Bewegendes Video für Prügelopfer Tugce (†22): "Ich bin so stolz auf dich"

Geräte sollen an Tugces 23. Geburtstag abgestellt werden

Es ist ein Fall, der fassungslos macht: Die hübsche Lehramtsstudentin Tugce hatte in einem Fastfood-Restaurant in Offenbach zwei Mädchen beschützt, die belästigt wurden. Daraufhin prügelte der Täter die 22-Jährige ins Koma. Nun ist Tugce hirntot. Nach dpa-Informationen sollen die lebenserhaltenden Maßnahmen am Freitag beendet werden - es ist Tugces 23. Geburtstag.

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Bewegendes Video für Tugce (†22)
Tugce wäre morgen 23 Jahre alt geworden.

Zehntausendfach wurde bereits ein Video geklickt, das ihre Tragödie deutschlandweit bekannt machte. Manuel Schröder hat den Film gedreht. Er kennt Tugce und ihre Familie. "Sie haben es ihr am Bett vorgespielt. Die Familie wollte dann, dass es auch die Öffentlichkeit kommt", erzählt er.

Bei Hirntoten sind die Gesamtfunktionen des Gehirns unwiederbringlich erloschen. Der Mensch atmet auch nicht mehr. Durch künstliche Beatmung kann der Blutkreislauf aber erhalten werden. Bis zuletzt hatte ihr Vater gehofft, dass seine Tochter überleben könnte. "Sie hat einen ganz warmen Körper. Ich denke immer, sie kommt zurück, egal ob ganz gesund oder nicht ganz gesund, egal, ich will nur meine Tochter zurück haben", so Ali Albayrak kurz nach der Prügelattacke. Ein in der Klinik arbeitender Sozialpädagoge kommt regelmäßig zu dem Raum, in dem Tugces Familie seit dem schrecklichen Geschehen am 15. November zusammengesessen hat. Bis in die Nacht hinein hätten alle getrauert, sagt der Mann. "Aber die Mutter sitzt Tag und Nacht am Bett. Jetzt bestimmt auch."

Überwachungskameras zeigen die Aggressivität des Täters

Der Täter, Sanel M., 18 Jahre, ist der Polizei von mehreren Delikten als gewalttätig bekannt. Er sitzt jetzt in U-Haft. Zur Tat will er nichts sagen.

Tugces Onkel wurden von der Polizei Bilder der Überwachungskameras vom Tatort vorgespielt. "Man sieht auf Überwachungskameras, wie der Schläger (…) eine Stunde lang immer wieder anfängt aggressiv wird, gebändigt werden muss", berichtet Murat Capri. Die Ermittler hoffen, dass sich die beiden blonden Mädchen melden, denen Tugce zur Hilfe gekommen war. Sie sollen zwischen 13 und 16 Jahre alt und an dem frühen Morgen stark betrunken gewesen sein.

Warum das Personal nicht die Polizei rief und ob es weitere Zeugen gibt, wird noch ermittelt. Klar scheint: Die Aggressivität, die Rachsucht des Intensivtäters hat Tugce offenbar völlig unterschätzt. "Wenn wir Zivilcourage zeigen, dann sollten wir auch draußen noch aufpassen, uns begleiten lassen, damit der Täter einen dort nicht abpassen und angreifen kann", rät Norbert Kuntze von der Initiative 'Tu was! Zeig Zivilcourage'.

Trauer und Entsetzen über die Tat haben Hunderte bei zwei Mahnwachen zum Ausdruck gebracht. Noch mehr Menschen wollen sich zum Gedenken an die junge Frau am Freitagabend anlässlich Tugces Geburtstags vor dem Klinikum versammeln.

Seit den ersten Medienberichten über den Tod der jungen Frau am Mittwoch bekunden zahlreiche Menschen ihre Trauer auch in sozialen Netzwerken. Im Internet kursiert das Video eines Auftritts von Tugçe bei ihrer Abiturfeier vor vier Jahren. Am Tatort erinnern mehrere Banner an das Mädchen: "Für mehr Zivilcourage" und "Ruhe in Frieden" ist darauf unter anderem zu lesen.

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