China-GP: Hamilton holt den Hattrick - Vettel gedemütigt

20.04.2014 | 14:29
Lewis Hamilton, Mercedes Lewis Hamilton auf dem Weg zum 3. Sieg in Folge.

Lewis Hamilton ist der neue Dominator der Königsklasse. Sein Vorgänger Sebastian Vettel musste beim Großen Preis von China dagegen einen weiteren, demütigenden Nackenschlag einstecken: Erneut musste sich der viermalige Champion einer Stallorder beugen und seinem neuen Teamkollegen Daniel Ricciardo kampflos den Vortritt lassen.

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Hamilton kam der eigene Stallgefährte diesmal nicht in die Quere. Ungefährdet fuhr der Mercedes-Pilot auf dem Shanghai International Circuit einen Start-Ziel-Sieg ein und feierte seinen 3. GP-Triumph in Folge.
Teamkollege Nico Rosberg bescherte seinem Team als Zweiter den 3. Mercedes-Doppelerfolg in Serie. Obwohl er zumindest seine WM-Führung vor Hamilton behauptete, schob Rosberg nach dem 4. Saison-Rennen Frust.

Grund: Den kompletten 4. Saisonlauf musste er ohne Telemetrie absolvieren. "Da konnten die in der Box überhaupt nichts von meinem Auto sehen", sagte Rosberg. Sein 2. Platz sei deshalb "echt noch okay" und freue ihn unter den Umständen. "Es ging um Schadensbegrenzung", sagte Rosberg, der wegen der Telemetrie-Panne den Start völlig verpatzte und nach einer leichten Kollision mit Williams-Pilot Valtteri Bottas sogar auf Platz 7 zurückfiel. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff urteilte: "Ohne Telemetrie ist es ein Blindflug."

Mit Platz 3 versöhnte Fernando Alonso nach dem Ferrari-Debakel beim vergangenen Rennen in Bahrain die Tifosi zumindest ein wenig und bescherte seinem neuen Teamchef Marco Mattiacci zum Einstand ein kleines Erfolgserlebnis. Ricciardo nahm Vettel bis ins Ziel 20 Sekunden ab und sicherte sich knapp hinter Alonso Platz 4. Vettel dagegen musste sich mit Platz 5 vor Force-India-Pilot Nico Hülkenberg begnügen.

"Mehr als Platz fünf war heute nicht drin", sagte der viermalige Champion mit griesgrämiger Miene. "Das Ergebnis fuchst mich nicht so sehr. Aber die Tatsache, wie es zustande gekommen ist, gefällt mir nicht." Ob Vettel damit auch auf die Anweisung seines Teams anspielte, seinen schnelleren Teamkollegen passieren zu lassen, lies er offen. Nach der Aufforderung via Boxenfunk diskutierte Vettel zunächst noch mit den Red-Bull-Strategen und hielt noch eine Runde dagegen, dann ließ er Ricciardo doch passieren.

Dabei hatte das Rennen so gut begonnen für Vettel. Von Position 3 schnappte er sich den vor ihm gestarteten Ricciardo und sortierte sich hinter Hamilton ein, der von der Pole Position souverän die Führung übernahm. Alonso katapultierte sich von Startplatz 5 ebenfalls noch an Ricciardo vorbei auf Platz 3, und das, obwohl der Ferrari-Mann im Getümmel ziemlich heftig mit dem Williams seines ehemaligen Teamkollegen Felipe Massa kollidiert war.

Trotzdem konnten beide Piloten weiterfahren, Massa sortierte sich hinter Ricciardo auf Platz 5 ein. Ein völlig missratener erster Boxenstopp kostete den Brasilianer später mehr als ein Minute und warf ihn fast bis ans Ende des Feldes zurück.

Vettel muss Ricciardo passieren lassen

Auch ohne Kollision war dagegen das Rennen für Adrian Sutil früh vorbei. Schon nach sieben Runden musste der 31-Jährige seinen Sauber mit einem Motorenproblem in der Box abstellen. An der Spitze fuhr Hamilton schon bald ein einsames Rennen. Pro Runde nahm der Mercedes-Mann seinem ersten Verfolger Vettel rund eine Sekunde ab.

Die ersten Boxenstopps brachten ab Runde 12 wieder Bewegung in die Positionen hinter Hamilton: Alonso stoppte eine Runde früher als Vettel und schlüpfte dadurch am Weltmeister vorbei. Auch der zweite Red-Bull-Pilot bog einen Umlauf später als sein Verfolger Rosberg zum ersten Reifenwechsel ab und fiel dadurch hinter den Silberpfeil-Mann auf Platz 5 zurück. Mit 31 Sekunden Vorsprung stoppte Hamilton als Letzter der Spitzengruppe und blieb ungefährdet in Führung.

Teamkollege Rosberg setzte derweil seine Aufholjagd fort. In Runde 23 kassierte er seinen Landsmann Vettel und als 11 Umläufe später Alonso zum zweiten Service an die Box kam, war Rosberg endlich da, wo er eigentlich schon nach dem Start sein wollte - auf Platz 2 hinter seinem Stallgefährten.

Der 3. Boxenstopp warf Rosberg zwar kurzzeitig noch einmal auf Platz 3 hinter Alonso zurück. Doch in Runde 43 kassierte er den Spanier problemlos auf der Strecke und sicherte Mercedes die maximale Punkteausbeute in der Weltmeisterschaft. Der große Triumphator war aber wieder einmal Hamilton. Der Brite fuhr seinen 25. Formel-1-Sieg im Schongang nach Hause und hatte im Ziel trotzdem noch 18 Sekunden Vorsprung.

"Ich bin meistens nur gegen mich gefahren", beschrieb Hamilton selbst seine Triumphfahrt. Sein Boss Wolff konstatierte: "Lewis war auf seinem ganz eigenen Level." Und Niki Lauda, Vorsitzender des Formel-1-Aufsichtsrates von Mercedes bestätigte Hamilton "Höchstform".

Am Ende wurde es dann noch kurios: Ein chinesischer Funktionär schwenkte die karierte Zielflagge eine Runde zu früh, deshalb wurden den Regeln gemäß die letzten beiden der 56 Runden nicht mehr gewertet. Am Klassement änderte sich dadurch allerdings nicht allzu viel. Nur das Überholmanöver des japanischen Caterham-Piloten Kamui Kobayashi gegen den Franzosen Jules Bianchi im Marussia aus der Schlussrunde wurde nicht mehr für das offizielle Resultat gewertet. Bianchi wird daher als 17. vor Kobayashi gewertet.

Bildquelle: Getty Images/Bongarts

WM-Stand 2016

Ganzer WM-Stand
Platz Fahrer Team Land Punkte A B S S C C C B R S H H C A M S S C A A Y
1 GER N. Rosberg MER GER 141 25 25 25 25 A 6 10 25 - - - - - - - - - - - - -
2 GBR L. Hamilton MER GBR 117 18 15 6 18 A 25 25 10 - - - - - - - - - - - - -
3 GER S. Vettel FER GER 96 15 A 18 A 15 12 18 18 - - - - - - - - - - - - -
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