Formel 1: So war der Saisonauftakt bei Mercedes und Ferrari

24.03.2016 | 16:29
Formel 1: So war der Saisonauftakt bei Mercedes und Ferrari Beim Start ließen die Ferrari in Melbourne die Silberpfeile ziemlich alt aussehen.

Doppelsieg der Silberpfeile, Sebastian Vettel erster Verfolger: Zwar bot das Siegerpodest im Albert Park zu Melbourne ein allzu vertrautes Bild – 'Business as usual' war der turbulente Grand Prix 'Down Under' allerdings nicht nur wegen des spektakulären Unfalls Fernando Alonsos nicht. Während Ferrari bei der Reifenwahl aufs falsche Pferd setzte, lief auch bei Mercedes längst nicht alles reibungslos. Unser Formbarometer der WM-Anwärter zum Saisonauftakt zeigt: Das berüchtigte 'Momentum' hat noch keiner so richtig auf seiner Seite.

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Die Fahrer

Nico Rosberg war der strahlende Gewinner in Melbourne. Im Rennen keinen Fehler gemacht, auf die richtigen Reifen gesetzt, Teamrivale Lewis Hamilton zum vierten Mal in Serie in die Schranken verwiesen. In Euphorie wollte der 15-malige GP-Sieger trotz dieser faktischen Pluspunkte nicht ausbrechen. Denn Rosberg weiß: Bis zum Rennstart war seine Leistung nicht ausreichend, um mit Hamilton mithalten zu können. Vielmehr fuhr der Weltmeister seinem deutschen Garagen-Nachbarn im Qualifying um die Ohren. Will Rosberg den Schwung des Melbourne-Sieges in die nächsten Rennen retten, muss er in puncto Speed deutlich zulegen.

Lewis Hamilton gab sich trotz der Pleite im Silber-Duell tiefenentspannt. Ja, er habe den Start vergeigt, aber: "Ich habe schon viel schlechtere Saisoneröffnungen erlebt." Letzteres ist gewiss richtig, der dreimalige Champion wird sich daher nicht lange grämen. Bis zu seiner völlig verhagelten Kuppelei beim Losfahren dominierte Hamilton in gewohnter Manier das Wochenende. Er weiß genau, wo es hakt: Bekommt er den Start hin, ist er wieder der Mann, den es zu schlagen gilt.

Sebastian Vettel verabschiedete sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus Australien. Nach einem furiosen Start schnupperte der Ferrari-Star lange am Sieg, am Ende reichte es aber doch nur zu Rang 3. Seinen kurzen Ausritt kurz vor Rennende sollte Vettel schnell abhaken und sich vielmehr mit seinem Team darauf konzentrieren, den – bei aller Euphorie in Rot – immer noch bestehenden Abstand auf die Silberpfeile zu verkürzen.

Die Teams: Mercedes muss am Start arbeiten, Ferrari am Speed

Bei Mercedes taten sich trotz des Doppelsieges mehrere Baustellen auf: In Sachen Startprozedere scheint Mercedes gegenüber Ferrari klar im Nachteil zu sein. Ohne Mühe beschleunigten die Roten das Silber-Duo aus, als in Melbourne die Ampeln ausgingen – und das, obwohl beide Mercedes-Piloten ihre Starts als "sehr gut" empfanden. "Das ist unsere Schwachstelle. Das müssen wir in Ordnung bringen", gab Motorsportchef Toto Wolff unumwunden zu. Heißt im Klartext: Will Mercedes seine nach wie vor deutlichen Vorteile auch weiter in Siege ummünzen, muss das Team sicherstellen, dass die Kupplung künftig schneller 'zubeißt'.

Doch nicht nur die miesen Starts der Piloten trieben den Silber-Strategen Sorgenfalten ins Gesicht. Denn Rosbergs Sieg hing an einem seidenen Faden. Die vorderen Bremssättel überhitzen, offenbar wegen "irgendeinem Mist in der Bremse", so Wolff. Rosbergs Bolide sei "extrem nah dran gewesen", wegen zu hoher Bremstemperaturen Alarm auszulösen. In diesem Fall hätte der Führende sein Dienstfahrzeug abstellen müssen. Heißt: Mercedes sollte sich seiner Zuverlässigkeit trotz der Vielzahl an Testkilometern nicht zu sicher sein. Schwäbisches 'schaffe‘, schaffe‘' ist weiterhin angesagt.

Gleiches gilt für Ferrari. Beim roten Renner von Kimi Räikkönen überhitzte der Turbolader, ein Brand im Motorraum war die Folge. Was von dem Aggregat noch zu retten ist, müssen jetzt die Tüftler in Maranello entscheiden. Im schlechtesten Fall verfügt der 'Iceman' für den Rest der Saison – und das sind 20 Rennen – nur noch über vier Triebwerke.

Katerstimmung herrschte bei Ferrari aber vor allem wegen der verpatzten Reifenwahl. Die Scuderia ließ bei Vettel zweimal Supersoft aufziehen, während die Silberpfeile auf die harten Medium-Pneus setzten. Folge: Vettel musste einen Extrastopp einlegen, Mercedes konnte durchfahren und gewann so das Rennen. Zwar wurden Vettel und die Team-Verantwortlichen nicht müde, den Fortschritt des neuen Wagens zu betonen. In Sachen Performance aber liegt für Ferrari weiter das Hauptproblem. Denn Vettel hätte auf der weicheren – und wesentlich schnelleren – Mischung den nötigen Vorsprung für den zusätzlichen Garagenbesuch herausfahren müssen. Dies misslang jedoch. Vielmehr zeigt die Tatsache, dass Rosberg seinem Landsmann auf dem zwei Stufen härteren Reifengemisch ohne allzu großen Zeitverlust folgen konnte, dass Ferraris Rückstand auf die Silberpfeile aller italienischen Frühlingsgefühle zum Trotz immer noch beträchtlich ist.

Bildquelle: Imago Sportfotodienst

WM-Stand 2016

Ganzer WM-Stand
Platz Fahrer Team Land Punkte A B S S C C C B R S H H C A M S S C A A Y
1 GER N. Rosberg MER GER 141 25 25 25 25 A 6 10 25 - - - - - - - - - - - - -
2 GBR L. Hamilton MER GBR 117 18 15 6 18 A 25 25 10 - - - - - - - - - - - - -
3 GER S. Vettel FER GER 96 15 A 18 A 15 12 18 18 - - - - - - - - - - - - -
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