Daher Nasser und sein einsamer Kampf gegen israelische Siedler in Palästina

Daher Nasser und seine Brüder haben eine Parzelle Land im Westjordanland.
Daher Nasser leistet Widerstand gegen die Siedler.

"Unser Land ist unsere Mutter. Und die Mutter steht nicht zum Verkauf"

Diese Geschichte ist weltberühmt und auch in Deutschland kennt sie jeder: Das Dorf von Asterix, dem Gallier, hört nicht auf, Widerstand zu leisten gegen die römischen Besatzer. Der kleine Held macht mit seinen Freunden den Römern das Leben schwer.

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Eine ganz ähnliche, wesentlich traurigere Geschichte spielt sich seit vielen Jahren in der Realität ab: Daher Nasser und seine Brüder haben eine Parzelle Land im Westjordanland. Die Israelis wollen dieses Land unbedingt haben, um dort eine weitere Siedlung zu errichten. Doch sie haben nicht mit dem Widerstand der palästinensischen Brüder gerechnet. Seit Jahren kämpfen sie gegen die Siedler – gewaltfrei und völlig friedlich.

"We refuse to be enemies", steht in großen Buchstaben auf einem Stein am Eingang der Farm. "Wir weigern uns, Feinde zu sein." Mit diesem Schriftzug empfängt Nasser seine Gäste. Und diese Gäste kommen nicht immer in friedlicher Absicht: Er und seine Brüder werden bedrängt von den israelischen Siedlern, bedroht und gedemütigt.

Doch die Familie hält durch und ruft jeden Tag aufs Neue zu Friede und Dialog auf: "Dieses Land gehört meiner Familie. Ich habe kein Problem mit meinen israelischen Nachbarn. Aber sie bekommen das Land nicht", sagt Nasser bei einem Treffen mit mir im Westjordanland.

Seine Farm liegt in der sogenannten Zone C des Landes Palästina. Das heißt, dort herrschen israelische Gesetze, Palästinensern ist es verboten, zu bauen. Sie dürfen dort leben, mehr aber auch nicht. Selbst ein Stall für die Hühner darf eine bestimmte Größe nicht überschreiten.

Die Siedler hätten nur zu gern den Hügel, auf dem die Farm liegt. Die umliegenden Berge haben sie schon bebaut, nur Nasser weigert sich standhaft, das Land herzugeben. "Ich habe Papiere, dass das Land meiner Familie gehört. Seit 1916 ist das unser Land. Und ich gehe hier nicht weg", sagt er. Gemeinsam mit seinen Brüdern streitet Nasser auch vor Gericht. Seit 1991 schon kämpft er für sich und seine palästinensischen Nachbarn um das Land.

Die Siedler haben schon alles versucht, an die Farm zu kommen. Sie haben die Zufahrtswege mit Steinen blockiert, erst wenige Tage vor meinem Besuch haben sie einfach ein riesiges Stahltor mitten auf die Straße gebaut. Daher muss nun einen 40-minütigen Umweg fahren, um nach Bethlehem zu kommen, der nächsten Stadt.

Und die Siedler sind mit Gewehren gekommen und haben Nasser offen bedroht. "Sie kamen mit ihren Waffen und sagten 'Shalom' (Friede). Ich sagte, das ist aber nicht Shalom, was ihr da macht. Nehmt die Waffen runter, wir können doch miteinander sprechen", erzählt er.

Eine völlig isolierte Insel im eigenen Land

Daher Nasser und sein einsamer Kampf gegen israelische Siedler in Palästina
Nasser erntet nur Hass und Bedrohung, weil er sein Land verteidigt.

Nach den entwaffnenden Worten des Kleinbauern zogen sie wieder ab. Doch bis heute machen sie den palästinensischen Brüdern das Leben schwer. So bereiten sie mit Bauarbeiten den Bau einer Straße durch die Farm vor. Dazu sägten sie 250 von den Nasser-Brüdern als Symbol des Friedens gepflanzte Olivenbäume ab. Nasser aber sagt kämpferisch: "Für jeden gefällten Baum pflanze ich zehn neue."

Deswegen müssen alle Besucher auf seinem Land bevor sie wieder fahren, mindestens einen Baum pflanzen. Nasser ist clever und hat immer schon Unterstützung aus dem Ausland gesucht. Mittlerweile veranstaltet er unter dem Motto 'Tent of Nations' Arbeitskreise auf seiner Farm, Freiwillige aus aller Welt helfen ihm bei seinem friedlichen Kampf. So hat ihm die Hilfsorganisation 'Grünhelme' von Dr. Rupert Neudeck den Bau einer Solaranlage ermöglicht. Denn die Israelis haben Nassers Land weder ans Strom- noch ans Wassernetz angeschlossen. Seine Farm ist eine völlig isolierte Insel im eigenen Land.

Doch das ist ihm egal. Er will einfach nur auf seinem Land leben. Natürlich haben es die Israelis auch schon mit Geld probiert. Sie präsentierten ihm einen Blankoscheck, er möge einfach selbst die Summe eintragen, die er für sein Land haben wollte. Dafür seien die Israelis auch bereit, ihm bei der Beantragung eines neuen Passes zu helfen. USA, Kanada, Australien, man könne das alles arrangieren. "Doch", so Nasser, "unser Land ist doch unsere Mutter, und die Mutter verkauft man nicht".

Und so werden Nasser und seine Brüder weiterhin ihren ungleichen Kampf ausfechten. Der Blick in die Zukunft ist dabei alles andere als rosig. "Wenn die israelische Mauer durch das Westjordanland erst ganz fertig sein wird, dann sind 25.000 Palästinenser aus fünf Dörfern von ihrem eigenen Land abgeschnitten", sagt er. Denn die Mauer verläuft teilweise mitten durch das Westjordanland. Und dann – so das Schreckensszenario, das Nasser malt – könnte es sein, dass allein der Schulweg für die Kinder wegen der Checkpoints und der Umwege bis zu fünf Stunden in Anspruch nehmen wird. "Viele werden dann freiwillig ihr Land verlassen." Das sei die Strategie der Israelis.

Aus Bethlehem Oliver Scheel

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