1. Heimsieg und Ende des Juli-Fluchs für Vettel

Sebastian Vettel hat sich einen lang gehegten Traum erfüllt und endlich den Großen Preis von Deutschland gewonnen. Der erste Sieg des Red-Bull-Piloten auf dem legendären Nürburgring war jedoch ein hartes Stück Arbeit – er musste bis zur letzten Runde zittern.

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Sebastian Vettel, Red Bull, Formel 1, Nürburgring
Sebastian Vettel gewinnt den Großen Preis von Deutschland © REUTERS, WOLFGANG RATTAY

Nach 60 Runden und 308,863 km siegte der dreimalige Weltmeister, der vier Tage vor dem Rennen seinen 26. Geburtstag gefeiert hatte, ganz knapp vor dem Lotus-Duo Kimi Räikkönen (+ 1,008 Sekunden) und Romain Grosjean (+ 5,830). Zudem endete Vettels ‘Juli-Fluch‘: Bisher gelang ihm noch nie ein Sieg im Monat Juli. "Den Jubel hört man auch im Auto und die Unterstützung ging mir sehr nahe. Den Tag werde ich nicht mehr vergessen", bedankte sich Vettel bei den vielen Fans.

Mercedes-Pilot Lewis Hamilton, der das Rennen von der Pole Position begonnen hatte, wurde hinter Ferrari-Star Fernando Alonso Fünfter. Nico Rosberg beendete sein Heimrennen im Silberpfeil auf Platz 9. Zufrieden war der 28-Jährige damit aber keinesfalls: "Das war ein sehr schwieriger Tag heute, es war nicht schön zu fahren. Wir waren einfach nicht schnell genug. Das erinnert mich so sehr an die letzten Monate, in denen wir so langsam waren", ärgerte sich Rosberg. Nico Hülkenberg war hingegen zufrieden. Er schaffte es im Sauber als Zehnter noch in die Top 10. Adrian Sutil, der vierte deutsche Fahrer, landete im Force India auf Rang 13.

Schlimmer Unfall bei Webbers Boxenstopp

Vettel legte den Grundstein zum Heimsieg gleich zu Beginn mit einem ‘Kamikaze-Start‘. Hamilton versuchte zwar, ihm die Türe zuzumachen, aber gegen den Blitzstarter im Red Bull war der Pole-Setter machtlos. In der 1. Kurve musste Hamilton sogar noch Mark Webber im zweiten Red Bull passieren lassen. Auch der zweite Mercedes-Fahrer erwischte keinen guten Start: Rosberg fiel von Rang 11 auf 12 zurück und lag unmittelbar vor Sutil. Hülkenberg verlor ebenfalls eine Position und war Elfter nach dem Start.

Schon in der 7. Runde kam Hamilton an die Box, um von den weichen auf die Medium-Reifen zu wechseln. Vettel und sein Team reagierten umgehend und tauschten einen Umlauf später die Reifen. Nach Runde 9 kam Webber zum Reifenwechsel, doch dieser endete in einem Desaster. Der rechte Hinterreifen wurde nicht richtig fixiert. Das Rad löste sich nach dem Losfahren und traf einen Kameramann im Rücken. Er wurde umgehend mit einer Trage abtransportiert und ins Krankenhaus gebracht. Eine erste Diagnose ergab, dass der Kameramann eine Gehirnerschütterung und Knochenbrüche erlitten haben soll. Eine Gefahr fürs Leben soll nicht bestehen. Webber konnte das Rennen übrigens fortsetzen. Er wurde zurückgeschoben und bekam ein neues Rad.

Grosjean und das Lotus-Team zeigten bei den Stopps deutlich mehr Geduld. Dadurch wurde der Franzose an die Spitze gespült. Erst in der 14. Runde holte sich Grosjean die Medium-Reifen und kam als Zweiter hinter Vettel wieder auf die Strecke. Ein kluger Schachzug des Lotus-Teams – Hamilton und Vettel haben offenbar unnötig früh die Pneus getauscht.

Das nächste Kuriosum ereignete sich in Runde 24. Jules Bianchi stellte seinen Marussia mit Motorschaden ab. Als die Streckenposten das Auto bergen wollten, machte sich der Marussia selbstständig und rollte führungslos quer über die Piste. Zum Glück kam gerade kein Auto. Dennoch reagierte die Rennleitung umgehend und schickte das Safety Car in Runde 25 raus. Das Feld rückte also wieder eng zusammen. Bis auf Button und Hülkenberg nutzten nahezu alle die Safety-Car-Phase zum Reifenwechsel – also auch das Führungs-Quartett Vettel, Grosjean, Räikkönen und Alonso. Pole-Mann Hamilton lag zu diesem Zeitpunkt auf Position 7.

Ab Runde 30 durften die Piloten dann wieder nach Lust und Laune Gas geben – das Safety Car bog ab. Bis zur 41. Runde tat sich auf den ersten fünf Plätzen nichts. Dann eröffnete Grosjean die letzte Welle der Boxenstopps. Red Bull reagierte erneut und schickte Vettel einen Umlauf später an die Box. Vettel und Grosjean fielen zunächst auf die Ränge 5 und 6 zurück, die Führung übernahm Lotus-Mann Räikkönen. Die große Frage war dann: Kommt der Finne noch zu einem dritten Stopp oder fährt er durch?

Die - kurzzeitige - Erlösung für Vettel kam in Runde 50: Die Lotus-Crew holte Räikkönen rein und Vettel rutschte wieder nach vorne, gefolgt von Grosjean und dem ‘Iceman‘. Dieser machte auf den Soft-Reifen aber ordentlich Dampf. Runde um Runde holte Räikkönen auf und Vettel musste sein Können aufbieten, um den Finnen hinter sich zu halten. "Wäre das Rennen ein bisschen länger gewesen, hätte ich Seb vielleicht noch bekommen. Trotzdem - ein gutes Ergebnis für uns", fasste Räikkönen treffend zusammen.