Sa | 13:00

Formel 1: Mercedes überzeugt in Silverstone - Sebastian Vettel und Ferrari unter Druck

Silverstone, Northamptonshire, UK. Saturday 15th July 2017. Sebastian Vettel, Ferrari SF70H suffers a puncture World T Images PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLYSilverstone Northamptonshire UK Saturday 15th July 2017 Sebastian Vettel Ferrari  suffers
Ein Reifenplatzer als Menetekel? Ferrari scheint im WM-Kampf mit Mercedes die Luft auszugehen. © imago/LAT Photographic, Jakob Ebrey, imago sportfotodienst

Von Martin Armbruster

Lewis Hamiltons eindrucksvolle Triumphfahrt bei seinem Heimspiel in Silverstone hat eine Entwicklung offenbart, die sich bereits in den vorangegangenen Rennen angedeutet hatte: Die Mercedes-Dominanz in der Formel 1 ist zurück. Ferrari scheint dagegen abzubauen. Bei (Noch-)WM-Spitzenreiter Sebastian Vettel und der Scuderia sollte spätestens seit dem England-Debakel Alarmstufe Rot herrschen.

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Ferrari in Silverstone absolut chancenlos

Es war eine Machtdemonstration: Das ganze Wochenende über fuhr Mercedes im Home of British Motor-Racing in einer eigenen Liga. Eine halbe, teilweise gar eine Sekunde hechelte die rote Konkurrenz aus Maranello den Silberpfeilen hinterher. Nie – zu keinem Zeitpunkt! – hatten Vettel und Stallkollege Kimi Räikkönen auch nur irgendeine Chance, den Traditions-Grand-Prix aus eigener Kraft zu gewinnen.

"Mit einem idealen Rennen wären wir Zweiter geworden", sagte Vettel hinterher zwar trotzig. Der viermalige Weltmeister schien aber vergessen zu haben, dass er noch vor seinem bitteren Reifenplatzer von Mercedes-Mann Valtteri Bottas – auf der Piste – geschluckt worden war. 

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Vettel: Kein Grund zur Panik

"Das war eine sehr ernüchternde Vorstellung von Ferrari", bilanzierte RTL-Experte Christian Danner das rote Fiasko von Silverstone und wies gleich noch darauf hin, dass es der Weiterentwicklung der roten Renner nicht gerade zuträglich sein wird, wenn in der Sommerpause nach dem Ungarn-GP die Fabriken der Teams "für zwei Wochen dicht machen".

"Es gibt keinen Grund zur Panik, niemand muss sich Sorgen machen. Wir sind auf dem richtigen Weg. Unser Auto ist schnell, unser Auto ist stark", wiegelte ein um Gelassenheit bemühter Vettel zwar ab. Die jüngsten Ergebnisse aber sprechen eine andere Sprache. Denn die Silverstone-Pleite Ferraris kam keineswegs aus dem Nichts, schon in den vergangenen drei Rennen konnte man "eine Trendwende beobachten", wie die 'Gazzetta dello Sport' treffend feststellte.

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Ferrari schon in Baku und Spielberg unterlegen

Das Formel-1-Gleichgewicht der Kräfte – es hat sich wieder eindeutig zugunsten von Mercedes verschoben. Kaschiert wurde dieser Umschwung einzig durch die Ereignisse und Ergebnisse der vergangenen Rennen, die Vettel und Ferrari in die Karten gespielt hatten.

Beim Großen Preis von Aserbaidschan in Baku – der in der Nachlese nur noch von Vettels Rambo-Aktion gegen Hamilton bestimmt worden war – hatte sich bereits ein tiefer Zeit-Graben zwischen Rot und Silber aufgetan. Mehr als eine Sekunde brummte Hamilton den Ferrari in der Baku-Quali auf. Auch am Sonntag zog der Brite einsam seine Kreise bis er Opfer des turbulenten Rennverlaufs wurde. Dass stattdessen Vettel seine WM-Führung ausbauen durfte, war weniger der Stärke Ferraris, als vielmehr dem Einsatz von Glücksgöttin Fortuna geschuldet.

In Österreich war die Scuderia zwischenzeitlich zwar wieder an den Silberpfeilen dran. Dies lag allerdings vor allem an der Charakteristik der äußerst kurzen Strecke – und am Pech Hamiltons. Weil der dreimalige Chmapion in Spielberg das Getriebe wechselte, musste er in der Startaufstellung fünf Positionen zurück. Nur deswegen hatte er im Rennen kaum eine Chance und verpasste als Vierter das Podest. Austria-Triumphator Bottas zeigte im ersten Renndrittel dagegen einmal mehr, wie stark Mercedes sich seit Saisonbeginn verbessert hat. Der Finne fuhr Vettel in der Steiermark die meiste Zeit um die Ohren. Erst als die Reifen am Mercedes kurz vor Renn-Ende abbauten, kam der Ferrarista noch einmal heran.

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Ferraris Reifen-Vorteil dahin?

Stichwort Reifen: Bis zum Silverstone-Fiasko galt das gummischonende Fahrverhalten des SF70H als Ferraris dickstes Plus. Nach den Reifenplatzern von Vettel und Kimi Räikkönen in Silverstone steht auch hinter dem vermeintlich größten Vorteil der Roten ein Fragezeichen. "Ferrari hat die Reifen in Silverstone viel härter belastet als Mercedes", analysierte Danner. Schuld daran sei der mangelnde Abtrieb gewesen. Merke: Stimmt bei Ferrari die Performance nicht, ist auch der Reifen-Vorteil dahin.

Ob dem stolzen Team aus Maranello bis zum Großen Preis von Ungarn in zwei Wochen die Wende gelingt, bleibt abzuwarten. Hoffnung machen wird den Ferraristi die Tatsache, dass der kurvige Hungaroring den roten Rennern auf dem Papier deutlich besser liegen sollte als die schnelle Piste in Silverstone. Nicht umsonst wird der Kurs vor den Toren Budapests gerne als Monaco ohne Leitplanken bezeichnet. Und im Fürstentum hatte in diesem Jahr bekanntlich Sebastian Vettel die Hosen an.  

WM-Stand 2017

Platz Fahrer Team Land Punkte A S B S C C C B R S H C A M S S C A A Y
1 GER S. Vettel FER GER 177 25 18 25 18 18 25 12 12 18 6 - - - - - - - - - -
2 GBR L. Hamilton MER GBR 176 18 25 18 12 25 6 25 10 12 25 - - - - - - - - - -
3 FIN V. Bottas MER FIN 154 15 8 15 25 A 12 18 18 25 18 - - - - - - - - - -
Ganzer WM-Stand