibt den autokratischen Monarchen an? Offenbar sieht er die islamistischen Kräfte als kommende Macht im Nahen Osten. Daher schlägt er sich schon jetzt auf ihre Seite, erklärt Steinberg auf der Website der SWP. Es gehe dem Emir darum, mit den neuen Regierungen in Tunesien, in Libyen und in Ägypten gute Verhältnisse zu haben. Das geht am besten, indem man sich aktiv an der Bildung einer neuen Regierung beteiligt. Und der Alleinherrscher bedient sich einer seltsamen Rhetorik. Er glaubt, dass politische Partizipation dieser Gruppen den Extremismus eindämmt. Das bedeutet, er hält die Salafisten, die in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet und unter anderem für den versuchten Anschlag am Bonner Hauptbahnhof verantwortlich gemacht werden, und andere islamistische Gruppen nicht für extrem. Diese Ansicht wird der Westen nur schwerlich mit ihm teilen.

Doch der Emir kann sich diese Haltung erlauben. Denn er hat sich schon häufiger in der Region als erfolgreicher Vermittler hervorgetan, wie zum Beispiel mit dem Doha-Abkommen 2008, das einen Konflikt im Libanon beilegte. Viele westliche Politiker vertrauen dem Emir, der zum Beispiel als erster Führer am Persischen Golf das kommunale Frauenwahlrecht einführte (Freilich sind die Wahlen ohnehin folgenlos, das Parlament wird im Übrigen nicht gewählt und hat nur begrenzte Befugnisse).

Einen Namen machte sich Al Thani auch mit dem lange Jahre unabhängig fungierenden Fernsehsender Al-Dschasira, der dem Scheich gehört. Im Jahr 2011 vollzog sich aber bei dem einst panarabischen Medium, das sich auf seine Fahnen geschrieben hatte, pro und kontra zu beleuchten, eine radikale Wende. In Folge dieser Politik bezog Al-Dschasira zum Beispiel klar Stellung gegen das Regime von Al-Assad in Syrien. Auch während des Aufstandes gegen den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak und im Kampf gegen den libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi schlug sich der Sender auf die Seite der Aufständischen. Das führte dazu, dass viele unabhängige Journalisten dem Sender den Rücken zuwandten.

Dem Emir ist’s egal. Er positioniert sein Land neu und er fährt gut mit dieser Strategie. Katar erhofft sich gute Zusammenarbeit mit den neuen Regierungen. Und dabei ist Al Thani scheinbar jedes Mittel recht. Der Westen lässt ihn gewähren. Die Gefahr liegt darin, dass die Islamisten von Land zu Land tingeln und nun mit Mali den nächsten Staat ins Visier genommen haben. Und was kommt nach Mali? Mauretanien, Niger? Der Weg des Emirs ist noch nicht zu Ende und seine finanziellen Mittel sind nahezu unerschöpflich.

Oliver Scheel

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