5 Zimmer 1 Gewinner: Das Interview mit Attila Deveci

14.02.2014 | 13:25
5 Zimmer 1 Gewinner: Attila Deveci Design-Experte Attila Deveci

"Es geht um Kommunikation und Identität"

Wie sind Sie vom Mode- zum Interior-Designer geworden? Attila Deveci: Dieser Brückenschlag ist gar nicht so schwierig, da es sich bei beiden Disziplinen um einen 3D-Körper handelt. Der Raum und der menschliche Körper. Es geht hier um Kommunikation und Identität. In beiden Disziplinen spielt man mit Proportionen, man spielt mit Texturen, mit Farben und Formen. Beiden Disziplinen liegt ein Grund/Ur-Bedürfnis zu Grunde: der Schutz. Heute ist Bekleidung und auch Interior eine non-verbale Kommunikationsebene. Man bekleidet / richtet sich ein, um etwas von seiner eigenen Persönlichkeit zu kommunizieren oder etwas darzustellen.

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Sie leben in London. Sind die Engländer anders oder auch stilvoller eingerichtet als die Deutschen?
Ich denke, dass man das nicht pauschalisieren kann. Es ist die Vielfalt an Möglichkeiten und Eindrücken, die London vielleicht vorteilhafter erscheinen lässt und somit eher eine stilvollere Quelle bildet. Einen Interior-Unterschied zwischen den beiden Nationen gibt es allerdings schon, und zwar den Kamin, oder wie der Engländer ihn nennt: Fire Place. Egal wie klein, egal reich oder weniger reich - der Fire Place ist immer dabei und auch gewünscht. Ob es ein elektrischer Kamin ist oder nicht, dass ist dem Engländer egal. Hauptsache das Ding ist drin. Der Kamin im Interior hat sehr starke kulturelle/historische Wurzeln.

Bekommt man in der Modemetropole London andere Inspirationen als in Deutschland?
Ja, aber das liegt nicht daran, dass London in England ist, sondern alleine an der Vielfalt. Vielfalt nicht nur aufgrund der Shops und des damit verbundenen Angebots, sondern auch auf Grund der Internationalität und der unterschiedlichen Kulturen, die man in London finden kann.

Wie sind Sie zu Hause eingerichtet?
Einfach, übersichtlich, vielschichtig und verschiedene Epochen/Stilrichtungen vermischt.

Muss man viel Geld für eine gemütliche und schöne Deko investieren?
NEIN NEIN NEIN - Geld hat mit schön nichts zu tun. Es ist einfach nur eine Frage des Sehens. Man kann für “Umme” genauso schön wohnen, wie man auch für sehr viel Geld ganz scheußlich leben kann. Die Frage ist doch: Was mache ich mit den mir gegebenen Möglichkeiten? Hier fängt die Kreativität bereits an. Man muss einfach nur richtig “sehen” können - und dann klappt das auch mit ganz wenig Geld. Außerdem fände ich es sehr schade, wenn das tatsächlich mit viel Geld zu tun hätte. Es ärgert mich, wenn man immer den Preis in den Vordergrund stellt und nicht das Objekt an sich. Das ist mir zu prätentiös.

Kleine Tricks und Deko No-Gos

5 Zimmer 1 Gewinner: Attila Deveci Attila Deveci ist von Beruf Interior-Designer und lebt in London.

Ist es wirklich so schwierig, in 12 Stunden eine passende Deko zu finden und einen Raum umzugestalten?
Ich denke, die Schwierigkeit liegt daran, dass sich die Kandidaten selber unter Druck setzen und während des Prozesses an ihren Entscheidungen zweifeln, dann Panik entsteht und sie den roten Faden verlieren. Sie sollten sich einfach nur auf das Wesentliche konzentrieren und konsequent durchziehen - dann klappt das. Natürlich auch etwas improvisieren und zu Alternativen greifen - die meisten Kandidaten haben ja bereits ein Händchen dafür, was Deko anbelangt. Zufall ist die Schwester der Kreativität!
Aber ich denke, unsere Kandidaten sind auch sehr ehrgeizig und wollen gewinnen, das macht die Sache natürlich nicht einfacher.

Was machen viele Menschen bei der Einrichtung ihrer Wohnung bzw. eines Zimmers falsch?
Hier möchte ich auf die erste Frage zurückgreifen. Wenn man sich umschaut, wie hübsch und proportioniert die meisten Menschen sich selber kleiden und präsentieren, wundert man sich, wenn man deren Wohnung sieht.
Ich denke, man sieht in Wohnungen Proportionen nicht richtig. Da muss einfach der überdimensional große Fernseher in die Ecke geklatscht werden – egal, ob der Fernseher dem Raum gut tut oder nicht. Aber dieselbe Person würde beim Klamotten kaufen sagen: Das Kleid ist toll, aber ich bin etwas zu klein, zu groß etc. dafür. Wenn man wirklich bewusst in den Raum sieht, erkennt man schnell, welche Proportionen funktionieren und welche nicht.
Zusätzlich zur Proportion wird auch gerne vernachlässigt: “Ach ja, wir stellen es halt mal da kurz hin, bis wir etwas Besseres gefunden haben” und das Ding, was immer es ist, bleibt da für die Ewigkeit. Das würde niemand mit Klamotten tun.
Ich denke, jedes Zimmer braucht einen Fixpunkt, auf dem das Auge ruhen kann. Das macht die ganze Sache harmonischer und ausgeglichener. Der Fixpunkt in sehr vielen Wohnungen bildet der Fernseher und der Raum wirkt sehr unkommunikativ. Wenn man sich einrichtet, sollte man sich vielleicht Kommunikationsgruppen vorstellen, diese Couch spricht mit dieser Couch, dieser Stuhl spricht mit diesem Stuhl. Oftmals wird alles der Wand entlang hingestellt mit dem Fokus Fernseher. Wie kann das kommunikativ sein?

Was ist ein absolutes „No-Go“?
Da möchte ich einfach wieder an der vorhergehenden Frage anknüpfen:
„No Go’s“ sind einfach diese vernachlässigten, unkommunikativen Kegelbahnen, die man sich einrichtet. Oder zu grelle Beleuchtungen. Womöglich auch noch solche OP-Neonröhren an der Decke. Dieses Licht tut dem Raum nicht gut und auch uns nicht. Am besten unterschiedliche Lichtinseln schaffen - das ist auch ein guter Trick, unschöne Ecken und Kanten im Raum zu verstecken. Diese Wandklebe-Sprüche finde ich persönlich auch sehr albern. Ein tolle Wandfarbe oder einfach nur ein schönes Bild oder eine Rolle Tapete tun es alle mal.

Was ist total in?
Etwas kann nur als “in” eingestuft werden, wenn man das “out” auch kennt. Sprich: Neu kann nur im Zusammenhang mit Alt existieren. Ganz neu ist meistens nichts - schon Bekanntes wird oft nur in einen neuen Zusammenhang gebracht oder anders interpretiert. Ich möchte hier einfach nur auf Klassiker in neutralen Farben, in schlichten Formen verweisen - diese sind ästhetisch beständig - dann einfach die neuesten Farben und Formen mit Accessoires und Wandfarbe ins Interior bringen. Das ist nicht so teuer und aufwendig, wie jede Saison ein neues Sofa in der saisonalen Trendfarbe zu kaufen.
Momentan finde ich Kupfer sehr schön - in Kombination mit sehr matten und stumpfen Farben und Materialien. 3D/Foto-Prints und auch fließende Farbtöne an einer Wand wie z. B. von Pink nach Weiss sind gerade sowohl in der Fashion auch im Interior überall zu sehen.

Kleiner Raum – und nun?
Bei kleinen Räumen kann man mit großen Accessoires (Lampen etc.) viel gut machen. Die meisten Menschen machen den Fehler, in einen kleinen Raum zu kleine Accessoires zu stellen, weil man der Annahme ist, das mache den Raum größer. Aber das ist falsch - große Accessoires im kleinen Raum lassen den Raum viel großzügiger wirken. Allerdings sollte man den Raum damit nicht überladen. Wenige große Accessoires in Kombination mit einem tollen großzügigen Spiegel wirken Wunder.
Aber es muss ja nicht immer alles groß wirken - man kann auch im Muster- und Materialmix aus einem kleinen Raum eine gemütliche und wohnliche Oase kreieren, die zum Zurückziehen einlädt.

Dunkler Raum – helle Farben?
Grundsätzlich ja. Helle Farben in Kombination mit lichtreflektierenden Oberflächen und viele Lichtoasen auf verschiedenen Ebenen schaffen.

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"Unter uns"-Folge vom 30.05.2016

Robert wird von seiner Vergangenheit eingeholt