Der große Reporter-Selbsttest: Hartz IV Undercover - Leben im Abseits?

10.12.2012 | 10:30
Hartz IV Undercover - Leben im Abseits? 'Punkt 12'-Reporter Torsten Misler schlüpft in die Rolle eines Hartz-IV-Empfängers.

Leben als Hartz-IV-Empfänger

Ist man als Hartz-IV-Empfänger Mensch zweiter Klasse? Wie wird man behandelt, wie viele Vorurteile, wie viele Demütigungen aber auch wie viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft erlebt man? Diesen Fragen ist 'Punkt 12'-Reporter Torsten Misler in einem großen Undercover-Experiment auf den Grund gegangen.

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Fünf Jahre nach seinem prämierten ersten Selbsttest schlüpfte der Reporter ein zweites Mal in die Rolle eines Hartz-IV-Empfängers, diesmal undercover mit verändertem Äußeren und versteckter Kamera.

Sechs Millionen Menschen in Deutschland sind Hartz-IV-Empfänger – sie führen ein Leben unter finanziellem Dauerdruck. Vorurteile sind dabei allgegenwärtig: Laut einer aktuellen Studie des Allensbach-Institutes im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit werden Hartz-IV-Empfänger von sehr vielen Deutschen als Menschen zweiter Klasse empfunden und betrachten sich oft auch selbst so. Die Erhebung zeigt, dass 57 Prozent der Deutschen denken, Hartz-IV-Empfänger seien bei der Arbeitssuche zu wählerisch; ebenso viele halten sie für schlecht qualifiziert. Über die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass Hartz-IV-Empfänger überhaupt nicht aktiv nach Arbeit suchen und nichts zu tun haben.

Um das am eigenen Leibe zu spüren, tauschte Torsten Misler für insgesamt zwei Wochen seinen Alltag als Fernsehjournalist gegen den eines Arbeitslosen - mit allem, was dazugehört: Wohnungssuche, Ämtergängen und dem unangenehmen Gefühl, von vielen als Schmarotzer betrachtet zu werden. Für sein Undercover-Experiment zog er unter falscher Identität in eine kleine Wohnung in Halle (Saale), wo rund 25.000 Menschen, also jeder 10. Einwohner, auf Arbeitslosengeld 2 angewiesen sind und etwa jedes dritte Kind in Armut aufwächst.

Die 'Punkt 12'-Wochenserie „Hartz IV Undercover – Leben im Abseits?“ zeigt in fünf Teilen, wie es dem RTL-Reporter bei seinem Test ergangen ist. Wie wurde er zum Beispiel im Jobcenter und bei der Wohnungssuche behandelt? Wie meisterte er einen Hartz IV-Alltag mit dem zur Verfügung stehenden Geld? Was erlebte er auf seiner Jobsuche, sobald er deutlich machte, dass er von Hartz IV lebe?

Dabei gab es für ihn einschneidende und auch peinliche Momente. Zum Beispiel, als ihn eine Kassiererin in einem Schwimmbad vor anderen Kunden lautstark aufforderte, erst einmal zum Sozialamt zu gehen, bevor er Ermäßigung bekäme. 'Punkt 12'-Reporter Torsten Misler: „Während meines Experiments habe ich mich oft als Bittsteller gefühlt: Man wartet beim Jobcenter, man wird bei der Jobsuche abgewimmelt, man muss im Kino nach Rabatt fragen. Frustrierend!“

Aber er erlebte auch Positives: „Bei der Tafel, im Sozialkaufhaus oder in der Suppenküche wird nicht groß gefragt, sondern schnell geholfen. Auch Mitarbeiter im Jobcenter waren mir gegenüber oft freundlich“. Torsten Mislers Fazit nach dem Experiment: „Natürlich stimmen die vielen Vorurteile oft nicht. Und man kann auch nicht sechs Millionen Hartz-IV-Empfänger über einen Kamm scheren. Sicher machen sich einige auf Kosten aller ein schönes Leben, aber die meisten würden gern arbeiten. Das Problem: Es lohnt sich oftmals nicht! Bei Stundenlöhnen von 5 oder 6 Euro bleibt am Monatsende kaum mehr übrig als Hartz IV.“

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