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Billigstrom: Flexstrom insolvent – 500.000 Kunden betroffen

12.04.13 15:27
Flexstrom pleite InsolvenzIn der Firmenzentrale von Flexstrom hieß es, man sei "profitabel, aber nicht liquide".
Foto: dpa bildfunk

Vorauszahlung wird wohl nicht erstattet

Der nächste Billig-Stromanbieter ist pleite: Flexstrom hat Insolvenz angemeldet, wie das Unternehmen mit rund 500.000 Kunden mitteilte. Wer eine Vorauszahlung an Flexstrom geleistet hat, muss damit rechnen, sein Geld nicht zurückzubekommen. Es fließt aber weiterhin Strom aus der Steckdose, wie das Unternehmen mitteilte. Auch die Tochtergesellschaften OptimalGrün und Löwenzahn Energie hätten Insolvenzanträge gestellt. Das Geschäft der Gastochter FlexGas werde hingegen von einem Investor weitergeführt.

Das Unternehmen machte in seiner Mitteilung "die schlechte Zahlungsmoral zahlreicher Stromkunden und weiterhin bestehende Oligopolstrukturen im deutschen Versorgungsmarkt" für die Insolvenz verantwortlich. Ein Oligopol bedeutet, dass wenige große Anbieter den Markt beherrschen.

Mit rund 100 Millionen Euro seien Kunden bei Flexstrom oder den Tochtergesellschaften OptimalGrün und Löwenzahn Energie im Rückstand. Die Zahlungsmoral vieler Kunden hatte sich zuletzt nach der schädigenden Berichterstattung vereinzelter Medien dramatisch verschlechtert, so das Unternehmen. Flexstrom könne diese Rückstände nicht mehr selbst schultern. Die Firma sei "profitabel, aber nicht mehr liquide", hieß es in der Berliner Zentrale. Noch 2012 seien gut 20 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet worden. Während die Gelder verunsicherter Kunden ausgeblieben seien, hätten Stromeinkauf und die hohen Netzentgelte weiter beglichen werden müssen.

Auch der Rekordwinter soll eine Mitschuld tragen. Der Grund: Während Kunden im kalten Winter nur ihre normalen Abschläge bezahlen, muss durch den Anbieter deutlich mehr Energie eingekauft werden. Dafür ging Flexstrom nach eigenen Angaben mit einem Millionenbetrag in Vorleistung.

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Wackliges Geschäftsmodell lockt Kunden

In einem Insolvenzfall übernehme der örtliche Grundversorger die Kundenbelieferung mit Strom, erläuterte Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst (EID). Dieser müsse natürlich unabhängig von der vorherigen Geschäftsbeziehung mit Flexstrom bezahlt werden. Abschlags- und Vorauszahlungen an Flexstrom gehen in die Insolvenzmasse. Im Insolvenzverfahren müssen die Kunden dann ihre Forderungen geltend machen.

Im Sommer 2011 hatte bereits der Stromdiscounter Teldafax mit rund 700.000 Kunden Insolvenz angemeldet. Gegen drei frühere Top-Manager erhob die Staatsanwaltschaft Bonn Mitte Februar Anklage wegen Insolvenzverschleppung und gewerbsmäßigen Betruges.

Die Beispiele Teldafax und Flexstrom zeigten, dass "diese Geschäftsmodelle eng gestrickt" seien, sagte Wiek. Mit niedrigen Stromtarifen, oft verbunden mit einer Vorauszahlung für ein Jahr, würden Kunden angelockt. Diese Einnahmen dienten wiederum dazu, größere Strommengen günstig einzukaufen. Wenn die Anbieter ihren Kundenstamm aber nicht schnell genug erhöhen könnten oder sogar Kunden verlieren würden, könnten sie schnell in Schwierigkeiten geraten.